Die saarländischen Grünen haben das Sprachförderkonzept „Startklar Deutsch“ der Landesregierung grundsätzlich begrüßt, zugleich jedoch deutliche Anforderungen an Qualität, Ausgestaltung und begleitende Maßnahmen formuliert. Angesichts sprachlicher Defizite bei einem Teil der Schulanfänger sehen sie Handlungsbedarf, kritisieren jedoch Versäumnisse in der Vergangenheit.
Der Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Saarland, Volker Morbe, erklärte: „Es ist richtig, dass frühe Sprachförderung wieder stärker in den Fokus rückt. Wenn rund 30 Prozent der Kinder bei der Einschulung nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, besteht klarer Handlungsbedarf. Allerdings haben wir Saar-Grüne schon vor Jahren eine verpflichtende, frühzeitige Sprachstandserhebung nach Hamburger Vorbild gefordert. Die Landesregierung hat hier lange geschlafen. Bis heute fehlt zudem ein systematisches Monitoring. Weder in Grundschulen noch in weiterführenden Schulen werden Sprachkompetenzen kontinuierlich und transparent erfasst.“
Nach Auffassung der Grünen müsse eine verpflichtende Sprachstandserhebung ab dem Alter von vier Jahren differenziert und sprachensensibel gestaltet werden. „Eine verpflichtende Testung ab vier Jahren ist nur dann sinnvoll, wenn sie sprachensensibel gestaltet wird. Mehrsprachigkeit darf nicht pauschal als Defizit gelten, sondern muss konsequent, als Ressource berücksichtigt werden. Es ist dringend notwendig, dass die Kultusministerin begleitend in die Ausbildung von Kita-Fachkräften massiv investiert und den Beruf attraktiver macht. Und wir erwarten von Ministerin Streichert-Clivot ein Konzept zum Ausbau der Kita-Plätze. Und zwar jetzt“, machte Morbe deutlich.
Darüber hinaus betonen die Grünen, dass Sprachförderung nicht isoliert betrachtet werden dürfe. „Frühe Sprachförderung ist zentral für Bildungsgerechtigkeit. Sie braucht tragfähige Strukturen, ausreichend Personal und eine wissenschaftlich fundierte Umsetzung. Gleichzeitig darf sie nicht auf Sprache verengt werden: Kinder im Vorschulalter benötigen ebenso Förderung ihrer sozialen, emotionalen, motorischen und kognitiven Entwicklung, wenn wir echte Startchancen für alle erreichen wollen“, so der Landesvorsitzende abschließend.
Wie das Konzept „Startklar Deutsch“ konkret umgesetzt wird und welche zusätzlichen Ressourcen bereitgestellt werden, dürfte Gegenstand weiterer politischer Diskussionen im Saarland sein.

