Ein Beitrag aus dem aktuellen saarnews-Magazin „Sulzer„
Nach seiner Wiederwahl zum Bezirksbürgermeister im August spricht Ralf‑Peter Fritz über die besondere Lage Dudweilers im Sulzbachtal, die vertiefte Zusammenarbeit mit der Nachbarstadt Sulzbach und über Projekte, die in den nächsten Jahren sichtbar werden sollen – von der neugestalteten Fußgängerzone (ISEK) über einen Stadtteilmanager bis hin zu Kultur‑, Sport‑ und Städtepartnerschaften.
saarnews: Herr Fritz, Sie wurden im August mit 16 von 19 Stimmen erneut zum Bezirksbürgermeister gewählt. Zuvor gab es eine Phase ohne Sie an der Spitze. Wie erklären Sie den Weg zurück ins Amt – und was haben Sie daraus gelernt?
Ralf‑Peter Fritz: Kommunalpolitik lebt von Kompromissen. Damals haben sich die Fraktionen – bei gleicher Stimmenzahl – auf eine Arbeitsteilung verständigt: die SPD stellte die Bezirksbürgermeisterin, wir den Beigeordneten. Das war eine Entscheidung, die das Miteinander sichern sollte. Für mich bedeutet die Rückkehr: Wir knüpfen an, aber mit klarem Fokus auf Umsetzung. Ich habe in der Zwischenzeit weiter mitgearbeitet; viele Themen liefen ohnehin in enger Abstimmung weiter.
saarnews: Wie war die Resonanz aus der Bevölkerung auf Ihr Comeback?
Ralf‑Peter Fritz: Sehr positiv – verbunden mit der Erwartung, dass wir jetzt Tempo machen. Wichtig ist mir: Die Arbeit ruhte nie. Wir haben auf Augenhöhe weiter entschieden und vorbereitet, damit Projekte jetzt zügig sichtbar werden.
saarnews: Stichwort „interkommunale Zusammenarbeit“: Schon 2020 gab es eine „Sulzbacher Erklärung“. Was ist seitdem konkret passiert – und was kommt als Nächstes?
Ralf‑Peter Fritz: Wir haben die Zusammenarbeit verstetigt und ausgebaut. Verkehrs‑ und Kulturverein in Sulzbach arbeiten mit unseren Akteuren in Dudweiler zusammen; gemeinsame Termine – etwa rund um den Volkstrauertag – sind gesetzt. Neu ist, dass wir Kulturangebote stärker verzahnen: Das neu belebt‑e Theaterareal in Dudweiler, die Kultgießerei und bewährte Sulzbacher Spielstätten sollen künftig häufiger im Wechsel oder gemeinsam bespielt werden. Ziel ist ein Programm, das das Sulzbachtal als zusammenhängenden Kulturraum erlebbar macht.
saarnews: Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg – wie klappt das im Alltag?
Ralf‑Peter Fritz: Gut, weil wir pragmatisch sind. Wir arbeiten mit allen demokratischen Fraktionen zusammen. Entscheidend ist, was den Stadtbezirk und die Region voranbringt – nicht, von wem die Idee stammt. Das zeigt sich etwa auch im Zweckverband „Brennender Berg“: formale Kooperation und praktisches Anpacken gehören zusammen.
saarnews: Wirtschaft und Innenstadt: Sie sprechen oft vom Motto „Das Rad nicht neu erfinden“. Was heißt das konkret im Austausch mit Sulzbachs Gewerbeverein?
Ralf‑Peter Fritz: Wir schauen, was beim anderen funktioniert – und übernehmen Gutes. Mit dem Sulzbacher Gewerbeverein sind wir im regelmäßigen Austausch. So lassen sich Fehler vermeiden, Ressourcen bündeln und Ideen schneller umsetzen, als wenn jede Seite bei null anfängt.
saarnews: Kommen wir zur Stadtentwicklung in Dudweiler: Was leistet das ISEK – und welche Rolle spielt der neue Stadtteilmanager?
Ralf‑Peter Fritz: Das ISEK ist unser Fahrplan für die Innenstadt – Schwerpunkt Fußgängerzone. Der Stadtteilmanager (bei uns „Stadtteilkümmerer“) ist die Schnittstelle zwischen Eigentümern, Investoren, Verwaltung und Bürgerschaft. Er bringt Bedarfe zusammen, hilft bei passgenutzten Leerständen und beschleunigt Prozesse. Wichtig: Wir denken nicht an der Gemarkungsgrenze auf – Anfragen, die sich ortsübergreifend besser lösen lassen, spielen wir uns zu. So entsteht ein echter Mehrwert für das gesamte Tal.
saarnews: Dudweiler liegt im Sulzbachtal, gehört aber zur Landeshauptstadt. Welche gemeinsame Vision haben Sie für die Talachse?
Ralf‑Peter Fritz: Wir sehen uns als Achse: von Saarbrücken über Dudweiler bis Sulzbach und weiter. Ich kann mir thematische Wochenenden vorstellen, an denen in beiden Städten parallel Programm läuft – verbunden über die Sulzbachtalstraße als erlebbaren Korridor, etwa mit Aktionen für Skaterinnen und Skater oder Familien. Solche Formate verbinden Orte und Menschen.
saarnews: Kultur zieht, wenn man sie findet. Braucht es dafür einen gemeinsamen Kalender?
Ralf‑Peter Fritz: Unbedingt. Es gibt viele Einzelkalender – aber keine zentrale, abgestimmte Plattform. Wir arbeiten daran, Termine zu bündeln und Kollisionen zu vermeiden. So stärken wir Reichweite und Besucherzahlen beiderseits.
saarnews: Sportvereine kämpfen vielerorts mit knapper werdenden Ressourcen. Wollen Sie Kooperationen unterstützen – bis hin zu geteilten Spielstätten?
Ralf‑Peter Fritz: Wenn Vereine das wollen, unterstützen wir. Jede Kooperation muss von den Vereinen getragen werden, die Eigenständigkeit bleibt. Beispiele aus dem Karneval zeigen, wie gut Vernetzung funktionieren kann. Im Sport gibt es bereits Spielgemeinschaften – da ist noch Potenzial.
saarnews: Verwaltungs‑Kooperationen werden oft erst sichtbar, wenn es hakt – etwa beim Standesamt. Und bei Feuerwehrfahrzeugen gab es Beschaffungsverbünde. Wie stehen Sie dazu?
Ralf‑Peter Fritz: Grundsätzlich: Wenn Kooperationen Abläufe sichern, sind sie richtig. Bei Feuerwehrfahrzeugen bringt gemeinsame Beschaffung bessere Konditionen. Und Dudweiler selbst bekommt ein neu aufgestelltes Feuerwehrgerätehaus – hier arbeiten wir eng mit der Stadtspitze zusammen. Beim Standesamt liegen Zuständigkeiten nicht im Bezirksamt; wenn Bedarf erkennbar ist, sprechen wir Lösungen an den richtigen Stellen an.
saarnews: Große Weichenstellung: die Europäische Schule. Wie ist da der Sachstand – und warum plädieren viele im Bezirksrat für Dudweiler?
Ralf‑Peter Fritz: Regionalverband und Landeshauptstadt haben Varianten geprüft und die Sulzbachtalaue favorisiert, in der Nähe des Hallenbads. Die finale Entscheidung liegt beim Land, vor allem wegen der Finanzierung. Im Dudweiler Bezirksrat gibt es parteiübergreifend Sympathie für Dudweiler: wir haben Bäder, Sportstätten, Kitas – starke Synergien. Und selbstverständlich gilt: Egal welcher Standort, es braucht ein ordentliches Bebauungsplanverfahren mit Bürgerbeteiligung.
saarnews: Ein Blick über den Tellerrand: Wie stehen die Städtepartnerschaften – und was hat es mit der „Via Democratia“ auf sich?
Ralf‑Peter Fritz: Partnerschaften leben von Menschen, nicht von Urkunden. Mit unserer französischen Partnerstadt und mit Duttweiler in der Pfalz ist wieder richtig Bewegung drin – man besucht sich, gestaltet Projekte gemeinsam. Die „Via Democratia“ bringt an prominenten Orten Tafeln an, die den Gedanken der Demokratie sichtbar machen. Die Einweihungen sind öffentliche Ereignisse – sogar „zu Pferd“ –, an denen man die Idee buchstäblich in die Stadt trägt.
saarnews: Ordnung und Sauberkeit bleiben Daueraufgaben. Was wollen Sie anders machen?
Ralf‑Peter Fritz: Wir setzen auf zwei Ebenen an: Erstens Verantwortung stärken – niemand von außerhalb bringt uns den Müll. Zweitens konsequent handeln, wo es nötig ist: An neuralgischen Containerstandorten brauchen wir – in enger Abstimmung mit den Behörden – auch technische Lösungen wie Kameras, um Verstöße zu ahnden. Ehrenamt, GWA und Vereine leisten viel; das würdigen und unterstützen wir.
saarnews: Was sind Ihre drei wichtigsten Ziele bis 2026 – ganz konkret?
Ralf‑Peter Fritz: Erstens sichtbare Umsetzung: Rathausblock, ISEK‑Fußgängerzone und sozialverträglicher Wohnungsbau (u. a. Albertstraße) sollen vorankommen – die Menschen müssen sehen, dass sich etwas bewegt. Zweitens Ehrenamt stärken: verlässliche Angebote für Seniorinnen und Senioren, Familien und Kinder; Rahmenbedingungen, die Vereine handlungsfähig halten. Drittens Ordnung im öffentlichen Raum: klare Zuständigkeiten, smarte Maßnahmen und eine Kultur des Mitwirkens – damit Dudweiler sauber, sicher und lebendig bleibt.
saarnews: Vielen Dank für das Gespräch!


