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Seit 15 Jahren vereint die Liebe zu Büchern: Saarlouiser Lesekreis diskutiert Literatur mit Leidenschaft

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Saarlouis. Dienstagabend im Pfarrzentrum in Saarlouis: Acht Frauen sitzen an einem großen Tisch, vor ihnen mehrere Exemplare eines Romans. Schnell entwickelt sich eine engagierte Diskussion über Sprache, Figuren und gesellschaftliche Fragen. Im Mittelpunkt steht diesmal das Buch Im Herzen der Katze von Jina Khayyer – und wie so oft gehen die Meinungen auseinander.

Genau darin liegt für die Teilnehmerinnen jedoch der besondere Reiz ihres Lesekreises. Seit rund 15 Jahren treffen sich die Frauen regelmäßig, um gemeinsam Literatur zu entdecken und darüber ins Gespräch zu kommen. In der Runde nennen sie sich augenzwinkernd die „Lesetussis“.

„Man entdeckt oft Seiten an einem Buch, die man alleine vielleicht übersehen hätte“, beschreibt eine Teilnehmerin den Mehrwert der Treffen. Die gemeinsame Leidenschaft fürs Lesen verbindet die Gruppe bis heute – trotz unterschiedlicher Geschmäcker und Sichtweisen.

Initiatorin Eva Kirchdörfer zeigt sich beeindruckt von der Beständigkeit der Runde: „Wenn alle kommen, sind wir zwölf Frauen. Es ist schon bemerkenswert, wie konstant der Kreis über die Jahre geblieben ist.“

Etwa alle sechs Wochen wird ein neues Buch ausgewählt, gelesen und anschließend intensiv besprochen. Im Fokus steht überwiegend Belletristik, doch auch anspruchsvolle Klassiker finden ihren Weg auf die Leseliste.

Besonders lebhafte Debatten löste etwa Lolita von Vladimir Nabokov aus. Der kontroverse Roman über die obsessive Beziehung eines Mannes zu einem minderjährigen Mädchen habe moralische und gesellschaftliche Fragen aufgeworfen, die die Gruppe lange beschäftigten.

Auch Herz auf Eis von Isabelle Autissier hinterließ bleibenden Eindruck. Die Geschichte eines auf einer einsamen Insel gestrandeten Paares habe viele Teilnehmerinnen emotional bewegt. „Dieses Buch hat mich tagelang beschäftigt“, heißt es mehrfach aus der Runde.

Doch nicht nur die Literatur selbst spielt eine wichtige Rolle. Auch das Miteinander gehört fest zur Tradition des Lesekreises. Zu jedem Treffen gibt es Essen, häufig inspiriert von den besprochenen Büchern. Einmal im Jahr wird außerdem gemeinsam Feuerzangenbowle getrunken – angelehnt an Die Feuerzangenbowle und dessen berühmte Verfilmung Die Feuerzangenbowle.

Darüber hinaus unternehmen die „Lesetussis“ regelmäßig gemeinsame Ausflüge. Besuche der Leipziger Buchmessegehören ebenso dazu wie Lesungen bekannter Autorinnen und Autoren.

Besonders in Erinnerung geblieben ist eine Veranstaltung mit Saša Stanišić, der aus seinem Werk Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne las. Auch Begegnungen mit Elke Heidenreich, Alina Bronsky und Isabelle Bogdan zählen zu den Höhepunkten der vergangenen Jahre.

Der jüngste Ausflug führte die Gruppe nach Trier. Dort standen neben einer kulinarischen Stadtführung auch ein Besuch im Karl-Marx-Haus auf dem Programm. Eine weitere Reise führte die Frauen nach Luxemburg, wo sie an einer Stadtführung zur Rolle bedeutender Frauen in der Geschichte des Landes teilnahmen.

An Lesestoff mangelt es der Runde jedenfalls nicht. Nach jedem Treffen nehmen die Teilnehmerinnen neue Empfehlungen mit nach Hause – und meist denselben Wunsch: „Sich einsperren lassen und lesen, lesen und nochmal lesen.“ 

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