Es gibt Persönlichkeiten, deren Bedeutung für einen Verein sich nicht in Toren, Titeln oder Rekorden messen lässt. Werner Cartarius gehörte zu ihnen.
Geboren am 23. September 1934 in Malstatt, wuchs Cartarius unter schwierigen Bedingungen auf. Seine Mutter starb bereits 1936 bei der Geburt von Zwillingen. Die Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit prägten seine Generation ebenso wie seine enge Verbundenheit mit dem Arbeiterstadtteil, aus dem der 1. FC Saarbrücken einen wesentlichen Teil seiner Identität bezog und heute noch bezieht.
Beruflich schlug Cartarius zunächst einen bodenständigen Weg ein. Nach einer Ausbildung zum Betriebsschlosser bei der Deutschen Bundesbahn wechselte er in den öffentlichen Dienst, wo er bis zum Ruhestand tätig blieb. Parallel dazu entwickelte sich ein Engagement, das schließlich den größten Teil seines Lebens bestimmen sollte.

Seine Verbindung zum 1. FC Saarbrücken begann bereits Anfang der 1950er Jahre. 1952 übernahm er die Betreuung der C-Jugend, ein Jahr später trat er offiziell in den Verein ein. Anders als viele Vereinsgrößen war Cartarius nie Spieler der ersten Mannschaft. Seine Leidenschaft galt der Organisation des Fußballs. Schon früh engagierte er sich als Schiedsrichter und übernahm von 1955 bis 1975 die Aufgabe des Jugendstaffelleiters im damaligen Kreis Südsaar. Gleichzeitig arbeitete er an den Vereins- und Verbandszeitungen mit und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Chronisten des saarländischen Fußballs. Über Jahrzehnte dokumentierte er Spiele, Ereignisse und Entwicklungen des Vereins mit großer Akribie. Diese kontinuierliche Dokumentationsarbeit machte ihn zu einer lebenden Quelle der Vereinsgeschichte. Während Spieler, Trainer und Vorstände wechselten, blieb Cartarius eine Konstante.
Besondere Verdienste erwarb sich Cartarius um den Hallenfußball im Saarland. Ab 1968 verantwortete er die Endrunden der Hallen-Jugendmeisterschaften des Saarländischen Fußballverbandes und gilt als einer ihrer Initiatoren. Ein Jahr später folgte gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Hermann Neuberger ein weiteres Projekt von nachhaltiger Wirkung. Die von beiden mitbegründete Saarbrücker Hallen-Stadtmeisterschaft entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer festen Größe im regionalen Fußballkalender. Cartarius leitete das Organisationsteam über ein halbes Jahrhundert hinweg – ein außergewöhnlich langer Zeitraum ehrenamtlicher Verantwortung.

Sein Platz befand sich häufig nicht im Rampenlicht, sondern zumeist hinter den Kulissen. Im Ludwigsparkstadion entstand auf der Haupttribüne der sogenannte „Cartarius-Raum“, der nach Pressekonferenzen zu einem Treffpunkt für Vereinsvertreter, Journalisten und Gäste wurde. Nach Spielen schenkte er regelmäßig Kirschwasser aus und kommentierte dies mit dem augenzwinkernden Hinweis, es handle sich um „Medizin“. Solche Rituale schufen Verbindungen zwischen Verein, Medien und Ehrenamt und machten deutlich, dass Fußball für Cartarius stets auch Gemeinschaft bedeutete.
In seinen späteren Jahren übernahm Werner Cartarius den Vorsitz des Ehrenrates des 1. FC Saarbrücken. Dieses Amt verstand er weniger als repräsentative Aufgabe denn als Verantwortung für die Geschichte und die Werte des Vereins. Bis kurz vor seinem Tod blieb er Vorsitzender des Gremiums, auch nachdem er den Großteil seiner übrigen Ehrenämter niedergelegt hatte.
Euphorisch gefeiert wurden seine Auftritte während der Mitgliederversammlungen, in denen er sich immer beherzt, engagiert und mitunter auch sehr persönlich äußerte. Werner Cartarius brachte seine Haltung 2017 in einem Satz auf den Punkt: „Solange ich atme, werde ich ein Mann des 1. FC Saarbrücken sein.“


