Saarlouis. Ein Meteorit schlägt mitten in Saarlouis ein, das Theater am Ring stürzt teilweise ein, Flammen breiten sich aus, Dutzende Menschen werden verletzt. Was nach Katastrophenfilm klingt, war am 5. September das Szenario einer groß angelegten Katastrophenschutzübung im Landkreis Saarlouis.
Wichtig: Der Einschlag war natürlich nur angenommen. Tatsächlich trainierten rund 600 Beteiligte, wie Behörden, Rettungskräfte, Krankenhäuser, Polizei und Bundeswehr bei einem schweren Großschadensereignis zusammenarbeiten würden.
Etwa 80 Verletztendarsteller sorgten nach Angaben des Landkreises dafür, dass die Lage möglichst realistisch wirkte. Sie waren entsprechend geschminkt und spielten unterschiedliche Verletzungsmuster. Zwischen 10 und 15 Uhr liefen die Übungsmaßnahmen, dafür wurden in der Saarlouiser Innenstadt zeitweise auch Straßen gesperrt.

Landrat Patrik Lauer begründete die ungewöhnlich große Übung mit veränderten Gefahrenlagen. Krisen seien aus seiner Sicht wahrscheinlicher geworden – unter anderem durch klimatische, gesellschaftliche und geopolitische Entwicklungen. Entscheidend sei deshalb, Abläufe so lange zu trainieren, bis sie im Ernstfall möglichst automatisch funktionieren.
Mehr als ein Jahr lang hatte die Kreisverwaltung nach eigenen Angaben an dem Szenario gearbeitet. Übungsleiter Matthias Strauß vom Amt für Sicherheit und Ordnung erklärte, Ziel sei gewesen, möglichst viele beteiligte Organisationen gleichzeitig zu fordern und ihnen einen praktischen Nutzen für künftige Einsätze zu bieten.
Und dafür wurde an zahlreichen Stellen gleichzeitig geübt. Im Theater sollte das Technische Hilfswerk beschädigte Bereiche abstützen. Rettungshunde suchten nach vermeintlich verschütteten Menschen. Auf dem Kleinen Markt richtete das Deutsche Rote Kreuz eine Erstversorgung für „Verletzte“ ein. Am Saaraltarm entstand eine Wasserentnahmestelle, über die Löschwasser für die Feuerwehr bereitgestellt werden sollte.

In der Hans-Welsch-Halle in Lisdorf richteten die Malteser zudem eine Notunterkunft ein.
Auch drei Kliniken waren in die Übung eingebunden: das Caritas-Krankenhaus Lebach, das Krankenhaus Saarlouis vom DRK und das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Saarlouis. Die angenommenen Patienten wurden auf die Häuser verteilt. Damit sollte zugleich getestet werden, wie die Krankenhausalarm- und Einsatzplanung bei einer größeren Zahl Verletzter funktioniert.
Während draußen gerettet, gelöscht und versorgt wurde, liefen im Landratsamt die organisatorischen Fäden zusammen. Dort nahmen zwei Krisenstäbe ihre Arbeit auf. Der Operativ-Taktische Stab sollte die Einsatzmaßnahmen koordinieren, der Administrativ-Organisatorische Stab die notwendigen Verwaltungsentscheidungen treffen.

Auch die Information der Bevölkerung gehörte zum Szenario. Geübt wurden unter anderem Veröffentlichungen über verschiedene Informationskanäle sowie die Einrichtung eines Bürgertelefons zusammen mit der Patientenauskunftsstelle des DRK.
Innenminister Reinhold Jost machte sich vor Ort ein Bild von der Übung und lobte anschließend die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen. Landrat Lauer und die zuständige Kreisdezernentin Daniela Colling zogen bei der Abschlussveranstaltung ebenfalls ein positives Fazit.
Wie gut einzelne Abläufe tatsächlich funktioniert haben und wo Nachbesserungsbedarf besteht, geht aus der Mitteilung des Landkreises allerdings nicht im Detail hervor. Die dort veröffentlichten Einschätzungen stammen im Wesentlichen von den beteiligten Verantwortlichen selbst.
Fest steht: Für einige Stunden wurde Saarlouis am 5. September zur Kulisse eines außergewöhnlichen Katastrophenszenarios. Der Meteoriten-Einschlag blieb Fiktion – die Frage, wie Einsatzkräfte auf eine echte Großlage reagieren, war dagegen sehr real.

