Der Stadtverband Homburg von Bündnis 90/Die Grünen hat die Entscheidung des saarländischen Umweltministeriums begrüßt, das Planfeststellungsverfahren für die Umgehungsstraße B 423 neu einzustellen. Nach Auffassung der Partei wird damit ein Verkehrsprojekt beendet, das aus heutiger Sicht weder verkehrspolitisch noch ökologisch zu rechtfertigen sei.
Nach Darstellung der Grünen hätte der geplante Straßenbau erhebliche Eingriffe in Natur und Landschaft zur Folge gehabt, ohne einen spürbaren Nutzen für die Bevölkerung zu bringen. Katrin Lauer, Sprecherin des Grünen Stadtverbandes Homburg, bezeichnete das Vorhaben als überholt: „Die B423 neu ist ein Relikt vergangener Verkehrspolitik. Sie hätte Natur zerstört, Lebensqualität vernichtet und enorme Kosten verursacht – ohne einen echten Nutzen für die Menschen vor Ort.“
Besonders betroffen gewesen wäre nach Angaben der Partei das Gebiet der Mastau, das als wertvoller Natur- und Erholungsraum gilt. Dort seien inzwischen unter anderem Fischotter, Wildkatze, Schwarzstorch und Biber nachgewiesen worden. Zudem diene die Mastau als Lebensraum seltener Vogel- und Amphibienarten und werde von der Bevölkerung intensiv zur Naherholung genutzt.
Auch mit Blick auf den Hochwasserschutz sehen die Grünen die Entscheidung als notwendig an. Andreas Filler, ebenfalls Sprecher des Stadtverbandes, erklärte: „Gerade im Zuge des Hochwasserschutzes ist die Mastau unverzichtbar. Sie dient als wichtige Retentionsfläche bei Starkregen und Hochwasser. Wir haben mehrfach erlebt, dass die Mastau komplett überspült war und sogar der Tunnel unterspült wurde. Eine zusätzliche Versiegelung wäre hochriskant gewesen.“
Darüber hinaus stellen die Grünen den verkehrlichen Nutzen der geplanten Umgehungsstraße infrage. Die Trasse hätte eine Länge von weniger als vier Kilometern gehabt, bei gleichzeitig sehr hohen Kosten. Diese Mittel seien nach Ansicht der Partei sinnvoller in die Sanierung bestehender Straßen und Brücken zu investieren. Zudem habe sich mit der geplanten Umwandlung des ehemaligen DSD-Geländes in ein Wohnquartier der ursprüngliche Zweck der Straße erledigt.
Stattdessen plädieren die Grünen für eine Neuausrichtung der Verkehrspolitik in Homburg. Dazu zählen unter anderem die Reaktivierung der S-Bahn, der Ausbau des Rad- und Fußverkehrs sowie Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Für die Ortsteile Schwarzenbach, Schwarzenacker und Einöd fordert die Partei seit Langem konkrete Entlastungen wie Tempo-30-Regelungen, ein Lkw-Durchfahrverbot und den Einsatz von lärmminderndem Asphalt.
Zudem sprechen sich die Grünen dafür aus, den Stadtteil Beeden als „Tor zur Biosphäre“ in das Biosphärenreservat aufzunehmen. „Beeden gehört aus ökologischen und landschaftlichen Gründen in die Biosphäre – diese Anerkennung ist längst überfällig“, so Lauer.
Da die B 423 neu derzeit noch bis 2030 im Bundesverkehrswegeplan geführt wird, fordert der Stadtverband Homburg die Stadtverwaltung und die politischen Gremien auf, sich auch formal von dem Projekt zu verabschieden und auf eine vollständige Streichung hinzuwirken. Auch der Landesentwicklungsplan müsse entsprechend angepasst werden.
„Wir sind sehr froh, dass durch Hartnäckigkeit und langen Atem eine erste entscheidende Hürde genommen wurde“, erklärten Lauer und Filler abschließend. „Jetzt erwarten wir, dass auch der politische Wille klar wird: Diese Straße darf nicht wiederbelebt werden. Natur- und Klimaschutz, Hochwassersicherheit und Lebensqualität müssen Vorrang haben.“


