Die Zahl der Pflegebedürftigen im Saarland ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach Auswertungen des aktuellen Pflegereports der Krankenkasse BARMER hat sich die Zahl der Betroffenen zwischen 2017 und 2023 erheblich erhöht. Hauptursache ist demnach weniger die Alterung der Bevölkerung als vielmehr eine Reform der Pflegeversicherung, die seit 2017 gilt.
Deutlicher Anstieg seit 2017
Laut Hochrechnungen für den Pflegereport, der von Forschenden der Universität Bremen erstellt wurde, stieg die Zahl der Pflegebedürftigen im Saarland von rund 40.000 im Jahr 2017 auf etwa 73.400 im Jahr 2023. Das entspricht einem Zuwachs von rund 84 Prozent. Bezogen auf die Bevölkerung erhöhte sich die Zahl der Pflegebedürftigen von 4.028 auf 7.391 pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Untersucht wurden im Bericht unter anderem Erkrankungen wie Krebs, Hirninfarkt, Demenz, Parkinson und Herzschwäche. Dabei zeigte sich, dass in allen analysierten Krankheitsgruppen der Anteil der Menschen mit anerkanntem Pflegegrad gestiegen ist. So erhöhte sich beispielsweise der Anteil der Demenzerkrankten mit Pflegegrad im Saarland von 67,9 Prozent im Jahr 2017 auf 81,4 Prozent im Jahr 2023. Bei Krebserkrankten stieg der Anteil im selben Zeitraum von 11,4 Prozent auf 21,9 Prozent.
„Hauptgrund für den Anstieg der Pflegebedürftigen ist offensichtlich der seit Januar 2017 geltende neue Pflegebedürftigkeitsbegriff. Er hat zu einer deutlichen Leistungsausweitung geführt“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland, zur Einordnung der Zahlen. Durch die erleichterte Inanspruchnahme von Leistungen würden mehr Menschen als pflegebedürftig anerkannt und erhielten früher Unterstützung.
Zuwachs vor allem bei niedrigeren Pflegegraden
Besonders stark nahm die Zahl der Pflegebedürftigen in den niedrigeren Pflegegraden zu. So gab es 2023 im Saarland rund 12.200 Menschen mit Pflegegrad eins – fast fünfmal so viele wie 2017, als noch etwa 2.600 Personen dieser Kategorie zugeordnet waren.
Auch bei Pflegegrad zwei und drei wurden deutliche Zuwächse verzeichnet. Die Zahl der Pflegebedürftigen mit Pflegegrad zwei stieg von rund 17.000 im Jahr 2017 auf etwa 28.800 im Jahr 2023, was einem Plus von 69 Prozent entspricht. Bei Pflegegrad drei erhöhte sich die Zahl von etwa 11.200 auf 21.200 Betroffene, ein Anstieg um 89 Prozent.
Moderater fiel die Entwicklung bei den höheren Pflegegraden aus. Bei Pflegegrad vier wuchs die Zahl der Betroffenen von rund 6.000 auf 8.200, ein Plus von 37 Prozent. Bei Pflegegrad fünf gab es hingegen einen leichten Rückgang von 3.300 auf 3.100 Personen.
Forderung nach finanzieller Entlastung
Angesichts der steigenden Zahl von Pflegebedürftigen fordert die BARMER zusätzliche Maßnahmen von Bund und Ländern. „Nötig sind unter anderem die Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige durch den Bund und die Entlastung der Pflegebedürftigen in den Heimen von Investitionskosten und Kosten der Pflegeausbildung durch die Länder“, sagt Kleis.
Da Menschen bei langsam verlaufenden Erkrankungen heute früher Leistungen der Pflegeversicherung erhalten könnten, blieben sie auch länger im Versorgungssystem. Um die steigende Nachfrage zu bewältigen, sei zudem ein stärkeres Primärversorgungssystem erforderlich, das die Patientenströme besser steuere.
„Auch dafür ist die explizite Unterstützung der Pflege und deren Aufwertung als Heilberuf erforderlich. Dabei muss die Entwicklung des Pflegeberufs von der Hilfskraft bis zur akademisierten Pflege im Blick behalten und wo nötig vorangetrieben werden“, betont Kleis. Langfristig sei außerdem eine sektorenübergreifende Bedarfsplanung notwendig, in der die Profession Pflege stärker berücksichtigt werde.
Neuer Pflegebegriff als zentraler Faktor
Mit der Reform der Pflegeversicherung im Jahr 2017 wurde der Begriff der Pflegebedürftigkeit grundlegend neu definiert. Seitdem richtet sich die Einstufung nicht mehr nach einem zeitlich gemessenen Hilfebedarf, sondern danach, wie stark die Selbstständigkeit eines Menschen im Alltag eingeschränkt ist. Gleichzeitig wurden die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt.
Die Auswertung der BARMER basiert auf Versichertendaten der Jahre 2017 bis 2023, die mithilfe von Bevölkerungsdaten des Statistischen Bundesamtes auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet wurden. Ziel des Pflegereports ist es, die Ursachen für den starken Anstieg der Pflegebedürftigen genauer zu analysieren.


