Mit Sebastian Jacob kehrt ein Gesicht des Vereins zum 1. FC Saarbrücken zurück –jedoch nicht auf den Rasen, sondern in verantwortlicher Position. Ab der Saison 2026/27 übernimmt der frühere Torjäger die Leitung der Vermarktung. Im Gespräch mit saarnews spricht Jacob über seine neue Aufgabe, strategische Herausforderungen – und die aktuelle Situation des Vereins.
saarnews: Guten Morgen Sebastian, wie geht es Dir?
Sebastian Jacob: Mir geht es gut, ich kann mich nicht beklagen. Im Moment ist noch sehr viel zu tun, weil wir (Anmerkung der Redaktion: die Saarland Hurricanes…) einige Problemchen haben, die es zu lösen gilt. Deshalb bin ich vom Kopf her noch total drin und mache mir noch gar nicht so viele Gedanken über das, was kommt. Aber perspektivisch freue ich mich natürlich darauf, wenn es losgeht.

saarnews: Alle haben es gelesen: Du wirst Leiter der Vermarktung des 1. FC Saarbrücken. Es gab vor einem guten Jahr ja schon mal das Interesse, nach deiner sportlichen Karriere beim FCS einzusteigen. Aber irgendwie hat es damals nicht geklappt. Wie kam es denn jetzt dazu?
Sebastian Jacob: Der Kontakt ist über einen Aufsichtsrat schon relativ früh entstanden. Mir wurde signalisiert, dass der Wunsch besteht, dass ich perspektivisch noch mal in den Verein zurückkehre. Mit der Entscheidung für Tobias Abel wurde dann auch klar, dass er sich direkt mit mir austauschen möchte. Und letztlich kam dann eins zum anderen.
saarnews: Hast Du dich mit Tobias Abel bereits auf die exakte Aufgabenstellung geeinigt oder wird das erst mit Beginn deiner Tätigkeit festgelegt?
Sebastian Jacob: Wir haben natürlich schon darüber gesprochen. Im Detail muss man aber schauen, wie sich das bis dahin entwickelt. Das Gespräch, das wir geführt haben, war relativ früh nach seinem Amtsantritt. Da konnte er noch gar nicht genau sagen, welche Bereiche zu hundert Prozent bei mir liegen werden. Grundsätzlich ist aber klar, in welche Richtung meine Aufgabe gehen soll.
saarnews: Man hat dich quasi zum Markengesicht des 1. FC Saarbrücken auserkoren. Das ist Privileg und Verantwortung zugleich. Oder wie empfindest Du das?
Sebastian Jacob: Was heißt Markengesicht? Ich bin durch meine Historie sowieso mit dem Verein verbunden und werde so wahrgenommen. Das wäre wahrscheinlich auch ohne Funktion so. Ich habe überhaupt kein Problem damit, den Verein zu repräsentieren. Gerade im Hinblick auf Sponsoren und Partner braucht man jemanden, der den Verein gut darstellen kann – und ich traue mir das zu.
saarnews: Leicht wird die Aufgabe dennoch nicht. Wer in den vergangenen Monaten einmal bei der SV Elversberg war, sieht, dass dort in Sachen Vermarktung viel passiert ist. Hast Du Dir schon Gedanken gemacht, wie Du das Thema angesichts der Enge des Marktes angehen möchtest?
Sebastian Jacob: In Elversberg ist vieles sehr stark businessorientiert aufgebaut – das machen sie auch wirklich sehr gut. Beim FCS sehe ich einen grundlegenden Unterschied: Ich weiß von vielen Personen und bestehenden Partnern, die ich aus dem VIP-Bereich im Ludwigspark kenne, dass sie echte Fans sind. Ich glaube, dass davon auch sehr viele sehr interessiert an einem spannenden VIP-Konzept in Saarbrücken wären. Durch diese Kombination aus spannendem VIP-Konzept und blau-schwarzer Liebe, davon bin ich überzeugt, könnte ein Sponsoring für viele potenzielle Partner beim FCS attraktiv werden.
saarnews: In welchem Bereich siehst Du die größten Potenziale?
Sebastian Jacob: Klassisch natürlich bei der Akquise von Sponsoren, bei Bandenwerbung oder auch Social Media, weil Reichweite für viele Unternehmen wichtig ist. Aber man muss auch weiterdenken. Im Hospitality-Bereich gibt es großes Potenzial. Es geht darum, den Spieltag zu einem echten Erlebnis zu machen. Gleichzeitig muss ich mir aber erst mal einen Überblick verschaffen, die bestehenden Verträge lesen und analysieren, welche Möglichkeiten aktuell da sind.
saarnews: Du triffst jetzt, nach anderthalb Jahren Abstinenz, auf ganz neue Entscheidungsträger beim 1. FC Saarbrücken. Was kannst Du dazu sagen?
Sebastian Jacob: Für mich ist das definitiv ein Step forward. Vor allem aufgrund der Struktur. Ich habe den Großteil der Personen im Aufsichtsrat schon gekannt und war überzeugt, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen. Tobias Abel hat mich mit seiner klaren Vision überzeugt. Die Gespräche waren offen und ehrlich, und ich habe gemerkt, dass da viel Fachwissen vorhanden ist.
saarnews: Die neue Führung hat sich dazu entschlossen, ehemalige Spieler einzubinden. Du übernimmst die Vermarktung, Manu das Scouting. Ist das generell der Weg, den man beim FCS gehen sollte?
Sebastian Jacob: Ich finde das grundsätzlich richtig – aber nur, wenn auch die fachlichen Voraussetzungen da sind. Nur jemanden einzubinden, weil er gespielt hat, reicht nicht. Aber wenn jemand den Verein kennt, den Fußball versteht und den entsprechenden Background mitbringt, ist das eine optimale Kombination.
saarnews: Hättest Du vor der Saison gedacht, dass der FCS gegen den Abstieg kämpfen muss?
Sebastian Jacob: Nein, auf gar keinen Fall. Ich habe erwartet, dass die Mannschaft oben mitspielt. Aber Fußball ist nicht planbar. Wenn man einmal in einer Negativspirale ist, wird es schwierig, da wieder rauszukommen – gerade in einer ausgeglichenen Liga wie der 3. Liga.
saarnews: Es gibt eine Stürmer-Krise beim FCS. Was kannst Du den Kollegen raten?
Sebastian Jacob: Es ist wie ein Konjunkturzyklus – es gibt gute und schlechte Phasen. Wichtig ist, dranzubleiben und sich im Training Sicherheit zu holen. Jeder Stürmer kennt solche Situationen. Irgendwann wird der Knoten wieder platzen.
saarnews: Am Samstag kommt 1860 München. Wir erinnern uns alle an die Relegation. Du auch?
Sebastian Jacob: Für mich waren das immer Highlight-Spiele gegen die Sechziger, auch wegen der Tradition des Vereins. An der Grünwalder Straße habe ich immer gerne gespielt und auch immer Tore gemacht. Aber ich sehe das kommende Spiel jetzt nicht als Entscheidungsspiel. Man sollte es angehen wie jedes andere Spiel auch und sich auf die nächsten drei Punkte konzentrieren.
saarnews: Zum Abschluss: Was läuft bei den Hurricanes?
Sebastian Jacob: Aktuell haben wir einige Problemchen, auf die ich noch nicht im Detail eingehen möchte. Dazu wird es in Kürze eine Veröffentlichung geben. Wir hatten leider viel Verletzungspech in der Vorbereitung und einen größeren Umbruch mit neuen Coaches aus den USA, die sehr strukturiert arbeiten. Gleichzeitig gibt es Herausforderungen bei Infrastruktur und Organisation. Ich versuche, die Dinge so vorzubereiten, dass mein Nachfolger eine gute Grundlage hat. Insgesamt entwickelt sich der Verein aber weiter.
saarnews: Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian.
