Krankenhaus Lebach: Strategisch wichtig im Gesamt-Netzwerk

Bürgermeister fordern Erhalt des Lebacher Krankenhauses

Die aktuelle Krise macht deutlich, wie wichtig ein stabiles Gesundheitssystem ist. Politiker auf Bundes- und Länderebene betonen immer wieder, dass gerade jetzt kleinere Krankenhäuser systemrelevant sind. Der Lebacher Bürgermeister Klauspeter Brill hofft, dass dies keine leeren Versprechungen bleiben und fordert: „Es müssen Zeichen gesetzt werden, den Worten müssen Taten folgen. Das Lebacher Krankenhaus muss bestehen bleiben.“

Die Lage ist ideal, die Klinik ist bestens – und vor allem schnell – erreichbar. Das Krankenhaus mit seiner Rettungswache garantiert die Notfallversorgung der Menschen im mittleren und nördlichen Saarland. Wenn dieser Standort wegfällt, klafft in der Region eine riesige Lücke. Dies hatte auch die Landesregierung nach der Schließung im benachbarten Wadern 2017 schon so gesehen. „Damit die Versorgung von weit über 50.000 Menschen in der Region gesichert bleibt, muss die Klinik in Lebach auch nach der Corona-Krise am Netz bleiben und zukunftssicher gemacht werden“, sind sich die Bürgermeister aus den Kommunen Lebach, Schmelz, Eppelborn und Nalbach einig. Sie alle sind von der Schließung betroffen. Der Eppelborner Bürgermeister betont, dass Krankheitsfälle nicht an der Kreisgrenze Halt machen. Deshalb müsse das Akutkrankenhaus zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger in der Mitte des Saarlandes erhalten bleiben.

Der Neubau einer mittelgroßen Nordsaarlandklinik kostet nach Schätzungen des Ministeriums rund 100 Millionen Euro, dauert mindestens vier bis fünf Jahre. Die Bürgermeister fordern das Land daher auf, das Lebacher Krankenhaus so zu ertüchtigen, dass rentabel gearbeitet werden kann. Dies werde – trotz Sanierungsstau – keinesfalls teurer als die im Raum stehenden 100 Millionen Euro. Zumal die Pläne für das ursprünglich geplante, neue Bettenhaus in Lebach bereits genehmigt in der Schublade liegen. Der Schmelzer Bürgermeister Wolfram Lang betont: „Gesundheit muss wieder als staatliche Daseinsvorsorge verstanden werden, Profit darf hierbei keine Rolle spielen“. Damit spricht er auch die neuste Entwicklung an.Dennmit Ablauf der Frist zum Interessenbekundungsverfahren hat die Marienhaus-Unternehmensgruppe mit ihrem „Alternativvorschlag zur Nordsaarlandklinik“, einer mehr als fragwürdigen und keinesfalls bestandssichernden Umstrukturierung der Klinik in Losheim, für neuerliche Unruhe gesorgt. „Es kann doch nicht sein, dass man sich als Land so die Zügel aus der Hand nehmen lässt. Träger halten sich nicht an Vereinbarungen, der Krankenhausplan des Saarlandes wird zur Makulatur“, ist Lebachs Rathauschef verärgert.„Offensichtlich können Kliniken erst ab einer Größe von 300 Betten wirtschaftlich betrieben werden. Eine Lösung in Losheim wäre von dieser Bettenzahl weit entfernt. Außerdem sind in Lebach die bestehenden Strukturen, die in Losheim geschaffen werden müssten, bereits vorhanden und etabliert. Daher bietet sich doch viel eher eine Vergrößerung des Standortes Lebach an.“ 

Wie leistungsfähig das Team des Lebacher Krankenhauses samt den Kooperationspartnern im Dialyse-Zentrum, der hämatologischen und onkologischen Gemeinschaftspraxis, dem Palliativstützpunkt und der Bereitschaftsdienstpraxis ist, zeigt sich nicht erst seit gestern. Die Beschäftigten im Lebacher Krankenhaus verzichten seit Jahrzehnten immer wieder auf Gehaltsanpassungen und Zahlungen. Sie haben sich ihre Arbeitsplatzsicherung mit geschätzten 120 Millionen Euro Lohnverzicht teuer erkauft. Und stehen jetzt vor dem Nichts! 

Selbst in der Corona-Krise stellen sie ihre persönlichen Interessen und Existenzängste in den Hintergrund und arbeiten unter Hochdruck, um alle Patienten bestens zu versorgen. Damit sind nicht nur die Ärzte und Pflegekräfte gemeint, sondern auch das Reinigungspersonal, die Mitarbeiter in der Wäscherei, in der Kantine, im Sozialdienst, in der klinikeigenen Apotheke, im Labor usw. – sie alle leisten zum Wohl der Patienten eine hervorragende Arbeit. Obwohl sie nach den derzeitigen Plänen des Trägers bald ihren Job verlieren werden. Das kann und darf nicht sein. Die Bürgermeister fordern, dass gehandelt wird, und zwar jetzt!

Wie sehr den Menschen in der Region das Lebacher Krankenhaus am Herzen liegt, zeigen die vielen Mails, die die Stadtverwaltung in den letzten Tagen und Wochen erreicht haben. Andere verschaffen sich mit ihren Sorgen und Ängsten um die Versorgungssicherheit im Rahmen einer Facebook-Kampagne Gehör. Über 6000 Mitglieder hat die Social-Media-Gruppe „Nein zur Schließung des Lebacher Krankenhauses!“ bereits nach sehr kurzer Zeit. Auch die Unterschriftenaktion der Kirchengemeinde stößt auf große Resonanz. „Es kann nicht sein, dass in der schlimmsten Krisenzeit nach dem Krieg dieser sehr, sehr laute und von berechtigten Ängsten getragene Ruf aus der Bevölkerung nicht gehört wird“, betont Peter Lehnert, Bürgermeister der Gemeinde Nalbach. In dieser extremen Lage sei es unabdingbare humanitäre Pflicht, den Standort Lebach über die bestehende Krise hinaus zu sichern. Dies gelte als besonders wichtiges Zeichen für das sehr gute Personal, die Pflegekräfte und Ärzte, die mit dem Bestand des Krankenhauses Lebach in der Region gehalten werden müssen, so Lehnert weiter.

Eine besorgte Bürgerin aus Tholey stellt eine durchaus berechtigte Frage in den Raum: Was würde denn geschehen, wenn eine neue Pandemie-Welle in zwei oder drei Jahren erneut auf uns zurollt? Die Klinik in Lebach würde nach derzeitigem Planungsstand für die Versorgung der Menschen dann bereits nicht mehr zur Verfügung stehen. Und auch die Klinik in Losheim hat momentan lediglich eine Bestandszusage bis 2022. Selbst eine größere, neue Nordsaarlandklinik wäre sicherlich noch nicht fertiggestellt – geschweige denn bezugsfertig.

Eine langfristige Planung ist jetzt gefragt. Ein Schnellschuss ist das Letzte, was das Land im Hinblick auf die ärztliche Versorgung nun braucht. Die Landesregierung und das Gesundheitsministerium müssen den saarländischen Krankenhausplan komplett überdenken und alle Möglichkeiten prüfen. Schnellstmöglich müssen aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Lebacher Krankenhaus Planungssicherheit bekommen. 

Das Saarland hat in der aktuellen Krise bereits die Weichen gestellt und anders als manch andere Bundesländer vorbildlich Schwerpunktzentren, Krankenhäuser und Rehakliniken etabliert. In einem weiteren Schritt sind sinnvolle, große Einheiten erforderlich, die auch über Netzwerke und Klinikverbünde realisiert werden können. Daher fordern die Bürgermeister einstimmig, Lebach als strategisch wichtigen Standort zu erhalten und auszubauen.

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