Die Diskussion um die sportliche Talfahrt des 1. FC Saarbrücken hat in den Tagen nach dem Unentschieden gegen den Tabellenletzten aus Havelse Fahrt aufgenommen. Wir haben den Präsidenten Hartmut Ostermann gebeten, uns fünf Fragen zu der aktuellen Situation zu beantworten.
saarnews: Herr Präsident, Sie waren am Samstag im Stadion und haben sich sicherlich eine Meinung über die aktuelle sportliche Situation des FCS bilden können. Wie fällt diese aus?
Hartmut Ostermann: Natürlich hätten wir uns ein anderes Ergebnis als eine Art Befreiungsschlag gewünscht und daraus folgend eine bessere tabellarische Situation. Aber man hat deutlich gemerkt, dass die Mannschaft aktuell nicht befreit aufspielen kann und unter dem zugegeben extrem hohen Druck von außen nicht ihr eigentliches Potenzial abrufen kann.
saarnews: Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Entwicklung der letzten Wochen?
Hartmut Ostermann: Die Mannschaft hat vor dieser Negativserie ja schon gezeigt, zu welchen Leistungen sie fähig ist. Also müssen wir uns auf die Tugenden besinnen, die uns zumindest zeitweise auf die Aufstiegsränge klettern ließ. Mannschaftliche Geschlossenheit ist da A und O in der dritten Ligen, darauf müssen wir uns wieder besinnen. Ich sehe den Schlüssel darin, dass wir durch geeignete Maßnahmen die offensichtliche mentale Blockierung lösen.
saarnews: Die Fans äußerten im Stadion und seit längerem bereits in Social-Media-Foren und -Beiträgen große Unzufriedenheit – wie nehmen Sie diese Stimmung wahr, und welche Rolle misst der Verein der Fanseite – auch angesichts der Außerordentlichen Mitgliederversammlung und dem dort manifestierten Ergebnis – aktuell bei?
Hartmut Ostermann: Ich orientiere mich nicht an Sozialen Medien und lese deshalb auch keine Beiträge, zumal diese häufig auch unter dem Deckmantel der Anonymität verfasst werden. Ich mache mir gerne ein persönliches Bild und habe die Stimmung am Samstag natürlich auch mitbekommen. Die Unzufriedenheit ist nachvollziehbar, sie verpflichtet uns zum Nachdenken, wie wir am besten aus dieser Situation herauskommen, ohne in Hektik zu verfallen. In meinen persönlichen Gesprächen mit den Vertretern der ZBS habe ich den Eindruck gewonnen, dass wir in der aktuellen Situation nicht in Aktionismus verfallen sollten, sondern mit Bedacht die weiteren Schritte beraten und gemeinsam die Zukunft unseres Vereins im Blick haben.
saarnews: Trainer Alois Schwartz nach der Serie von sieben Spielen ohne Sieg fraglos unter erheblichem Druck. Wie bewerten Sie seine Arbeit und welche Erwartungen haben Sie an ihn, insbesondere mit Blick auf die bevorstehenden Aufgaben 1860 München und Rot-Weiss Essen.
Hartmut Ostermann: Unser Trainer hat in der noch relativ kurzen Amtszeit in Saarbrücken alle möglichen Höhen und Tiefen des Fußballs durchgemacht. Er hat uns in die Relegation geführt und ist dort denkbar knapp gescheitert. Den anschließenden Umbruch des Kaders hat er angenommen und erste sportliche Erfolge erzielt, bevor unglaubliches Verletzungspech – denken wir an Sontheimer, Vasiliadis, Neudecker und viele andere – die Herausbildung einer Stammbesetzung verhinderte. Dennoch ist der Kader auch durch Nachverpflichtungen sowohl qualitativ als auch in der Breite dazu fähig, die nächsten sportlichen Herausforderungen zu meistern.
saarnews: Wäre eine externe Lösung aus finanzieller Hinsicht angesichts der Budgetsperre überhaupt möglich?
Hartmut Ostermann: Wir sollten an externe Lösungen erst dann denken, wenn alle eigenen Maßnahmen zur Verbesserung der aktuellen Lage ausgeschöpft sind. An diesem Punkt sehe ich uns noch nicht, sondern habe im Gegenteil Vertrauen in die Mannschaft, den Trainer und die sportliche Leitung, mit der ich im engen Austausch bin.


