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Ein Roman als Warnruf: Frank Arnaus „Die braune Pest“ kehrt an den Ort seiner Veröffentlichung zurück

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Wie lässt sich am Jahrestag der Saarabstimmung von 1935 eindringlicher erinnern als mit einem Roman, der die politische und gesellschaftliche Radikalisierung von der Weimarer Republik bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 literarisch seziert? Diese Frage steht im Zentrum einer Veranstaltung, zu der die Stiftung Demokratie Saarland und das Kulturforum der Sozialdemokratie Saarland am 13. Januar 2026 einladen.

Anlass ist die Wiederentdeckung des Romans „Die braune Pest“ von Frank Arnau, der 1934 – auf dem Gebiet des Deutschen Reiches bereits verboten – ausgerechnet im politisch noch unabhängigen Saargebiet erscheinen konnte. Von März bis Juni 1934 wurde das Werk in 85 Folgen in der Saarbrücker Volksstimme veröffentlicht, herausgegeben vom damaligen Saar-SPD-Vorsitzenden Max Braun.

Literatur gegen das Vergessen

Die Lesung und Diskussion findet am 13. Januar um 18 Uhr in der Stiftung Demokratie Saarland an der Europaallee in Saarbrücken statt – bewusst am Vorabend der historischen Volksabstimmung von 1935. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger betont in ihrem Vorwort zur Neuausgabe des Romans dessen zeitlose Bedeutung:

„Hass, Unterdrückung, Verfolgung, Mord: Die bitteren Erfahrungen der nationalsozialistischen Herrschaft haben nicht dazu geführt, dass die Menschheit davor bis heute gefeit wäre.“

Auch der Vorsitzende des saarländischen Kulturforums, der Historiker Burkhard Jellonnek, verweist auf die Aktualität des Textes:

„Arnaus Zeitdokument hat nichts von seiner Strahlkraft verloren, er mahnt uns eindringlich vor einer Wiederkehr rechtsextremer Umtriebe.“

Gemeinsam mit dem Verleger Adrian Jesinghaus will Jellonnek die Bedeutung des Romans „gestern wie heute“ herausarbeiten. Für die literarische Stimme des Abends sorgt der Schauspieler Hartmut Volle, bekannt aus der ARD-Serie RentnerCops und zahlreichen Auftritten im saarländischen Tatort. Ein Grußwort wird vom saarländischen Finanzminister Jakob von Weizsäcker erwartet.

Ein Roman, den die Nazis fürchteten

Schon zur Zeit seiner Entstehung versuchten die Nationalsozialisten, Arnaus Buch zu verhindern. Die Geheime Staatspolizei erkannte früh die Sprengkraft des Textes. Arnau habe – so die Gestapo – „mit dem Seziermesser“ den Aufstieg der NSDAP beschrieben und offengelegt, „wie schonungslos die Nazi-Schergen mit Andersdenkenden nach Hitlers Machtergreifung umgingen“. Eine Verlagsankündigung vom 21. Februar 1934 löste in Berlin Alarm aus: Die angekündigte Veröffentlichung sei eine „neue Hetzschrift gegen Deutschland“, die „alles bisher Geschriebene des Staatsverräters Frank Arnau“ übertreffe.

Für Arnau hatte diese Einschätzung konkrete Folgen. Der gebürtige Wiener mit Schweizer Staatsbürgerschaft entzog sich kurz nach dem Boykottaufruf gegen jüdische Geschäfte am 1. April 1933 durch Flucht in die Niederlande der Verfolgung. Seinen „Anti-Hitler-Roman“ vollendete er im Mallorca-Exil.

Saarbrücken als Ort des Widerstands

Im Deutschen Reich war eine Veröffentlichung unmöglich geworden. Umso größere Bedeutung gewann das Saargebiet. In der von Max Braun herausgegebenen Volksstimme erschien Arnaus Werk vom 4. März bis 19. Juni 1934 – sehr zum Ärger der NS-Machthaber. Die tägliche Fortsetzung war ein publizistischer Akt des Widerstands und ein frühes literarisches Zeugnis gegen das sich etablierende Unrechtsregime.

Arnau selbst überlebte ab 1939 mit seiner Familie im brasilianischen Exil. 1955 kehrte er nach Berlin zurück, schrieb für den Stern und wurde Präsident der Deutsche Liga für Menschenrechte. Doch ein Rätsel blieb: War „Die braune Pest“jemals als Buch erschienen? Arnau nahm dieses Geheimnis 1976 mit ins Grab im schweizerischen Luzern.

Ein lange verschollenes Werk

Gelüftet wurde das Rätsel erst Jahrzehnte später. Dem unermüdlichen Einsatz des Arnau-Experten Hans-Christian Nappist es zu verdanken, dass der Roman 2021 erstmals vollständig in Buchform erschien. Der ehemalige Kriminalkommissar entdeckte die Fortsetzungsfolgen im Homburger Stadtarchiv, das die Jahrgänge der Saarbrücker Volksstimme bewahrt.

Die nun vorliegende Erstausgabe im Klingen-Verlag zeigt eindrucksvoll, wie klar Zeitgenossen wie Frank Arnau bereits zu Beginn des NS-Regimes erkannten, „welch Geistes Kind Hitler und seine Schergen waren“ – und wie rasch die demokratische Ordnung der Weimarer Republik einem System von Folter, Verfolgung und Mord wich.

Erinnerung mit Aktualität

Die Veranstaltung am 13. Januar ist damit mehr als eine literarische Lesung. Sie ist ein historischer Rückblick und zugleich eine Mahnung. Oder, wie es Arnau selbst mit seinem Roman vor fast einem Jahrhundert intendierte: ein literarischer Einspruch gegen Gleichgültigkeit – damals wie heute.

Anmeldung: www.stiftung-demokratie-saarland.de

Bibliographie:
Frank Arnau: Die braune Pest. Relevanz damals und heute. Bearbeitet und herausgegeben von Adrian Jesinghaus und Hans-Christian Napp. Klingen-Verlag Solingen 2021, 361 Seiten, 19,80 €, ISBN 978-3-96754-004-8.

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