Die Diskussion um eine mögliche durchgängige Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h auf der A620 zwischen der Bismarckbrücke und Gersweiler hat Kritik aus dem Umfeld von Verkehrsinitiativen ausgelöst. Die Plattform Mobilität SaarLorLux e.V. äußert Zweifel an der Wirksamkeit eines solchen Tempolimits und fordert stattdessen strukturelle Verbesserungen in der Verkehrssteuerung sowie einen stärkeren Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs.
In einer Stellungnahme verweist der Vorsitzende und Pressesprecher der Plattform, Erhard Pitzius, auf die besondere Verkehrssituation auf dem betroffenen Autobahnabschnitt. Der Bereich zwischen Bismarckbrücke und Gersweiler gelte seit Langem als unfallträchtig, unter anderem wegen zahlreicher Auf- und Abfahrten, kurzer Beschleunigungsstreifen sowie eines hohen Verkehrsaufkommens zu Stoßzeiten. Besonders in Stausituationen komme es dort regelmäßig zu Unfällen.
Ein generelles Tempolimit könne aus Sicht der Plattform diese Probleme jedoch nicht lösen. „Ein Tempolimit wird einen Stau leider nicht verhindern können, hier muss eine intelligente Verkehrsführung dafür sorgen, dass die Geschwindigkeit vor einem Stau frühzeitig heruntergeregelt werden muss“, heißt es in der Erklärung. Zwar verfüge die A620 über ein Verkehrsleitsystem, dieses sei jedoch technisch veraltet und werde nicht konsequent weiterentwickelt. „Warum hat man denn ein Verkehrsleitsystem überhaupt installiert und entwickelt es dann nicht weiter“, kritisiert Pitzius.
Nach Darstellung der Plattform zeige das bestehende System widersprüchliche Anzeigen. „Leider ist das Verkehrsleitsystem auf der A620 ein Witz und eher ein ‚Leidsystem‘, bei Schnee und Nebel zeigt es 100 kmh an, bei Sonnenschein 80 kmh. Überall wird die KI hochgelobt, hier merkt man nichts davon“, so Pitzius weiter. Ein modernes, intelligentes Leitsystem könne den Verkehr abhängig von Verkehrsaufkommen und Wetterlage steuern und so zur Erhöhung der Sicherheit beitragen.
Darüber hinaus sieht die Plattform die eigentliche Ursache der Probleme in der hohen Verkehrsbelastung. Eine nachhaltige Entlastung könne nur durch Verkehrsvermeidung und -verlagerung erreicht werden. In diesem Zusammenhang kritisiert Pitzius Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte: „Hier haben die letzten Landesregierungen seit 25 Jahren eine Wiederbelebung des Personenverkehrs auf der Rosseltalbahn/Linke Saarstrecke und der Bisttalbahn verpennt.“ Die parallel zur A620 verlaufenden Bahnstrecken müssten aus Sicht der Initiative zügig reaktiviert werden, derzeit kämen entsprechende Projekte jedoch nur langsam voran.
Auch der öffentliche Busverkehr sei von Staus und Sperrungen auf der A620 betroffen. Genannt werden unter anderem die Linien 110 (Völklingen–Saarbrücken), R13 (Überherrn–Saarbrücken) sowie der Expressbus Saarbrücken–Luxemburg. Nach Einschätzung der Plattform unterstreicht dies den Bedarf an einer engeren Verknüpfung von Bus- und Schienenverkehr sowie an einer leistungsfähigeren Schieneninfrastruktur.
Die Plattform Mobilität SaarLorLux fordert daher die Landesregierung auf, bei der Autobahn GmbH des Bundes auf die Installation eines neuen Verkehrsleitsystems hinzuwirken. Dieses solle bereits im Bereich Lisdorf/Wadgassen greifen und nicht nur Geschwindigkeiten regeln, sondern auch auf alternative Mobilitätsangebote hinweisen. Denkbar seien Hinweise auf Park-and-Ride-Plätze und zeitnahe Bahnanschlüsse, etwa: „Stau zwischen Fürstenhausen und Gersweiler, bitte fahren Sie Wehrden ab, P&R am Bahnhaltepunkt Wehrden, die nächste Bahn fährt um xxxx“.
Abschließend stellt die Plattform die Frage, wie die von der Landesregierung formulierten Ziele zur Reduzierung des Autoverkehrs erreicht werden sollen. „Große Worte im letzten Jahr aus dem Umwelt- und Mobilitätsministerium, wir wollen den Autoverkehr um 40% bis 2030 verringern, nur durch ein S-Bahn-Kernnetz, welches für 2026 angedacht ist, wird dies nicht gelingen“, heißt es in der Stellungnahme. Notwendig seien zusätzliche reaktivierte Bahnstrecken aus der Fläche sowie eine grundlegende Reform des Saarländischen Verkehrsverbundes.

