StartFeatureMit Kontinuität nach Europa: Wie die US Mondorf ihren Traum verwirklichte

Mit Kontinuität nach Europa: Wie die US Mondorf ihren Traum verwirklichte

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MONDORF-LES-BAINS. Wenn die US Mondorf am Donnerstagabend erstmals in ihrer 111-jährigen Vereinsgeschichte ein Europapokalspiel bestreitet, ist das weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die vor über zwei Jahrzehnten begann – mit vier jungen Vereinsverantwortlichen, einer klaren Idee und der Überzeugung, dass nachhaltige Arbeit langfristig erfolgreicher ist als der schnelle Erfolg.

Im Jahr 2003 übernahmen Christian Strasser, Eric Bosseler, Michele Scanzano und Steve Reckel Verantwortung im Verein. Die Aufgaben waren klar verteilt, die Ziele ambitioniert – aber stets realistisch.„Wir hatten eine ganz klare Rollenverteilung. Und so sind wir über die letzten 23 Jahre Step by Step immer ein Stück weiter nach vorne gekommen“, erinnert sich Vizepräsident und Schatzmeister Eric Bosseler.

Dabei war den Verantwortlichen immer bewusst, dass der Erfolg auf den Schultern vieler Generationen ruht. „Man darf nie vergessen, wo man herkommt und wer dafür mitverantwortlich ist, dass der Verein heute dort steht“, sagt Bosseler. Er knüpft damit an die bewegenden Worte von Präsident Christian Strasser an, der nach der Qualifikation zunächst den Friedhof besuchte, um ehemaligen Vereinsverantwortlichen und Wegbegleitern seinen Respekt zu erweisen.

Der sportliche Aufstieg verlief keineswegs geradlinig. Erst der Ausbau der Infrastruktur und die neue Sportanlage ermöglichten es überhaupt, systematisch Jugendarbeit aufzubauen und attraktiv für Spieler und Sponsoren zu werden.„Mit der neuen Anlage kamen die Sponsoren. Wir wurden interessanter für Spieler und konnten die nächsten Schritte gehen“, beschreibt Bosseler die Entwicklung.

Der Verein verzichtete dabei bewusst auf das Modell eines finanzstarken Investors. Stattdessen entstand über viele Jahre ein breit aufgestelltes Sponsoren-Netzwerk. „Wir haben heute über 120 Sponsoren. Auch 200 Euro sind für ein kleines Unternehmen viel Geld. So bist du nie von einer oder zwei Personen abhängig“, erklärt Bosseler. Diese wirtschaftliche Stabilität gilt bis heute als einer der größten Pluspunkte der Mondorfer. Ehrenamtliches Engagement, Verlässlichkeit und eine langfristige Planung prägen den Verein bis heute.

Mit dem dritten Platz in der vergangenen Saison erreichte Mondorf erstmals die Qualifikation zur UEFA Conference League. Für Bosseler ist dies ein einzigartiger emotionaler Höhepunkt, gleichzeitig aber auch eine enorme organisatorische Herausforderung. „Wir sind eine Handvoll Leute, die das alles ehrenamtlich machen. Wir arbeiten Vollzeit und irgendwo zwischen Schlaf, Familie und Beruf arbeiten wir dann noch massiv für den Fußball“, sagt er.

Trotz aller Euphorie bleibt der Verein seiner Linie treu. Der Europapokal soll ein Fest werden – nicht der Beginn eines finanziellen Abenteuers.

Ex-FCS-Spieler Martin Forkel mit herausforderndem Einstand als Mondorf-Trainer

Dass sich die Vereinsführung nach dem Wechsel von Erfolgscoach Jérémy Deichelbohrer für Martin Forkel entschied, passt genau zu dieser Philosophie.

Der frühere Profi des 1. FC Saarbrücken bringt internationale Erfahrungen aus Vietnam, dem Iran und Abu Dhabi ebenso mit wie vier erfolgreiche Jahre beim FC Victoria Rosport. Dort bewies er immer wieder, dass sich mit akribischer Arbeit und begrenzten finanziellen Mitteln große Erfolge erzielen lassen. Nach dem Erreichen des Pokalfinales mit Rosport war für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen.

Nach den vier Jahren war es Zeit für einen Tapetenwechsel. Die Gespräche mit Mondorf waren sehr gut, weil wir in vielen Dingen gleich ticken“, sagt Forkel. Der neue Trainer möchte die erfolgreiche Entwicklung nicht verändern, sondern konsequent fortführen.

Für mich ist es wichtig, persönlich den nächsten Schritt zu machen und gemeinsam mit dem Verein das, was in den vergangenen Jahren so positiv gelaufen ist, kontinuierlich weiter auszubauen.

Wer Martin Forkel kennt, weiß, dass Fitness, Disziplin und Professionalität für ihn keine Schlagworte sind, sondern Grundvoraussetzungen.„Professionalität, Fitness und Disziplin – das sind Basics, die einfach vorhanden sein müssen. Wichtig ist dabei auch, als Trainer glaubwürdig und authentisch zu sein.“ Große Umstellungen soll es unter ihm dennoch nicht geben. Das Spielsystem ähnelt dem seines Vorgängers, vielmehr geht es darum, die zahlreichen Neuzugänge möglichst schnell zu integrieren und die vorhandene Qualität weiterzuentwickeln.

Mit Dinamo Tiflis wartet gleich zum Auftakt ein international bekannter und erfahrener Gegner. Forkel betrachtet die Aufgabe mit Respekt, aber keineswegs mit Ehrfurcht. „Für uns ist es ein Riesen-Highlight und eine große Herausforderung. Es sind zwei Spiele – und im Fußball ist vieles möglich.“ Dass das Heimspiel aufgrund der UEFA-Vorgaben nicht im heimischen Stade John Grün stattfinden kann, nimmt der Trainer pragmatisch.

Wir nehmen es, wie es kommt. Beschwerden oder Ausreden gibt es nicht. Wir versuchen, uns bestmöglich vorzubereiten.“ Unabhängig vom Ausgang der Begegnung ist die Teilnahme am Europapokal für die US Mondorf bereits jetzt ein Meilenstein. Sie steht exemplarisch für einen Verein, der sich über mehr als zwei Jahrzehnte mit Geduld, Kontinuität und gesundem Wirtschaften nach oben gearbeitet hat.

Das Hinspiel der ersten Qualifikationsrunde zur UEFA Conference League zwischen der US Mondorf und Dinamo Tiflis findet am Donnerstag, 9. Juli, im Stade Achille Hammerel in Luxemburg statt. Anstoß ist um 19.15 Uhr.

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