Die Entscheidung des Kulturstaatsministers, drei Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis 2026 auszuschließen, sorgt bundesweit für Kritik und Irritationen im Kulturbetrieb. Betroffen sind der Buchladen „Rote Straße“ in Göttingen, „The Golden Shop“ in Bremen sowie die Berliner Buchhandlung „Schwankende Weltkugel“.
Zuvor hatte eine unabhängige Jury die drei Buchhandlungen für eine Auszeichnung vorgeschlagen. Der Deutsche Buchhandlungspreis würdigt jährlich das Engagement unabhängiger Buchhandlungen und ist mit Preisgeldern zwischen 7.000 und 25.000 Euro verbunden. Insgesamt hatten sich in diesem Jahr rund 500 Buchhandlungen um die Auszeichnung beworben.
Das Büro des Kulturstaatsministers bestätigte den Ausschluss der drei Buchhandlungen, ohne sie jedoch namentlich zu nennen. Ein Sprecher erklärte, dass in diesen Fällen Hinweise des Verfassungsschutzes berücksichtigt worden seien. „Aufgrund dieser Hinweise hat der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien entschieden, dem Juryvotum in den betreffenden Einzelfällen nicht zu folgen und von einer Auszeichnung der betreffenden Buchhandlungen abzusehen“, so der Sprecher.
Die Bundesregierung verfolge damit das Ziel, staatliche Fördermittel nicht an Organisationen zu vergeben, bei denen mögliche extremistische Bezüge vermutet werden. Die Entscheidung entspreche der politischen Linie, „Extremismus in jeder Form entschlossen und konsequent zu begegnen“.
Welche konkreten Erkenntnisse zu den betroffenen Buchhandlungen vorliegen, ist bislang jedoch nicht öffentlich bekannt. Nach Medienberichten wurde das sogenannte Haber-Verfahren angewendet. Dabei prüft der Verfassungsschutz auf Anfrage, ob zu bestimmten Einrichtungen relevante Erkenntnisse vorliegen. Die Behörden teilen jedoch lediglich mit, ob Hinweise existieren – nicht jedoch deren Inhalt.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Partner des Preises, äußerte deutliche Kritik an diesem Vorgehen. Dessen Vorsteher Sebastian Guggolz betonte die Bedeutung von Meinungsfreiheit und kultureller Vielfalt: „Umso wichtiger ist es, dass Entscheidungen über Preisträger transparent und primär an kulturellen Kriterien ausgerichtet sind.“
Auch das Verfahren selbst stößt auf Kritik. Guggolz erklärte, dass das Haber-Verfahren problematisch sei, weil die Ergebnisse geheim blieben und damit kaum überprüfbar seien.
Die betroffene Göttinger Buchhandlung „Rote Straße“ reagierte ebenfalls mit scharfer Kritik. In einer Stellungnahme wirft sie dem Staatsminister vor, politisch unliebsame Kulturschaffende einzuschüchtern und einzuschränken. Der Ausschluss werde als Angriff auf die Freiheit von Kunst, Kultur und politischer Kritik bewertet.
Unterstützung erhält der Buchladen aus der lokalen Kulturszene. Der in Göttingen ansässige Steidl-Verlag bezeichnete die Entscheidung als schwer nachvollziehbar und erklärte, der Buchladen sei „eine nicht wegzudenkende Institution der Göttinger Stadtgesellschaft“. Auch das Literarische Zentrum Göttingen würdigte die Buchhandlung als engagierte Partnerin des kulturellen Lebens.
Weitere Kritik kommt aus der Branche. Vertreter von Literaturorganisationen und Buchhandlungen sehen in der Entscheidung einen problematischen Präzedenzfall. So erklärte der PEN Berlin, bei der Vergabe eines Buchhandlungspreises sei der Rückgriff auf den Verfassungsschutz grundsätzlich fragwürdig.
Die Preisverleihung des Deutschen Buchhandlungspreises soll am 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden. Insgesamt werden mehr als 100 Buchhandlungen ausgezeichnet, die gemeinsam Fördermittel in Höhe von rund einer Million Euro erhalten. Ob und welche weiteren Konsequenzen die aktuelle Kontroverse nach sich ziehen wird, bleibt zunächst offen.

