Die deutsche Energiewende steckt im Stress. Der windarme und sonnenreiche Sommer förderte breite Bruchstellen zutage. Doch was machten die grünen Claqueure? Sie lenkten ab und zeigen mit dem Finger nach Frankreich. „Atomkraftwerke im Hitzestreik“ tönte die Umweltorganisation Greenpeace.
In der Tat mussten mehrere Reaktoren des Nachbarlandes in ihrer Leistungen wegen Hitze und Trockenheit gedrosselt werden und einige wurden auch abgeschaltet. Doch unterm Strich lieferten die französischen Atommeiler in den vergangenen Wochen stabil Strom und erzeugten im Tagesmittel 900 Gigawattstunden (GWh) elektrische Energie. Die deutschen Windräder steuerten im Tagesschnitt hingegen nur 45 GWh bei – ein Zwanzigstel der französischen Atommeiler. Und das bei einer installierten Wind-Leistung von rund 77 Gigawatt (GW), was knapp 60 Atomkraftwerken entspricht. Die meisten Windmühlen – auch die 518 saarländischen – standen in den heißen und windstillen Tagen regungslos und untätig in der Landschaft herum.
Der ununterbrochene Sonnenschein sorgte zwar dafür, dass dreimal mehr Solar- als Windstrom das Netz flutete als üblich. Doch nach Sonnenuntergang war es damit vorbei, während die Ventilatoren und Klimaanlagen in den Tropennächten weiterliefen. Wegen des auch nachts hohen Strombedarfs mussten mehr Kohle- und Gaskraftwerke als normal aus der Reserve geholt werden. Die Folge: Der deutsche Strom war mit einer Emission von durchschnittlich 350 Gramm CO2 pro Kilowattstunde (kWh) zehnmal schmutziger als der französische mit 35 Gramm. Wegen dieser Netz-Zappelei war der Strom in Deutschland außerdem sehr teuer. Mehrmals riss der Preis im Juni die Latte von 300 Euro pro Megawattstunde (MWh), mehr als das Doppelte der üblicherweise gehandelten Kontrakte.
Die Sonne bringt es an den Tag: Der deutsche Strom ist teuer, schmutzig und unzuverlässig – für ein Industrieland, das auf Klimaschutz setzt, eigentlich eine Katastrophe.

