Die Europastadt Saarlouis beteiligt sich in diesem Jahr erstmals an der internationalen Aktion „Cities for Life – Städte gegen die Todesstrafe“. Auslöser war ein Besuch von Jasmin Blaß-Priester von der „Initiative gegen die Todesstrafe“ im Saarlouiser Rathaus. In einem ausführlichen Gespräch stellte sie Oberbürgermeister Marc Speicher die Ziele und die weltweite Bedeutung der Aktion vor – mit sofortiger Wirkung: Saarlouis wird am 30. November den Rathausturm blau beleuchten und damit ein sichtbares Zeichen gegen die Todesstrafe setzen.
Blaß-Priester begrüßt die Entscheidung ausdrücklich: „Ich freue mich sehr, dass die Stadt Saarlouis unserem Impuls folgt und damit ein sichtbares Zeichen gegen die Todesstrafe setzt.“
Auch Oberbürgermeister Speicher positioniert sich klar: „Die Würde des Menschen ist unantastbar – das schließt Hinrichtungen von vornherein als legitimes Mittel des Strafvollzugs aus. Auch aus christlicher Sicht widersprechen Todesurteile jeder Moral. Sie dienen der Vergeltung und nicht dem Schutz der Allgemeinheit.“
Weltweit bleibt die Todesstrafe jedoch Realität. In rund 55 Staaten ist sie gesetzlich verankert. Neben der Gefahr von Fehlurteilen ist sie in vielen Ländern politisch missbrauchbar. In Diktaturen wie dem Iran, Saudi-Arabien oder Afghanistan können Menschen für Homosexualität oder vermeintlichen „Abfall vom Islam“ hingerichtet werden. Für Saarlouis hat das eine besondere Bedeutung, denn in der Stadt leben Gemeinschaften aus stark betroffenen Herkunftsländern. Auch in den USA wird die Todesstrafe weiterhin vollstreckt.
Speicher betont, dass ein Rechtsstaat moralisch verpflichtet ist, Alternativen zu nutzen: „Selbst in Fällen schwerer Kriminalität ist es die Pflicht des Staates, stets das moralischste und angemessenste Mittel zu wählen, wie etwa die Sicherungsverwahrung. Ein Rechtsstaat hat dafür Sorge zu tragen, Sicherheit so zu organisieren, dass sie auch ohne vergebliche Hoffnung auf Abschreckung durch Exekutionen gewährleistet ist. Die Todesstrafe als notwendige Vollzugsmaßnahme ist somit die Bankrotterklärung eines Rechtssystems vor sich selbst.“
Mit der Teilnahme an „Cities for Life“ reiht sich Saarlouis in eine globale Bewegung ein. Weltweit machen Städte am 30. November auf die Menschenrechtslage aufmerksam und setzen ein starkes Signal für Humanität, Rechtsstaatlichkeit und den Schutz der Menschenwürde.
Die Stadtverwaltung zeigt sich stolz, Teil dieser internationalen Solidarität zu sein – und setzt mit der blauen Beleuchtung des Rathausturms ein klares Zeichen für ein Leben ohne Todesstrafe.


