StartFCSSpielanalyse: FCS sichert den Klassenerhalt in Essen

Spielanalyse: FCS sichert den Klassenerhalt in Essen

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Mit einem überraschenden 1-2 Erfolg an der Hafenstraße konnte der 1.FC Saarbrücken den Klassenerhalt zu 99% fix machen. Punktetechnisch können der SSV Ulm und der TSV Havelse zwar noch gleichziehen. Ein Angleichen des Torverhältnisses ist aber nur noch theoretisch möglich.

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Vor der Partie hätten wohl die wenigsten auch nur das Geringste auf den 1.FC Saarbrücken gegeben. Kein Wunder, so hatte das Team von Argirios Giannikis sich in den letzten Auswärtsspielen verlässlich blamiert und insgesamt erst einen einzigen Sieg in der Ferne eingefahren. Nach dem frühen Gegentor ahnten vermutlich die Meisten einen ähnlichen Ablauf wie in den Spielen in Verl oder Havelse, doch die Mannschaft bewies eine enorme Moral und kämpfte sich zurück in die Partie.

Nichtdestotrotz ist das 1-0 ein Tor, welches in dieser Form nicht fallen darf. Lasse Wilhelm entschied sich für einen laschen Chipball, welcher der FCS-Abwehr umgehend um die Ohren flog. Fahrner leistete in der Folge ebenfalls nur Begleitschutz, in der Mitte interessierte sich obendrein niemand für Müsel, der ohne Gegenwehr aufs leere Tor einschieben konnte.

Uwe Koschinat und Dominik Ernst
Gelungener Start ins Spiel: Uwe Koschinat und Dominik Ernst freuen sich über das 1:0 für RWE.

Doch Saarbrücken ließ sich anders als noch in den Vorwochen nicht hängen und übernahm nach dem Gegentor die Spielkontrolle. Der Umgang mit Rückschlagen innerhalb eines Spiels war in dieser Spielzeit eine große Problemzone des FCS. Dazu kam das Ergebnis von Ulm, welches Blau-Schwarz im Vorfeld dieser Begegnung jeglichen Druck entnommen hatte.

Rot-Weiß Essen verhielt sich in Hälfte eins ungewohnt passiv. Die sonst für ihre intensive Spielweise bekannten Mannen aus dem Ruhrpott wähnten sich mit der Führung im Rücken wohl ein wenig zu sehr auf der sicheren Seite und bauten merklich ab. Dies sollte nach einer halben Stunde in Person von Maurice Multhaup bestraft werden. Dieser tauchte auf der linken Seite auf, erhielt einen idealen Steilpass von Vasiliadis und schlenzte das Leder elegant ins lange Eck. In den letzten Wochen war Multhaup trotz seiner grundsätzlich starken Leistungen eher negativ aufgefallen, da er sämtliche Großchancen liegen ließ. „Ich bin da schon etwas ins Nachdenken gekommen“, sagte er nach der Partie.  Umso befreiender dürfte dabei dieser schöne Treffer gewesen sein. Multhaup gehört in dieser Rückrunde generell zu den besseren Akteuren des FCS.

Gestern lieferten er und der ebenfalls durch viele Verletzungen gebremste Sebastian Vasiliadis herausragende Leistungen ab. Dies lässt sich zwar nicht über Florian Pick behaupten, das 1-2 leitete der Top-Scorer des FCS allerdings überragend ein. Eine zielgenaue Klärung von Bretschneider nahm er auf und trieb das Spielgerät bis an den gegnerischen Strafraum, bevor er von Essens Hofmann unsanft umgeholzt wurde. Civeja sah den mitlaufenden Fahrner rechts. Dessen Schuss wehrte der schwächelnde RWE-Keeper Golz unzuverlässig ab, woraufhin der auf einen Abpraller spekulierende Brünker abstauben durfte. Brünker gelang auch an diesem Tage nicht allzu viel, seine Bewegungen in der Box verbesserten sich aber eindeutig im Vergleich zu den Vorwochen. So kam er bereits nach einer Ecke fast zu einer hundertprozentigen, als er während eines Pick-Dribblings einen freien Raum erkannte, den schön angeschnittenen Ball indes um wenige Zentimeter verfehlte.

Das Prunkstück des 1.FC Saarbrücken war an diesem Tage eine weitgehend stabile Abwehrreihe in Kombination mit Phillip Menzel, der wiederholt über sich hinauswuchs. Lange hinkte der FCS-Torhüter in dieser Saison den hohen Erwartungen hinterher. In den letzten Wochen agierte er jedoch so stark wie noch nie und trägt einen hohen Anteil am Klassenverbleib des FCS.

Ein weiterer Schlüssel war das souveräne Verteidigen der Essener Standards. RWE ist in dieser Disziplin mit über 20 Treffern die Speerspitze der Liga. Gegen Saarbrücken konnten sie nach Ecken dennoch nur wenige Akzente setzen. Die Dynamik des Spiels änderte sich mit einem sichtlichen Kräfteverschleiß auf Seiten des FCS. Ab Minute 65 entstand eine durchgehende Drangphase des Aufstiegsaspiranten, gegen die sich Saarbrücken nur schwer zur Wehr setzen konnte. Am Ende darf sich Blau-Schwarz bei seinem Torhüter und dem Aluminium bedanken. Die Anzahl von 2,49 xG zu 1,12, 23 zu 6 Schüssen, von diesen sechs brachte Saarbrücken zudem nur drei auf das gegnerische Tor und sage und schreibe 47 Klärungsaktionen des FCS, sprechen klar und deutlich für eine riesige Dominanz der Heimmannschaft.

Ein weiterer Grund dafür dürfte auch der hohe Unterschied an Qualität zwischen Startelf und Bank des 1.FC Saarbrücken sein. Insbesondere in der Offensive bleiben Giannikis keinerlei Spieler von draußen, welche dem Angriff des 1.FC Saarbrücken noch einmal frisches Leben einhauchen. Als perfekte Beispiele dienen dabei erneut Rodney Elongo-Yombo und Dominic Baumann. Nach einem katastrophalen Steilpass von Elongo-Yombo auf Baumann, den der eher bullige Stürmer niemals erreichen hätte können, haute dieser seinen Gegenspieler völlig sinnfrei um und bekam dafür glattrot. Das Trefferbild gibt diese Farbe zwar nicht unbedingt her, die Entscheidung dürfte aufgrund unnötiger Härte aber trotzdem in Ordnung gehen.

Amine Groune und Amine Naifi schafften es nicht einmal in den Kader und auch Kasim Rabihic dürfte nach seinen Leistungen in dieser Saison nicht mehr als wirkliche Alternative angesehen werden. Diesen Umstand zu ändern wird eine große Aufgabe für Sportchef Markus Thiele. Der FCS stellt nicht umsonst eine der schwächsten Offensiven der Liga und das obwohl man mit Florian Pick einen der ligaweiten Top-Scorer in den eigenen Reihen hat.

Nun zum erfreulichen Teil für die vielen FCS-Fans. Von Ballbesitz und Torschüssen kann RWE sich am Ende wenig kaufen. In Sachen Tore kommt der 1.FC Saarbrücken nun mal auf eins mehr als der Kontrahent aus Essen. Somit feiert Blau-Schwarz einen ungewohnt dreckigen Auswärtssieg und sichert damit eine weitere Saison in Liga drei!

Spielernoten

Phillip Menzel: Rettete den Sieg im Alleingang. 1

Philip Fahrner: Schwache Körpersprache beim Gegentreffer, dafür hauptverantwortlich für das 1-2. Insgesamt eher durchwachsen. 3-

Lasse Wilhelm: Fehler vor dem 1-0, auch abgesehen davon nicht sonderlich überzeugend. 4-

Joel Bichsel: Abgeklärter Auftritt. 2

Niko Bretschneider: Seine vielleicht stärkste Defensiv-Performance im FCS-Trikot. 2+

Patrick Sontheimer: Lebte die Intensität gegen den Ball gut vor. 3

Sebastian Vasiliadis: Schöne Ballverlagerungen, Top-Assist beim 1-1. 2+

Maurice Multhaup: Unermüdlicher Einsatz in der Offensive. 2+

Tim Civeja: Vor beiden Toren involviert, allerdings mit fraglicher Zweikampfführung. 4

Florian Pick: Teils unwiderstehliche Dribblings, hält jedoch konstant zu lange den Ball. 3

Kai Brünker: Bewies nach längerer Zeit mal wieder seinen Torriecher. 3+

Die eingewechselten Spieler bekamen zu wenig Spielzeit für eine faire Benotung

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