Die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen ist im Saarland weiter gestiegen. Nach einer aktuellen Auswertung des Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO) lag der durchschnittliche monatliche Eigenanteil für Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner Ende 2025 bei 2.856 Euro. Damit wurde ein neuer Höchstwert erreicht.
Trotz der seit Januar 2022 geltenden, nach Wohndauer gestaffelten Zuschläge zur Begrenzung des pflegebedingten Eigenanteils liegt die durchschnittliche Gesamtbelastung inzwischen wieder über dem Niveau von 2021. Eine Prognose des WIdO zeigt zudem, dass weder die Anhebung der Zuschläge noch die Dynamisierung der Leistungssätze den Trend steigender Eigenanteile dauerhaft bremsen können.
Konkret erhielten Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner im Saarland Ende 2025 im Durchschnitt 950 Euro monatlich von der Pflegeversicherung als Zuschuss zu ihren pflegebedingten Eigenanteilen. Dem standen eigene Zuzahlungen in Höhe von durchschnittlich 1.022 Euro für die Pflege gegenüber. Hinzu kamen im Mittel 1.230 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 604 Euro für Investitionskosten. Insgesamt ergibt sich daraus eine monatliche Belastung von 2.856 Euro.
Die Gesamtkosten für einen Heimplatz beliefen sich Ende 2025 im Saarland auf durchschnittlich 5.308 Euro pro Monat. Davon übernahm die Pflegekasse im Schnitt 2.451 Euro. Bei Pflegebedürftigen mit langer Wohndauer zeigten die Zuschläge allerdings Wirkung: Bewohnerinnen und Bewohner, die länger als drei Jahre im Heim lebten, hatten 2025 eine reduzierte Gesamtbelastung von durchschnittlich 2.327 Euro.
Dr. Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, ordnet die Entwicklung kritisch ein. „Es sind leider immer höhere Eigenanteilen feststellbar. Die Dynamik ist ungebrochen. So fiel die durchschnittliche finanzielle Belastung der Bewohnerinnen und Bewohner im Jahr 2017 im Saarland mit 2.178 Euro noch rund 700 Euro niedriger aus als heute“, sagte Niemeyer.
Zwar seien zu Beginn des Jahres 2025 bundesweit einheitlich auch die Leistungssätze der Pflegeversicherung angehoben worden – etwa bei Pflegegrad 4 von 1.775 auf 1.855 Euro monatlich –, doch reiche dies aus Sicht der AOK nicht aus. „Die Kosten für die Pflege im Heim steigen aufgrund höherer Lohnkosten infolge der Verpflichtung der Einrichtungen zur tariflichen Bezahlung ihrer Beschäftigten und den inflationsbedingten Tarifsteigerungen kontinuierlich“, erläuterte Niemeyer.
Vor diesem Hintergrund sieht die AOK politischen Handlungsbedarf. Nachhaltige Lösungen zur Begrenzung der steigenden Eigenanteile und zur finanziellen Entlastung der Betroffenen seien erforderlich. „So ist die Herausnahme der Ausbildungskosten aus den Eigenanteilen eine Maßnahme, die aus AOK-Sicht schnell Abhilfe schafft. Die Pflegeheimbewohnenden würden sofort um etwa eine Milliarde Euro entlastet“, so Niemeyer. Zudem sei es aus Sicht der Krankenkasse nicht nachvollziehbar, warum die Kosten dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe von den Pflegebedürftigen getragen würden, statt aus Steuermitteln finanziert zu werden.
Auch die Länder sieht die AOK in der Pflicht. Die Investitionskosten der Pflegeheime sollten nicht länger den Bewohnerinnen und Bewohnern auferlegt werden, sondern als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge vollständig von den Ländern übernommen werden. Dies sei ein weiterer notwendiger Baustein, um die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen spürbar zu reduzieren.

