Die Saarbahn treibt die Modernisierung ihres Fahrzeugbestands weiter voran. Mit der Einführung der sogenannten TramTrains der zweiten Generation soll die rund 30 Jahre alte Flotte schrittweise ersetzt werden. Gleichzeitig stellt das komplexe Zulassungsverfahren die Beteiligten vor erhebliche organisatorische und technische Herausforderungen.
Modernisierung der Fahrzeugflotte geplant
Nach Angaben der Saarbahn sollen insgesamt 28 neue Fahrzeuge beschafft werden. Für die Modernisierung der Flotte investiert das Unternehmen rund 140 Millionen Euro. Ziel ist es, die bisherigen Bahnen bis zum Jahr 2028 vollständig zu ersetzen.
Die neuen TramTrains sind für den sogenannten Mischbetrieb konzipiert. Sie können sowohl auf Straßenbahnstrecken in Innenstädten als auch auf klassischen Eisenbahnstrecken im Umland verkehren. Dadurch soll weiterhin ein umsteigefreier Verkehr zwischen Lebach und dem französischen Saargemünd ermöglicht werden.
Saarbahn-Geschäftsführer Karsten Nagel erklärte, an diesem Modernisierungsziel halte das Unternehmen trotz Verzögerungen im Zulassungsverfahren fest. Hintergrund sei die besondere technische Auslegung der Fahrzeuge.
Komplexes Zulassungsverfahren für Mischbetrieb
Die neuen Bahnen müssen erstmals sowohl nach der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) als auch nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) zugelassen werden. Diese doppelte Zulassung ist erforderlich, da die Fahrzeuge auf unterschiedlichen Streckentypen eingesetzt werden.
Nach Angaben des Saarbahn-Betriebsleiters Michael Irsch unterscheiden sich die beiden Regelwerke unter anderem in technischen Anforderungen wie Lichtraumprofilen, Bremswegen, Stromsystemen, Signalisierung sowie Sicherheits- und Crashnormen. Zusätzlich müssen die Fahrzeuge für den grenzüberschreitenden Einsatz nach Frankreich zugelassen werden. Dabei soll sich die französische Genehmigungsbehörde in Teilen auf die deutsche Zulassung stützen.
Testfahrten und Schulungen laufen bereits
Die Saarbahn ist in das Zulassungsverfahren des Herstellers Stadler eingebunden. Seit Anfang Februar 2026 stehen bereits drei neue Fahrzeuge für umfangreiche Test- und Zulassungsfahrten zur Verfügung. Ein weiteres Fahrzeug wird derzeit auf einer Eisenbahnstrecke getestet und soll im April nach Saarbrücken überführt werden.
Parallel dazu beginnt das Unternehmen Mitte Februar mit der Schulung von rund 100 Triebfahrzeugführern, Werkstattmitarbeitern sowie weiteren Beschäftigten, die künftig mit den neuen Fahrzeugen arbeiten sollen.
Außerdem startet eine sogenannte Betriebserprobung. Dabei simulieren Fahrer den regulären Betrieb ohne Fahrgäste. Sollte dieser planmäßig verlaufen, plant die Saarbahn, die neuen Fahrzeuge im ersten Halbjahr testweise mit Fahrgästen im innerstädtischen Bereich einzusetzen.
Produktion weiterer Fahrzeuge läuft
Während die Testphase in Saarbrücken fortgesetzt wird, schreitet die Produktion weiterer TramTrains im spanischen Valencia voran. Zwei zusätzliche Fahrzeuge wurden bereits fertiggestellt und von der Saarbahn abgenommen. Die Überführung nach Saarbrücken erfolgt nach Abschluss weiterer Zulassungsschritte.
Umfangreiche Prüfverfahren erforderlich
Das Zulassungsverfahren wird federführend vom Hersteller Stadler durchgeführt. Nach Angaben des Projektleiters José Francisco Palomares wurden bislang zahlreiche technische Tests abgeschlossen, darunter Prüfungen auf einem Eisenbahnversuchsring in Tschechien, Klimatests in Wien sowie Untersuchungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit in München.
Insgesamt wurden rund 2.300 Dokumente erstellt und mehr als 750 technische Anforderungen mit Gutachtern abgestimmt. Die Prüfergebnisse sollen nun bei den zuständigen Behörden, darunter das Eisenbahn-Bundesamt und technische Aufsichtsstellen, eingereicht werden.
Eine vollständige Typzulassung konnte bislang nicht erreicht werden. Nach derzeitiger Planung wird mit einer Entscheidung im Laufe des Jahres gerechnet.
Internationale Zusammenarbeit im Großprojekt
Die neuen Fahrzeuge entstehen im Rahmen des Beschaffungsprojekts „VDV-TramTrain“, an dem sechs Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Österreich beteiligt sind. Das Projekt gilt in der Branche als weltweit einzigartig, da erstmals mehrere Betreiber eine gemeinsame Fahrzeugplattform nutzen.
Der Hersteller Stadler erhielt im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung den Auftrag zur Lieferung von bis zu 504 Fahrzeugen. Das Gesamtvolumen des Projekts liegt bei rund vier Milliarden Euro. Zusätzlich wurde ein langfristiger Instandhaltungsvertrag abgeschlossen, der nach Unternehmensangaben die Arbeitsplätze in den Betreiberwerkstätten über mehrere Jahrzehnte sichern soll.
Schrittweise Einführung bis 2028 vorgesehen
Nach aktueller Planung soll der reguläre Fahrgastbetrieb mit den neuen Fahrzeugen im zweiten Halbjahr 2026 beginnen. Zunächst werden rund zehn TramTrains erwartet. In den folgenden Jahren soll die Flotte schrittweise erweitert werden, bis alle 28 Fahrzeuge im Einsatz sind.
Die neuen Bahnen sollen langfristig auf der gesamten Linie zwischen Saargemünd und Lebach eingesetzt werden. Mit der Modernisierung verfolgt die Saarbahn das Ziel, Kapazität, Komfort und technische Zuverlässigkeit im regionalen Schienenverkehr zu verbessern.
Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Zulassungsverfahrens ab.

