StartFCSKontroverse Diskussion beim Fanvertretertreffen des 1. FC Saarbrücken

Kontroverse Diskussion beim Fanvertretertreffen des 1. FC Saarbrücken

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81 Vertreter von 160 existierenden Fanclubs waren der Einladung des FCS Präsidiums am Donnerstagabend gefolgt. Sie wollten wissen, was Hartmut Ostermann und Co. über die Außerordentliche Mitgliederversammlung und die dort zu behandelnden Anträge zu sagen hatten. Anlass der auf den 11. Oktober datierten Veranstaltung wird im Wesentlichen die Entscheidung über einen von der Fangruppierung Virage Est initiierten Antrag auf Satzungsänderung sein, der die vereinsinterne Macht vom gegenwärtig geschäftsführenden, ehrenamtlichen Präsidium zu einem vom Aufsichtsrat bestimmten dreiköpfigen Vorstand mit den Geschäftsbereichen Sport, Finanzen, sowie Marketing/Vereinsentwicklung verschiebt.

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Ostermann machte deutlich, dass das Präsidium selbst einen anderen Weg bevorzuge. Die Vereinsführung hält die Ausgliederung der Profiabteilung in eine GmbH & Co. KGaA für die bessere Lösung. Dieses Modell biete erprobte Strukturen im Profifußball, sichere die 50+1-Regel und ermögliche zugleich die Einbindung von Kapitalgebern. Die beantragte Satzungsänderung von Virage Est bezeichnete er dagegen als einmaliges Modell ohne Vorbilder, das zwar möglich, aber mit Risiken verbunden sei. Gleichwohl betonte Ostermann, dass das Präsidium die außerordentliche Versammlung neutral und fair leiten werde: Die Entscheidung liege allein bei den Mitgliedern, die dafür eine Dreiviertelmehrheit benötigen.

Hartmut Ostermann
FCS-Präsident Hartmut Ostermann

Klar stellte Ostermann, dass am 11. Oktober ausschließlich über die vorliegenden Satzungsänderungsanträge der Virage Est und des ehemaligen Wirts des FCS Sportheims, René Kayser, abgestimmt werde. Zusätzlich gibt es noch einen Antrag des Mitglieds Rainer Buch, der Auskunft über die „Dienstleistungs- und Vergütungsbeziehungen zwischen dem 1. FC Saarbrücken e.V. und der Kanzlei des amtierenden Schatzmeisters“ (Prof. Dieter Weller) verlangt. Ein Thema, das am Donnerstagabend ausführlich diskutiert wurde. Über die vom Präsidium bevorzugte Ausgliederung werde zu einem späteren Zeitpunkt in einer weiteren Außerordentlichen Mitgliederversammlung entschieden.

Nach der Einführung des Präsidenten konnten sich die Fanclubvertreter äußern und Fragen stellen. Dies wurde ausgiebig genutzt. Zunächst stellten Vertreter der Virage Est klar, dass nicht – wie Ostermann behaupte – ihr Modell „einmalig in Deutschland“ sei, wobei sie auf ähnliche Satzungen von Mainz, Nürnberg und Freiburg verwiesen. Einmal sei die gegenwärtige Struktur des 1. FC Saarbrücken. In den ersten drei Ligen Deutschlands stehe nur noch der TSV Havelse mit einer ehrenamtlich agierenden Geschäftsführung da. Außerdem sei es nicht korrekt, dass Ostermann davon spreche, man habe ihm das Modell als nicht mehr veränderbar vorgestellt. Es habe Änderungsvorschläge durch Mitglieder gegeben und auch aus dem Aufsichtsrat seien Korrekturen eingebracht worden. Ostermann entgegnete, dass er die Vertreter dann wohl falsch verstanden habe und zeigte Diskussionsbereitschaft. Der Satzungsentwurf habe eine Reihe von Mängeln. Einfluss auf die bevorstehende Mitgliedersammlung und den Antrag dürfte dieses Missverständnis jedoch nicht haben, denn der eingebrachte Antrag auf Satzungsänderung konnte nur bis zur Einladung zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung verändert werden. Nachträgliche Korrekturen, die sich beispielsweise während der Diskussion am 11. Oktober ergeben, können nicht mehr berücksichtigt werden.  

Ehrenmitglied Bernd Gauer wollte wissen, ob die im Jahr 2022 geänderte Satzung mittlerweile im Amtsgericht eingetragen sei, was Schatzmeister Weller bestätigte. Es habe Verzögerungen gegeben, weil das Amtsgericht nicht von einer ordnungsgemäßen Einladung ausgegangen sei. Diese Fehlannahme habe man korrigieren können. Gauer wies ebenfalls darauf hin, dass die Mitglieder des Ehrenrats von der Mitgliederversammlung gewählt werden müssten, weil dieses Gremium über die Zulassung der Aufsichtsratskandidaten entscheide. Ein wichtiger Hinweis, denn bis dato wurde die Ehrenratsmitglieder vom Präsidium ernannt. Ein formaler Fehler, der die Wahlen des künftigen Aufsichtsrats nichtig machen könnte.  

Salvo Pitino
FCS-Vizepräsident Salvo Pitino

Mehrere Fanvertreter zeigten sich irritiert über den Zeitpunkt der Ankündigung der Ausgliederung. Man habe den Eindruck, das Präsidium habe das Modell vorgebracht, um dem Vorschlag der Virage etwas entgegenzusetzen. Das verneinte Hartmut Ostermann ausdrücklich. Die Diskussion und auch der – einstimmig – gefasste Präsidiumsbeschluss sei entstanden, bevor man von den Plänen der Virage erfahren habe. Vize-Präsident Salvo Pitino wehrte sich auf Nachfrage gegen diese Darstellung Ostermanns. Pitino betonte, dass eine Ausgliederung ein hochkomplexes Vorhaben sei, das mit erheblichen rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Fragestellungen verbunden ist. Er stellte infrage, ob ein solches Projekt innerhalb weniger Wochen seriös und fundiert vorbereitet werden könne. Für ihn sei klar, dass die bislang eingeräumte Zeit nicht ausreiche, um die notwendigen Grundlagen zu schaffen. Damit erntete er den süffisanten Kommentar Ostermanns, dass es offensichtlich unterschiedliche Auffassungen über die Bedeutung von „Einstimmigkeit“ gebe. Völlig humorfrei war die Veranstaltung also nicht.

Salvo Pitino geriet als Verantwortlicher für das Merchandising später erneut unter Druck, als ihm sein Präsidiumskollege Weller durch die Blume vorwarf, schlecht zu wirtschaften: Trotz eines Rekordumsatzes von rund 1,677 Mio. € bleibe nur ein Ergebnis von etwa 51.000 € (~3,1 %). Das sagten die aktuellsten Zahlen aus. Hauptproblem sei der Wareneinsatz von rund 74 % (branchenüblich ca. 53–54 %). Strukturelle Kosten (Personal, Miete, Lager, Verpackung, externe Einkaufsunterstützung) kämen hinzu. Es entspann sich eine Debatte, die sich erstaunlicherweise zwischen Schatzmeister Weller und Aufsichtsratschef Aron Zimmer und nicht dem angesprochenen Vizepräsidenten Salvo Pitino darüber entspann, ob die Ursache des schlechten Ertrags primär an Kalkulation oder Lagerdrehung liege. Präsident Ostermann verwies auf die Zahlen der Wirtschaftsprüfer, denen man glauben schenken müsse und damit war das nächste Thema auf dem Tisch.

Dieter Weller
Schatzmeister Prof. Dieter Weller

Aufsichtsrat Zimmer und Schatzmeister Weller hatten gemeinsam eine Prüfung der letztjährigen Bilanz beschlossen. Ziel der Maßnahme war, so Weller, eine unabhängige Bestätigung zu erhalten, dass die Verträge marktgerecht und unbedenklich seien. Die Abhöraktion des mit der Lagerverwaltung betrauten Dienstleisters habe bei der Prüfungsgesellschaft für Ärger gesorgt. Mittlerweile sei das Thema ad acta gelegt und man erwartet die Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses für den 28. Oktober.

Nach Ende der Veranstaltung bewerteten die verschiedenen Gruppierungen den Abend sehr unterschiedlich. Von Seiten des Präsidiums zeigte man sich zufrieden damit, dass man einige Diskussionen vorweggenommen habe, was den Ablauf der Versammlung am 11. Oktober beschleunigen dürfte. Viele Fans waren über die offen dokumentierte und ausgetragene Zerstrittenheit innerhalb des Präsidiums entsetzt. Die Außendarstellung sei „katastrophal“. Die Virage Est kassierte Kritik wegen der am Vortag geäußerten Ansicht, dass aus ihrer Sicht weder Schatzmeister Weller noch Vize-Präsident Pitino in dem von ihnen vorgeschlagenen Konstrukt eine Rolle spielen sollten. Damit sei man von der ursprünglich angekündigten Sachdiskussion über die Veränderung der Vereinsstrukturen abgewichen. Eine Kritik, die von den Vertretern der Virage zurückgewiesen wurde. Sie begründeten ihre Haltung mit Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft. Man habe den Eindruck, dass im Präsidium zu oft offen und öffentlich Uneinigkeit sichtbar werde, was einem professionellen Auftritt schade. Deshalb wünsche man sich im Rahmen einer neuen Struktur „frische Gesichter“. Zugleich betonte die Initiative, dass es sich um ihre persönliche Meinung handle und am Ende die Mitgliederversammlung über die Zusammensetzung entscheide.

Ostermann Pitino
Salvo Pitino und Hartmut Ostermann

Viele weitere Themen wurden angerissen, etwa die nicht mehr vorhandene Möglichkeit, sich am Spieltag mittels Barzahlung eine Karte zu kaufen, Probleme mit dem Reservix-Ticketing, die Umstellung auf papierlose Verwaltung in der Geschäftsstelle und auch der Werdegang der 2. Mannschaft, über den der 1. Vorsitzende Jörg Alt berichtete.

Fazit: Das Treffen der Fanvertreter mit dem Präsidium war sicherlich nur ein kleiner Zwischenschritt auf dem Weg zur großen Entscheidung, wohin es mit dem 1. FC Saarbrücken geht. Wesentliche Neuigkeiten gab es keine. Auch ist nicht abzusehen, ob die Kampagne Zukunft Blau-Schwarz ihr Ziel erreichen wird und was die Folgen davon sein werden. Klar ist, dass Hartmut Ostermann als Präsident für keine weitere Amtszeit in dem angedachten Konstrukt zur Verfügung stehen wird, egal in welcher Position. Aber das Zerwürfnis geht tiefer. Selbst wenn die Satzungsänderung nicht kommen sollte, weil sie die 75-Prozent-Hürde verfehlt, wird er mit der Mehrheit des gegenwärtigen Aufsichtsrats nicht mehr zusammenarbeiten, wie man aus seinem nächsten Umfeld hört. So oder so wird es also darauf hinauslaufen, dass die Entscheidung über die blau-schwarze Zukunft bei den kommenden Aufsichtsratswahlen im Winter gefällt wird. Man darf gespannt sein, ob man dann „Neue Gesichter“ wie sie die Virage-Vertreter gefordert haben, oder eben das Alte Gesicht des 1. FC Saarbrücken sehen wird.

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