Wichtig! Besser lässt sich der gestrige Sieg des 1.FC Saarbrücken über die Schanzer aus Ingolstadt wohl nicht bezeichnen. Vorausgegangen war ein überraschender Sieg des SSV Ulm gegen den SC Verl, welcher den vermeintlich sicheren acht Punkte Vorsprung des FCS für wenige Stunden auf fünf schmelzen ließ. Dem Druck hielt das Team von Argirios Giannikis also dieses Mal stand, auch wenn der Erfolg über den FCI durchaus als glücklich zu bezeichnen ist.
Die xG-Statistik (erwartete Tore) zeigt auf, dass die Ingolstädter chancentechnisch alles andere als im Nachteil waren. Diese fällt nämlich mit 2,31 zu 1,6 eindeutig zu Gunsten der Oberbayern aus. Die Anzahl der Schüsse geht mit 18 zu 15 sogar an den 1.FC Saarbrücken, innerhalb der Box gewinnt Ingolstadt diesen Vergleich jedoch mit zehn zu acht.

Der FCS ließ also auffällig mehr Chancen des Gegners zu als noch in den letzten Wochen, gleichermaßen erspielten sie sich auch deutlich mehr. Giannikis wechselte seine Startelf auf drei Positionen. Bichsel, Baumann und Vasiliadis starteten für Bormuth, Brünker und Caliskaner. Ein Schachzug, der aufgehen sollte. Joel Bichsels linker Fuß diente als enorme Hilfe des stark verbesserten Spielaufbaus von Blau-Schwarz, dazu verteidigte der Schweizer mutig nach vorne und hielt Ingolstadt Top-Scorer Costly mit Ausnahme von einer Szene (der Kopfball aus wenigen Metern nach der Pause) aus der Partie.
Dominic Baumann erwies sich mit dem Ball als eine Klasse besser im Vergleich zu Kai Brünker, ließ sich oftmals intelligent ins Mittelfeld zurückfallen und war somit ein wichtiger Bestandteil der Saarbrücker Angriffsbemühungen. Dennoch wirkt er physisch nicht in bester Verfassung. So kam Baumann in einigen vielversprechenden Umschaltszenen nicht schnell genug hinterher und fehlte als Anspielstation in der Box. Torgefahr konnte er wiederholt nur mäßig ausstrahlen. Die Mittelstürmerposition bleibt eine Baustelle des 1.FC Saarbrücken und das, obwohl nominell vier Spieler für die Spitze zur Verfügung stehen.
Der FCS wirkte insgesamt etwas risikofreudiger, man konnte den Mannen in Blau und Schwarz durchaus ansehen, dass sie unter Zugzwang standen. Die Länderspielpause nutzte das Team scheinbar zur Optimierung geplanter Spielzüge, immer wieder versuchten die Saarbrücker Flügelspieler in die Halbspur zu starten und den Ball in die Mitte zu legen.
So auch beim 1-0, das wohl größtenteils auf das Konto des wiedererstarkten Maurice Multhaup gehen dürfte. Rizzuto ahnte den Laufweg des Rechtsaußens und spielte diesem einen schönen Ball in den Lauf. Multhaup setzte sich wunderbar durch, nahm einen Haken und legte auf für den einlaufenden Vasiliadis, welcher ohne Probleme das 1-0 erzielen konnte. Ein Spielzug wie aus dem Bilderbuch, der das an diesem Tage merklich verbesserte Offensivspiel der Saarbrücker aufzeigte. Ein Manko der Offensive stellten dabei die Flanken dar. Lediglich zwei von 18 fanden ihr Ziel. Dem FCS fehlt es in dieser Disziplin seit Jahren an Qualität. Ein Umstand, der sich in dieser Saison vermutlich auch nicht mehr ändern wird.
Gegen den Ball veränderte sich die Positionierung von Maurice Multhaup. Dieser war in den letzten vier Partien mehr oder weniger Teil einer defensiven Fünferkette gewesen. Unter Giannikis agiert der FCS meist in einer Art asynchronen 4-4-2, bei dem einer der beiden Flügelspieler hochschiebt, je nachdem, wo der Ball sich gerade befindet. Sebastian Vasiliadis bekam derweil wohl die Aufgabe, die Passwege auf Ingolstadts Spielmacher Carlsen zu sperren, womit der FCI allen voran in der ersten Halbzeit zu kämpfen hatte.
Dennoch zeigte Saarbrücken situativ altbekannte Schwächen im Zentrum, da Patrick Sontheimer und Tim Civeja teilweise beide herausrückten, woraufhin ein großer Raum für den Gegner entstand. Die 16 Minute dient hier als gutes Beispiel. Yann Sturm lief ohne Gegenwehr auf die Abwehrkette zu, entschied sich dann glücklicherweise für einen zentralen Abschluss anstatt den völlig freien Besuchkow an der Strafraumecke anzuspielen.
Die richtige Balance zwischen gefährlicher Offensive und sicherer Defensive ist ein Prozess, welcher sicherlich nicht von heute auf morgen finalisiert werden kann. In den Heimspielen funktionierte dies unter Giannikis bislang erstaunlich gut. Seine Ludwigspark-Bilanz besagt zehn Punkte aus vier Spielen, acht Tore und nur ein Gegentor. Mit Alemannia Aachen wartet nun die vermutlich schwerste Heimaufgabe seit Giannikis Amtsantritt. Um die drei Punkte im Ludwigspark zu behalten, sollte seine Mannschaft nicht die gleiche Anzahl an Chancen zulassen wie gegen den FCI, da mit Lars Gindorf und Mika Schroers zwei der besten Offensivspieler der Liga im Kader der Alemannia stehen.
Nichtdestotrotz darf dieser Sieg als elementar bezeichnet werden. In der aktuellen Tabellenlage werden zudem wohl nur die Wenigsten über „verdient“ oder „unverdient“ diskutieren. Der FCS hat in dieser Woche die große Gelegenheit, den Abstiegskampf praktisch zu entscheiden. Vier Punkte gegen Aachen und Havelse würden für eine Marke von 40 Zählern reichen, für deren Erreichen sich die Konkurrenz aus Ulm noch dramatisch steigern müsste.
Spielernoten:
Phillip Menzel: Ihm und seinen sechs Paraden verdankt die Mannschaft diesen Sieg. Die mit Abstand beste Saisonleistung des zuletzt schwächelnden Keepers. 1
Calogero Rizzuto: Stark verbessert im Vergleich zu Verl. 2-
Lasse Wilhelm: Bildete mit Joel Bichsel eine mutige und zugleich spielerisch überzeugende Innenverteidigung. 2
Joel Bichsel: In dieser Form ein Unterschiedsspieler. 1
Niko Bretschneider: Am unauffälligsten in der Viererkette. 4
Tim Civeja: Als tiefer Spielmacher mit überzeugenden Momenten, defensiv zu schwach für die Doppelsechs. 3-
Patrick Sontheimer: Ungewohnt unsicher. 4
Maurice Multhaup: Unruheherd in der Offensive. Das 1-0 bereitet er grandios vor. 1-
Sebastian Vasiliadis: Bis auf sein Tor ziemlich unauffällig. 3-
Florian Pick: Gewohnt engagiert mit überragenden Dribblings, jedoch erneut viel zu kompliziert im letzten Drittel. 3
Dominic Baumann: Verlässliche Anspielstation im Aufbau, offensiv zu ungefährlich. 3
Kaan Caliskaner: Belebendes Element nach seiner Einwechslung, teilweise zu leichtfertig. 3
