Die letzte Aufgabe vor dem Schlussspurt! Nach dem kommenden Auswärtsspiel in Verl, geht es für den 1.FC Saarbrücken, wie auch für alle anderen deutschen Profiteams in die letzte Länderspielpause der Saison, bevor die finalen sechs Wochen des Spieljahres beginnen.
Der 1.FC Saarbrücken bekommt es davor noch mit dem wohl spielerisch stärksten Team der dritten Liga zu tun. Der SC Verl steht vor dem 30. Spieltag auf Rang vier mit 51 Punkten. Diese Saison sind die Ostwestfalen zweifellos ein Anwärter für einen möglichen Aufstieg und das, obwohl sie finanziell vergleichsweise tiefer stapeln als manch anderer Verein. Gelingen sollte dies dank einer klaren Philosophie innerhalb des Clubs. Der ehemalige Sportchef Sebastian Lange (wechselte im vergangenen Sommer nach Paderborn) darf als Vater des Erfolgs bezeichnet werden. Er entdeckte sowohl Mitch Kniat (Bielefeld-Trainer), Michael Ende (bis zuletzt Preußen Münster-Coach) und den aktuellen Cheftrainer Tobias Strobl, die allesamt überragende Arbeit in Verl leisteten.

Spätestens seit der Amtszeit von Ende fokussiert sich der SC Verl auf einen sehr ballbesitzorientierten Stil. Strobl erbte die 4-4-2-Raute von ihm, entwickelte in der Zwischenzeit jedoch sowohl das Team als auch die Struktur erheblich weiter. Insbesondere offensiv lässt sich praktisch kaum ein wirkliches System erkennen, da Verl mit vielen Positionswechseln agiert und auch die meiste Zeit ohne klassischen Mittelstürmer startet. Die Kunst des Ballbesitzfußballs ist es, sich viele Chancen zu erspielen, statt seinen Fans ein ideenloses Hin-und-Her-Geschiebe in der eigenen Hälfte anzubieten und das gelingt den Schwarz-Weißen auf allen Ebenen!
Der SC Verl schoss in dieser Saison die meisten Tore (67), gibt pro Partie die meisten Schüsse ab und rangiert in Sachen des durchschnittlichen xG-Werts (erwartete Tore) knapp hinter Rot-Weiß Essen auf Platz 2 der Liga. Verl kreiert also enorm viel aus ihren Ballbesitzphasen. Der Fokus liegt eindeutig auf technisch anspruchsvollen Kombinationen durch das Zentrum, so liegen die Ostwestfalen im Bereich der Flanken weit unten in der Tabelle. Auch in Defensiv-Statistiken wie abgefangene Bälle pro Partie stechen sie nicht hervor, da sie in den meisten Fällen selbst am Ball sind. Nichtdestotrotz stellen sie mit 41 Gegentreffern sogar die achtbeste Defensive und hielten bereits sechs Mal die Null.
Der auffälligste Spieler in den Reihen des SC Verl ist definitiv Berkan Taz. Ganze 26 Scorerpunkte erzielte der Zehner in dieser Saison bereits und steht damit wenig überraschend, gemeinsam mit dem Aachener Lars Gindorf, an der Ligaspitze. Mit 17 Toren und Vorlagen darf zudem Alessio Besio als Gefahr angesehen werden. Die Freiburger Leihgabe agiert meist über links und hat neben einem sensationellen Abschluss noch hervorragende Fähigkeiten im Eins-gegen-eins. Der Saarländer und ehemalige FCS-Jugendspieler Jonas Arweiler (geboren in Püttlingen) ragt mit 15 Scorern ebenfalls heraus. Die meiste Zeit kommt Arweiler derweil von der Bank, was seine überragende Quote von einem Treffer alle 92 Minuten erklärt. Mit Timur Gayret (zentraler/rechter Mittelfeldspieler) und Oualid Mhamdi (rechter Verteidiger) kommen sogar noch zwei weitere Akteure auf über 10 Scorerpunkte.
Aus den letzten sechs Begegnungen holten die Mannen von Tobias Strobl mit zehn Punkten aber nur einen mehr als die Mannschaft des 1.FC Saarbrücken. Ergebnistechnisch existierte eine kleine Delle in der Rückrunde, ihre fußballerische Klasse bleibt aber unbestritten. Erst zweimal verlor das Team in der heimischen Sportclub-Arena, was Platz sechs in der Heimtabelle bedeutet. Mit schwachen 2889 Zuschauern im Schnitt besteht jedoch keine besonders große Heimmacht.
Vor der zweiwöchigen Pause, erwartet den FCS also eine sehr komplizierte Aufgabe. Das Hinspiel im Ludwigspark (2-5 für Verl) demonstrierte bereits die Stärken der Ostwestfalen, die damals die Schwachstelle im Sechserraum des FCS erkannten und die Mannschaft gnadenlos vorführten. Unter Argirios Giannikis konnte dieser Umstand merklich verbessert werden, dennoch steht ihm und seinem Team nun die bisher schwerste Aufgabe seiner bisherigen Amtszeit bevor.

