Die angekündigte Neuausrichtung des Klinikstandorts Neunkirchen-Kohlhof sorgt in der saarländischen Politik für ein breites Echo. Während mehrere Parteien den Erhalt der Kinderklinik und Geburtshilfe begrüßen, gibt es zugleich Kritik an geplanten Verlagerungen anderer Abteilungen sowie am bisherigen Vorgehen der Landesregierung.
Nach den aktuellen Planungen soll der Standort Kohlhof erhalten und zu einem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin sowie Geburtshilfe ausgebaut werden. Andere medizinische Bereiche sollen künftig vom Diakonie-Klinikum Neunkirchen übernommen werden.
Die FDP Saar sprach von einer deutlichen Kurskorrektur. Der gesundheitspolitische Sprecher Dr. Helmut Isringhaus bezeichnete die neuen Planungen als „positive Wende im Klinikstreit“. Der gezielte Ausbau des Kohlhofs bei gleichzeitigem Abbau von Doppelstrukturen sei ein sinnvoller und zukunftsfähiger Ansatz. Zugleich kritisierte die FDP das frühere Vorgehen des Gesundheitsministeriums, das aus ihrer Sicht unnötige Verunsicherung ausgelöst habe.
Auch Die Linke Saar sieht in der Entscheidung einen Erfolg des öffentlichen Drucks. Landesvorsitzender Florian Spaniol erklärte, ohne den Widerstand aus Bevölkerung, Belegschaft und Bürgerinitiative wären zentrale Bereiche wie Geburtshilfe und Pädiatrie verloren gegangen. Die nun vorgestellte Lösung sichere kurzfristig Versorgung, stelle aber keine nachhaltige Antwort auf strukturelle Probleme dar. Die Linke fordert deshalb einen grundsätzlichen Kurswechsel in der saarländischen Krankenhauspolitik.
Kritischer äußerten sich die Bündnis 90/Die Grünen Neunkirchen. Zwar begrüßten sie ausdrücklich den Erhalt der Kinderklinik, verwiesen jedoch auf den Verlust wichtiger anderer Bereiche. Fraktionsvorsitzende Tina Schöpfer nannte insbesondere die geplante Verlagerung von Notfallversorgung, Innerer Medizin und Allgemeinchirurgie einen herben Verlust für die Kreisstadt und das Umland. Der Kohlhof bleibe damit nicht in dem Umfang erhalten, wie es gefordert worden sei.
Zustimmung mit Vorbehalten kommt auch von der BSW-Fraktion im Kreistag Neunkirchen. Fraktionsvorsitzender Ralf Georgi bezeichnete den Erhalt von Kinderklinik und Geburtshilfe als wichtigen Teilerfolg. Kritisch sieht die Fraktion jedoch ebenfalls die angekündigte Verlagerung weiterer Bereiche. Diese dürfe nicht zu längeren Wegen für Patienten oder zu einer Schwächung des Standorts führen. Gefordert werden unter anderem eine Zukunftsgarantie für Kohlhof, Investitionen und Transparenz gegenüber Beschäftigten und Öffentlichkeit.
Die SPD Neunkirchen bewertete die Ergebnisse der Gespräche zwischen Gesundheitsminister Magnus Jung und der Marienhaus-Gruppe positiv. Vorsitzender Tobias Wolfanger sprach von einer sehr guten Nachricht für die Region. Der Kohlhof bleibe als spezialisierter Standort für Kinder, Jugendliche und Familien erhalten, gleichzeitig werde das Diakonie-Klinikum in der Innenstadt gestärkt. Dies sei auch ein Erfolg des Engagements von Bürgern und Beschäftigten.
Damit zeigt sich: Der Erhalt zentraler Angebote am Kohlhof wird parteiübergreifend begrüßt. Umstritten bleibt jedoch, welche Folgen die geplanten Verlagerungen anderer Abteilungen für die medizinische Versorgung in Neunkirchen langfristig haben werden.


