Mit einem Mix aus Zuversicht und klaren Worten ist der DEHOGA Saarland in das Jahr 2026 gestartet. Rund 130 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verbänden, Kammern, Institutionen und Medien kamen am 12. Januar im Zeltpalast des Alexander Kunz Theatre in Saarbrücken zum traditionellen Neujahrsempfang zusammen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Austausch, Standortbestimmung und die Frage, wie sich das Gastgewerbe nach Jahren anhaltender Belastungen neu ausrichten kann.
Der saarländische DEHOGA-Präsident Michael Buchna nutzte den Jahresauftakt für einen Rückblick auf ein für die Branche erneut schwieriges Jahr. 2025 habe bereits das sechste Verlustjahr in Folge markiert. Pandemiebedingte Nachwirkungen, Fachkräftemangel sowie stark gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise hätten tiefe Spuren hinterlassen. Auch im Saarland seien Betriebsaufgaben und Insolvenzen nicht ausgeblieben – mit spürbaren Folgen für Innenstädte und ländliche Regionen.
Vor diesem Hintergrund bewertete Buchna die dauerhafte Rückkehr zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen zu Beginn des Jahres als wichtiges Signal. „Es ist eine Anerkennung für eine Branche, die Ausbildung sichert, Regionen stärkt und Lebensqualität schafft“, sagte der DEHOGA-Präsident. Zugleich machte er deutlich, dass die steuerliche Entlastung kein Selbstzweck sei: „Doch dieser Erfolg ist auch ein Auftrag: Wir müssen ihn nutzen – für Investitionen, für faire Löhne, für Qualität, Innovationen und Nachhaltigkeit.“
Ein besonderer Dank galt der saarländischen Landesregierung unter Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die sich nach Angaben des Verbandes konsequent für die Absenkung der Mehrwertsteuer eingesetzt habe. Ergänzend verwies Buchna auf ein Landesförderprogramm mit einem Volumen von 25 Millionen Euro, das in der Branche als wichtiger Rückhalt wahrgenommen werde.
Rehlinger selbst nahm am Neujahrsempfang teil und überbrachte die Grußworte der Landesregierung. Sie ordnete die steuerliche Entlastung realistisch ein: „Neujahrsempfänge sind traditionell Orte der Zuversicht. Aber wir wissen auch: Zuversicht allein füllt keine Speisekarte, zahlt keine Energierechnung und ersetzt auch keine Fachkraft. Wir haben uns gemeinsam vehement für die dauerhafte Absenkung der Mehrwertsteuer in der Gastro auf sieben Prozent eingesetzt. Und wir haben es geschafft: Ein ganz wichtiger Schritt, um der Branche etwas Luft zu verschaffen.“
Auch die zuletzt viel diskutierte Frage nach möglichen Preissenkungen in der Gastronomie wurde thematisiert. Nach Einschätzung des Verbandes seien diese weniger eine Frage des Wollens als des Könnens. Viele Betriebe hätten Kostensteigerungen in den vergangenen Jahren nur begrenzt weitergeben können. Die Mehrwertsteuersenkung eröffne nun Spielräume, etwa um notwendige Preiserhöhungen zu vermeiden oder Investitionen nachzuholen. Einheitliche Effekte seien jedoch nicht zu erwarten, da jede betriebliche Kalkulation individuell bleibe.
Neben finanziellen Themen standen strukturelle Herausforderungen im Fokus. Buchna verwies auf steigende Löhne, wachsende Auflagen, hohe Energiekosten und den anhaltenden Fachkräftemangel. Mit Blick auf die nächste, bereits beschlossene Mindestlohnerhöhung im Januar 2027 sagte er: „Die nächste staatliche Mindestlohnerhöhung ist bereits beschlossene Sache und wird im Januar 2027 erneut wirken.“ Jede Anhebung löse eine Lohnspirale aus, die den finanziellen Spielraum weiter einenge.
Deutliche Kritik äußerte der DEHOGA-Präsident zudem an der zunehmenden Bürokratie. Formulare, Dokumentationspflichten und Doppelprüfungen belasteten insbesondere kleine und familiengeführte Betriebe. „Bürokratie frisst Zeit. Bürokratie frisst Geld. Und vor allem: Bürokratie frisst Motivation und Innovation. Wir wollen Gastgeber sein – keine Aktenverwalter“, so Buchna.
Trotz der klar benannten Probleme überwog zum Abschluss des Neujahrsempfangs ein nach vorn gerichteter Ton. Die Branche verstehe sich als wichtiger Wirtschafts- und Kulturfaktor, der Integration ermögliche, Perspektiven biete und gerade im ländlichen Raum soziale Treffpunkte erhalte. „Wir sind Wirtschaftsfaktor und Kulturträger zugleich“, sagte Buchna.
Der Neujahrsempfang des DEHOGA Saarland machte damit deutlich: Die Entlastung durch politische Entscheidungen sorgt für vorsichtigen Optimismus – eine Entwarnung für das Gastgewerbe ist sie jedoch noch nicht.


