v.l.: Maritta Heupp, Edith Feistel, Luise Fuchs und Ingrid Keilbach (Foto: Lothar Ranta)

Ein Beitrag von Lothar Ranta

Saarbrücken-Dudweiler. Sie hat die Vitalität einer 60-Jährigen und versprüht die Lebensfreude einer 40-Jährigen. Kaum zu glauben. Kürzlich feierte Edith Feistel im Vereinsheim der Eintracht Altenwald ihren 101. Geburtstag. Sie ist nicht nur selbst sportlich aktiv, sie leitet auch immer noch jeden Mittwochnachmittag eine Seniorinnen-Gymnastikgruppe. Die 1918 in Dudweiler geborene Turnerin ist Deutschlands älteste Übungsleiterin. Wahrscheinlich ist sie sogar die älteste Übungsleiterin der Welt. Im Guinnessbuch werden noch keine Rekorde von Übungsleiterinnen erfasst.

Über 80 Jahre trainierte sie Kinder, Jugendliche und heute noch Erwachsene. Sogar drei Generationen aus einer Familie haben bei ihr schon geturnt. Edith erzählt gerne schmunzelnd aus der Zeit, als ihre Mutter nach ihren Anweisungen trainierte. Es ist wirklich erstaunlich. Noch mit 101 Jahren macht sie vielen Jüngeren, einschließlich ihrer älteren Gruppenmitglieder, noch etwas vor. Nach ihrer letzten Geburtstagsfeier vor einigen Monaten lieferte sie den Beweis, dass sie immer noch eine leidenschaftliche gute Tänzerin ist. Ihre Tanzpartnerin hatte Mühe mitzuhalten.

Seit etwa 20 Jahren trainiert sie eine Seniorinnengruppe. Dafür, und auch für ihren lebenslangen Turn- und Gymnastikeinsatz, wurde sie vom Turngau Saarbrücken mit der höchsten Auszeichnung geehrt, der GutsMuths-Medaille. Edith versteht es auch, ihre Turnerinnen entsprechend zu fordern. Ballspiele bei lauter Musik sind beliebt sowie gymnastische Übungen mit Ball und Handgeräten. Ihr Motto ist “Jeder macht was er kann“ auch wenn Hilfen gebraucht werden, wie zum Beispiel Stuhl oder Rollator. Wenn möglich, geht sie anschließend mit der Gruppe in ihr Stammlokal. Durch ihre Geselligkeit wird es nie langweilig und sie sorgt für Stimmung. Es kann vorkommen, dass sie gemeinsam frühere Lieder singen, auch das kaum noch bekannte Turnerlied.

Edith hat ein vielfältiges Vereinsleben gehabt und hat es immer noch. Sie kann die vielen Einladungen der Vereine zeitlich nicht alle wahrnehmen. Bis 80 Jahren war sie auch aktive Sportkeglerin. Mitglied ist sie noch in der Awo Bischmisheim, dem Naturschutzbund(NABU), dem Arbeiter-Samariter Bund und des Gesangsvereins Eintracht Altenwald. Es war selbstverständlich, dass die Eintracht an Ediths 101. Geburtstag gerne für sie und allen anwesenden Gästen einige Lieder aus ihrem Repertoire zum Besten gaben. Sie ist noch Mitglied im Bundesbahnsozialwerk, da sie lange Zeit bei der Reichsbahn beschäftigt war. Unter anderen war diese Arbeitsstelle für sie lebensentscheidend. Sie lernte dort ihren Mann kennen und war mit ihm 55 Jahre verheiratet. 1990 feierten sie Goldene Hochzeit.  Seit 1995 lebt Edith zwar allein aber sie ist nicht allein. Sie hat vier Töchter und einen Sohn mit inzwischen sieben Enkeln und fünf Urenkel. Sie kann mühelos ihren Haushalt alleine führen. Einmal in der Woche kommt eine Reinigungskraft, nicht nur um zu arbeiten sondern auch zum Kaffee trinken.

Jedes Jahr wird Edith von der evangelischen Kirche in Altenwald zur Engelskonfirmation eingeladen, da es ab dem 85. Geburtstag keine Jubiläumskonfirmation mehr gibt. Wahrscheinlich ist das auch einmalig.

Edith ist mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit zufrieden. Sie hat keine tägliche Tablettenbox. Einsamkeit kennt sie nicht, was heute ein großes Thema in der Gesellschaft ist. Durch ihre gesellige Art wird sie  gerne eingeladen und bei öffentlichen Veranstaltungen namentlich begrüßt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Übungsleiterin wird sie so lange es geht weiter machen.