StartFCSZum Tode von Helmut Schwan: Boxer, Fußballer, blau-schwarzes Urgestein

Zum Tode von Helmut Schwan: Boxer, Fußballer, blau-schwarzes Urgestein

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Heute Abend erreichte uns die Nachricht, dass Helmut Schwan gestorben ist. Der 87-Jährige Betreuer des 1. FC Saarbrücken hatte bis zuletzt seinem Verein gedient. Vor einigen Wochen hatte er einen Schlaganfall erlitten und befand sich seitdem in stationärer Behandlung. Aus diesem traurigen Grund lesen Sie in der Folge unser Portrait aus dem Sommer 2024 eines großartigen Menschen, dessen Scheiden viele Blau-Schwarze in tiefe Trauer versetzen dürfte.

Man kennt ihn als Betreuer der FCS-Profis, 2. Vorsitzenden des Vereins und Dopingbeauftragten. Helmut Schwan, geboren 1938 in St. Ingbert, ist eine wahre Institution beim 1. FC Saarbrücken. 

Die frühen Jahre von Helmut Schwan waren stark vom Zweiten Weltkrieg geprägt. „Ich habe sechs Jahre mitgemacht“, erinnert er sich. Besonders einschneidend war die Bombardierung seiner Heimatstadt. Die Spieserstraße, auf der Höhe des heutigen Mühlwaldstadions, beherbergte früher eine Mühle, die von der Wehrmacht beschlagnahmt wurde. „Sie haben dort Pferde und andere Ausrüstungen untergebracht“, erzählt Schwan. Dies machte die Mühle zu einem Ziel für die alliierten Bomber. Die Angriffe führten dazu, dass die Familie Schwan flüchten musste. „Mein Vater hat uns die Zugkarten besorgt und wir sind nach Mittelfranken geflüchtet.“

Ein besonderes Ereignis dieser Zeit war der Einmarsch der Amerikaner in St. Ingbert. „Meine Mutter und ich waren gerade im Bunker im Wald, als die Amerikaner kamen. Als wir herauskamen, sahen wir einen Jeep auf uns zukommen.“ Ein amerikanischer Soldat fragte sie, ob sie wüssten, dass es Hitlers Geburtstag sei – ein Tag, der Helmut Schwan bis heute in Erinnerung geblieben ist. „Meine Mutter war so erschrocken, dass sie kein Wort herausbrachte“, erzählt er weiter. Die Amerikaner zeigten sich jedoch freundlich, und ein täglicher Kontakt mit ihnen entwickelte sich.

Schwans Vater, der in Gefangenschaft geraten war, kam krank nach Hause und verstarb kurz darauf. „Er ist 1946 gestorben, das war sehr schlimm“, berichtet Schwan. Seine Mutter stand nun allein mit drei Kindern da, unterstützt von der Tante, die ein Schreibwarengeschäft führte. Die wirtschaftliche Lage war angespannt, und die Familie musste mit bescheidenen Mitteln auskommen. „Es waren arme Verhältnisse, aber das war damals normal“, erinnert sich Schwan. Der Krieg und seine Folgen prägten das Leben in St. Ingbert. „Wir spielten Fußball mit einer Hülle ohne Blase, die wir mit Lappen füllten und zunähten“, beschreibt er die Improvisierkunst der St. Ingberter Buben.

Neben dem Fußballspielen suchten Helmut und seine Freunde auch andere Abenteuer. „Wir gingen oft zur Pulvermühle, einem Ort, an dem während des Krieges Granaten hergestellt wurden.“ Dort fanden die Kinder noch Überreste aus der Kriegszeit, darunter Granaten und Stangenpulver. „Wir haben die Granaten auseinandergebaut und das Pulver gesammelt. Abends haben wir es angezündet und wie Raketen gestartet“, erinnert er sich. Solche Aktionen waren gefährlich, doch die Kinder kannten das Risiko nicht.

Nach dem Krieg begann Schwan eine Ausbildung zum Gipser bei der bekannten St. Ingberter Firma Heib. „Mit 14 habe ich meine Lehre begonnen“, sagt er. Später wechselte er zur Firma Schmidt, wo er zusätzlich zum Fliesenleger ausgebildet wurde.Parallel zu seiner beruflichen Ausbildung verfolgte Helmut Schwan seine sportlichen Ambitionen. Zunächst spielte er Fußball beim SV St. Ingbert, bevor er sich dem Boxen zuwandte. „Ich hatte einen Kameraden, der war Boxer. Er überredete mich, mit zum Training zu kommen“, erzählt Schwan. Schnell stellte sich heraus, dass er Talent hatte. Bereits 1952 begann er mit dem Training und zwei Jahre später wurde er Saarlandmeister im Leichtgewicht.

Helmut Schwan mit dem KSC Wimpel
Zu Beginn der Pokalreise gastierte der KSC im Sommer 2023 im Ludwigsparkstadion. Helmut Schwan kümmerte sich um den Wimpel.

In den folgenden Jahren nahm Schwan an mehreren internationalen Wettkämpfen teil und repräsentierte das autonome Saarland. „Ich habe an fünf internationalen Wettkämpfen teilgenommen“, sagt er heute stolz. Doch seine sportliche Laufbahn wurde durch eine schwere Verletzung jäh beendet. Eine Operation aufgrund eines Außenmeniskus-Abrisses führte zur Diagnose eines gerissenen Kreuzbandes. „Nach der Operation hatte ich zwei Monate Gips – von der Ferse bis zur Hüfte. Insgesamt musste ich anderthalb Jahre zu Hause bleiben“, berichtet er. Diese Verletzung beendete sowohl seine Karriere als Boxer als auch als Fußballer.

Nach dem Ende seiner sportlichen Aktivitäten konzentrierte sich Helmut Schwan auf seine berufliche Karriere. Zusätzlich zum Gesellenabschluss als Gipser, absolvierte er eine Ausbildung zum Fliesenleger und erwarb den Meisterbrief. 1976 zog er nach Saarbrücken und machte sich 1983 selbstständig, doch seine Verbindung zum Fußball ließ ihn nie los. Anfang der 80er Jahre wurde er von Herry Klemm gebeten, beim Aufstellen der Lautsprecher im Stadion zu helfen. Diese Tätigkeit führte dazu, dass man ihn bat, als Betreuer der Oberliga-Mannschaft des 1. FC Saarbrücken aktiv zu werden. Schwan überlegte zwei, drei Nächte und sagte schließlich zu. Der Trainer der Oberliga- Mannschaft war damals Wolfgang Seel. 1991 änderte der DFB die Lizenzbestimmungen und verlangte von jedem Verein die Ernennung eines Fanbeauftragten. Wer könnte diese Rolle besser übernehmen als Helmut Schwan? „Ich habe es halt gemacht“, sagt er rückblickend. 

Im Laufe seiner Zeit beim 1. FC Saarbrücken erlebte Helmut Schwan zahlreiche Höhen und Tiefen. Besonders prägend waren die finanziellen Schwierigkeiten Mitte der 90er Jahre, als der Verein Insolvenz anmelden musste. Schwan und Physio Carlino halfen den Spielern, indem sie ihnen Geld vorschossen, damit diese ihre Mieten bezahlen und ihre Familien versorgen konnten. „Die Spieler waren glücklich und haben später jeden einzelnen Pfennig zurückgezahlt“, erinnert sich Schwan. Die gelben Stangen, die heute noch beim Training im Sportfeld benutzt werden, schaffte Helmut Schwan ebenfalls auf eigene Kosten an.

v.l.: Gerd Müller und Helmut Schwan (Foto: privat)

Seine Hingabe zum Verein zeigte sich auch in der Unterstützung der Spieler außerhalb des Spielfelds. Auf Franz Beckenbauers Sohn Stephan behielt er ein besonderes Auge und kümmerte sich um viele alltägliche Belange der Spieler. So besorgte er Aufenthaltsgenehmigungen, fungierte als Deutschlehrer und bot Torhüter Peter Eich, der in Mannheim wohnte, oft eine Unterkunft zur Mittagszeit. Besondere Freundschaften verbanden ihn mit Gerd Müller, der ihm von Franz Beckenbauer persönlich vorgestellt wurde, und vielen ehemaligen Spielern und Trainern. Einige von ihnen waren regelmäßige Gäste in Schwans Zuhause, darunter Milos Tomas und Branko Zibert. Trotz all der Höhen und Tiefen in seiner langen Karriere beim 1. FC Saarbrücken blieb Helmut Schwan dem Verein stets treu. 

„Ich war schon alles außer Torwart“, 

sagt er und lacht. Selbst als Masseur musste er einspringen, als die Mannschaft eine Vorbereitungsreise in die USA unternahm. Helmut Schwan, der seit 1992 ununterbrochen als Zweiter Vorsitzender des Vereins fungiert, ist fest in der Vereinsgeschichte des 1. FC Saarbrücken verankert. Seine unermüdliche Unterstützung und sein großes Herz haben ihm den Respekt und die Anerkennung vieler Spieler, Trainer und Fans eingebracht. Und wie lange möchte Helmut Schwan noch für den FCS tätig sein? „Mein Vertrag geht auf Lebenszeit“ sagt er und schmunzelt.

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