Saarbrücken. Der renommierte Sportmediziner Prof. Dr. Heinrich Heß ist nach kurzer Krankheit in Saarbrücken verstorben. Heß wurde 94 Jahre alt. Mit ihm verliert nicht nur die Region, sondern auch der deutsche Fußball eine prägende Persönlichkeit.
Geboren 1932 in Dudweiler, studierte Heß Medizin an der Universität des Saarlandes sowie in Wien. Nach seiner Facharztausbildung in der Orthopädie habilitierte er sich 1970 und legte damit den Grundstein für eine außergewöhnliche medizinische Laufbahn. Früh verband er wissenschaftliche Arbeit mit praktischer Tätigkeit und entwickelte sich zu einem der führenden Sportmediziner seiner Zeit.
Bundesweit bekannt wurde Heß vor allem durch seine langjährige Tätigkeit für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Von 1974 bis 1996 war er Mannschaftsarzt und begleitete das Team durch eine der erfolgreichsten Phasen seiner Geschichte. In diese Zeit fallen die Weltmeistertitel 1974 und 1990 sowie die Europameisterschaften 1980 und 1996. Bereits zuvor hatte er die B-Nationalmannschaft betreut und war 1972 bei den Olympischen Spielen in München im Einsatz. Innerhalb der Mannschaft genoss Heß großes Vertrauen; viele Spieler bezeichneten ihn respektvoll als „Knochendoktor“. Auch für den 1. FC Saarbrücken war er viele Jahre als Mannschaftsarzt tätig, wodurch sich mit vielen ehemaligen Fußballern enge Freundschaften ergaben.
Parallel zu seinem Engagement im Spitzensport wirkte Heß über Jahrzehnte in der medizinischen Versorgung im Saarland. An der orthopädischen Klinik in Homburg tätig, baute er ab 1975 die St. Elisabeth-Klinik in Saarlouis maßgeblich auf und entwickelte sie zu einer bedeutenden Einrichtung für Orthopädie. Bis zu seinem Ruhestand 1998 leitete er die Klinik als ärztlicher Direktor.
Auch wissenschaftlich setzte Heß Maßstäbe. Er veröffentlichte zahlreiche Facharbeiten und verfasste mit dem Buch „Sportverletzungen“ ein Standardwerk der Sportmedizin. Zudem war er Mitgründer der Deutsch-Österreichisch-Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS), deren Vorsitz er mehrere Jahre innehatte.
Für seine Verdienste wurde Heß vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Fußball-Bundes sowie dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Auch im Ruhestand blieb er dem Sport eng verbunden und stand dem DFB beratend zur Seite. Mit ehemaligen Wegbegleitern wie Wolfgang Seel, Egon Schmitt, Emil Poklitar und Gerd Werthmüller nahm er regelmäßig an dem Traditionstreffen der ehemaligen FCS-Spieler teil. Auch wir durften „Heini“ Heß bei einer dieser Gelegenheiten kennenlernen und waren begeistert von Anekdoten, die er noch im hohen Alter auf seine ganz eigene Art und Weise in der Runde erzählte. Prof. Heinrich Heß wird fehlen!

