StartWirtschaftImmobilienmarkt in Saarland: „In der Region einige positive Entwicklungen“

Immobilienmarkt in Saarland: „In der Region einige positive Entwicklungen“

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Der Immobilienmarkt im Saarland zeigt leichte Erholungstendenzen, bleibt aber von den deutschlandweiten Aufschwungmeldungen etwas abgekoppelt. Steigende Preise, kürzere Verhandlungszeiten und wachsende Investitionsbereitschaft stehen einer schwierigen Vermarktung in ländlichen Lagen gegenüber. Stabilisierung ja – aber auf kleiner Flamme, meint Hendrik Richter von ohne-makler.net und erklärt, worauf Käufer und Verkäufer in der Region jetzt besonders achten sollten.

Bodenbildung, Krisenende, Aufbruchstimmung: Wer die Schlagzeilen der letzten Monate las, bekam den Eindruck, dass es den Immobilienmärkten wieder besser geht. Zurecht?

Ja, aber mit Abstrichen. Durch den täglichen Austausch mit Verkäufern und Vermietern in ganz Deutschland, können wir durchaus positive Entwicklungen ableiten.

Dazu gehören leicht steigende Preise, kürzere Verhandlungen und weniger Angst vor Investitionen für energetische Modernisierungen an den Objekten.


Dem gegenüber steht allerdings, dass die Phase der niedrigen Zinsen wie aus einer anderen Zeit wirkt. Von den damaligen Verhältnissen, grob gesagt zwischen 2015 und 2022, sind wir denkbar weit entfernt und werden es wohl auch bleiben.


Wie spiegelt sich das im Saarland wider?

Alles in allem gibt es in der Region einige positive Entwicklungen. Beispielsweise bei der Preisentwicklung. Je nachdem, welches Portal geprüft wird, zeigen die Preise 2024/25 für Häuser und Wohnungen leicht nach oben.

Je strukturschwächer ein Immobilienstandort ist, desto schwieriger wird aber größtenteils die Vermarktung. Da das Saarland sehr ländlich und mit kleineren Städten versehen ist, wirkt sich das auch auf den Erholungsprozess des Standortes aus. Die positiven Signale, die es im Durchschnitt in Deutschland gibt, müssen daher nicht eins zu eins im Bundesland erkennbar sein.

Oder anders formuliert: Die Stabilisierung von Preisen und Transaktionen findet im Saarland auf etwas kleinerer Sparflamme statt als es in der einen oder anderen Headline für ganz Deutschland zu erkennen ist.
 

Gibt es Faktoren, die besonders für die Region gelten, also wenn es um Kauf und Verkauf geht?

Lage, Anbindung und Gebäudezustand sollten passen. Ein vernachlässigtes Objekt, mit hohem Sanierungsstau, in einer sehr ländlichen Lage, wenig Anbindung und negativer Bevölkerungsentwicklung lässt sich heute nur sehr schwer vermitteln.

Da das Saarland wie bereits kurz angerissen ohne Millionenmetropolen, aber durch C- und D-Städte sowie kleinere Kommunen geprägt ist, sind solche Beispiele durchaus gegeben. Und das deutlich häufiger als in dicht besiedelten, konjunkturstarken Wachstumsregionen in den A- und B-Lagen.

Wenn es um den Verkauf geht, gibt es trotzdem einige, „lage-unabhängige“ Kniffe zu beachten:

Zielgruppe kennen, richtige Fotos einsetzen, den richtigen Preis festlegen. Wenn das sitzt, kann ich das Objekt nahezu überall verkaufen.

Familien interessiert im Exposé beispielsweise der große Garten, Kindergärten, Schulen und Museen. Zwar verprelle ich damit im worst-case Interessenten, die nach kleinen Innenstadtwohnungen suche, komme aber eher zum Ziel.


Fotos am besten bei gutem Wetter im Frühling oder Sommer machen. Und zum Beispiel durch Home-Staging Emotionen wecken. Für realistische Preise helfen heute Online-Anbieter, die seriöse Einschätzungen geben.


Kaufen mehr junge Menschen Immobilien als in den vergangenen Jahren?

Das lässt sich pauschal sehr schwer sagen. Fakt ist, dass die hohen Anforderungen rund um das Thema Finanzierung viele Interessenten hindern. Da war es vor der Zinswende noch deutlich leichter.

Der Wunsch zu kaufen, ist heute daher auch bei jungen Käufergruppen zwar sehr ausgeprägt. Zwischen der Auswahl des Objektes, Besichtigung und Abwicklung der Transaktion muss aber noch an einigen Stellen gegrübelt, verhandelt und geplant werden. Insbesondere der Faktor Sanierungskosten ist ein zentraler Punkt.

Welche Immobilien verkaufen sich heute in der Region besser? Gibt es Unterschiede – zum Beispiel zwischen Alt- und Neubau?

Auch hier können nur begrenzt belastbare Aussagen gemacht werden. Denn dafür sind die Märkte zu fragmentiert und unterscheiden sich stark voneinander.

Wenn dann können wahrscheinliche Trends abgelesen und Fragen, die in diese Richtung gehen, interpretiert werden.

Was wir aber sehen ist, dass sehr vieles über den Hebel Sanierungskosten geht. Je weniger davon, desto leichter fällt teilweise die Vermarktung. Sowohl für Alt- als auch für Neubau.


Bleibt das Thema Nachhaltigkeit wichtig?

Absolut. Und das ja auch aus guten Gründen. Zwar müssen PV-Anlagen, Wärmepumpen oder neue Fenster und Türen müssen zwar bezahlt werden und sollten Eigentümer wirtschaftlich nicht überfordern.

Gleichzeitig steigern unter anderem diese Maßnahmen jedoch auch den Objektwert und schonen parallel unsere natürlichen Ressourcen. Deswegen hier ein klares Ja: Ökologisch und ökonomisch spielt Nachhaltigkeit auch in diesem Jahr eine große Rolle.

Die neue Bundesregierung schickt sich an, mehr zu bauen und die Ampel-Politik zumindest in Teilen auf den Prüfstand zu stellen. Eine gute Idee?

Teilweise schon. Die Unruhe, die in den letzten Jahren durch Hektik und Kostenexplosionen entstanden sind, haben den Markt sehr gestresst. Das hätte verhindert werden können.

Allerdings muss auch nicht alles über den Haufen geworfen werden. Zum Beispiel die Förderungen für Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen.

Was sicher helfen würde: Eine Vereinheitlichung der Bauordnung. Eines pro Bundesland schafft deutlich mehr Probleme, als dass es an irgendeiner Stelle Baufortschritt begünstigt. Hinzukommen erdrückende Bürokratie, lange Wartezeiten und hohe Kosten.

Ein stärkeres Commitment zu mehr Digitalisierung in wichtigen Branchen, eine Senkung der Grunderwerbsteuer für Erst-Eigennutzer und die Abschaffung der komplett gescheiterten Mietpreisbremse wären ebenfalls sinnvolle Vehikel.

Wie blicken Sie auf die zweite Jahreshälfte?

Wenn keine neuen Krisen kommen, halte ich es für wahrscheinlich, dass sich der Markt weiter erholt.

Bedeutet stabilisierende Preise, mehr Transaktionen und kräftigere Investitionen. Die kommenden Wochen und Monate werden es zeigen.

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