Sonntag, Januar 24, 2021

Umweltministerium: Ausweisung von Radonvorsorgegebieten aktuell nicht notwendig

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Dennoch liegen 3,26 % aller Privathäuser über dem Grenzwert von 300 Becquerel/Kubikmeter.
„Im Saarland sind in keiner Gemeinde die gemessenen Radon-Konzentrationen so hoch, dass sie zum 31. Dezember als Radonvorsorgegebiet ausgewiesen werden müsste.“ – das gab Umweltminister Reinhold Jost nach der Auswertung der nun vorliegenden Radon-Messdaten bekannt.

Nach dem novellierten Strahlenschutzgesetz sind die Bundesländer verpflichtet, bis zum 31. Dezember 2020 so genannte Radonvorsorgegebiete auszuweisen. Das sind Gebiete, in denen ein erhöhtes Vorkommen des in höheren Konzentrationen gesundheitsgefährdenden Edelgases nicht ausgeschlossen werden kann. In diesen gelten dann bestimmte gesetzliche Anforderungen zum Schutz vor Radon. Das saarländische Umweltministerium hat im Februar eine Mess-Kampagne gestartet. Sie soll einen Überblick geben über die Belastung durch Radon im Boden und in Gebäuden.

Bodenluftmessungen:

Saarlandweit wurden 70 Messpunkte beprobt, die nach ihrer geologischen Struktur eine erhöhte Radonkonzentration im Boden erwarten lassen. 64 davon sind inzwischen ausgewertet und 6 noch abschließend zu beurteilen.

47 % der Messwerte liegen unterhalb, 33 % im Rahmen und 20 % liegen oberhalb der Vorhersagen der aktuellen Radonprognosekarte des Bundesamtes für Strahlenschutz, die auf früheren Messwerten basieren.

Aus älteren Messvorhaben liegen etwa 113 über das Saarland verteilte Messwerte vor. Diese waren allerdings zur Ausweisung von Vorsorgegebieten unzureichend.

Raumluftmessungen in Privathäusern:

Die Ergebnisse der Kurzzeit-Messungen zur Radon-Belastung in Wohnhäusern liegen vor und sind ausgewertet. Von 1330 Teilnehmern haben 1256 die Messdosen an das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zurückgeschickt. Das entspricht einer Rücklaufquote von weit über 90 Prozent. In 41 der 1256 Häuser wurde der gesetzliche Referenzwert von 300 Bq/m³ (Becquerel pro Kubikmeter) erreicht oder auch überschritten. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von 3,26 % aller ausgewerteten Privathäuser.

„Damit liegen wir im bundesdeutschen Mittel von 3 %. Die Teilnehmer wurden über ihre Messergebnisse informiert und bei höheren Werten von Fachleuten im Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz beraten“, so Jost.

Raumluftmessungen in Schulen und Kitas:

Zum jetzigen Zeitpunkt liegen über 1400 Einzelergebnisse aus 520 der 610 teilnehmenden Einrichtungen vor. 20 dieser Einrichtungen liegen mit wenigstens einem Wert bei oder oberhalb von 300 Bq/m³. Prozentual entspricht dies mit 3,85% aller beprobten Einrichtungen im Großen und Ganzen dem bundesdeutschen Mittel von 3%. Anders als in einigen anderen Bundesländern sind in öffentlichen Gebäuden im Saarland bisher keine Messwerte oberhalb von 1000 Bq/m³ bekannt.

Minister Jost: „Bei denjenigen Schulen und Kindergärten mit auffälligen Werten werden wir jetzt noch mal genauer hinschauen. Folgemessungen laufen hier bereits. Darüber hinaus werden natürlich noch die Daten der Langzeitmessungen analysiert werden. Die Langzeit-Messergebnisse aus Schulen und Kitas werden bis Mai 2021 vorliegen, die aus Privathäusern bereits bis Februar/März.  

Minister Jost: „Der Erfolg einer so groß angelegten Messkampagne steht und fällt mit der Teilnahmebereitschaft. Wir sind froh und dankbar, dass so viele Bürgerinnen und Bürger bereit waren mitzumachen. Nur so war es möglich, wichtige Erkenntnisse zu gewinnen, die auf einer breiten Datengrundlage fußen.“   

Gemitteltes Radonpotential der Gemeinden im Saarland:

Die Radonprognosekarte des Bundesamtes für Strahlenschutz betrachtet lediglich geologische Randbedingungen, die ein mögliches erhöhtes Vorkommen von Radon im Boden zur Folge haben können. Anthropogene Faktoren wie z.B. bergbauliche oder andere Eingriffe in die Bodenbeschaffenheit können den Radoneintritt in Häuser indirekt begünstigen. Aus diesem Grund wurden im Saarland im Vergleich zu anderen Bundesländern überdurchschnittlich viele Radonmessungen in Gebäuden vorgenommen.

Darüber hinaus haben die Strahlenschutzfachleute des Umweltministeriums in ihren Auswertungen die Ergebnisse der Innenraummessungen in den Gemeinden, die vom Bergbau betroffen sind, stärker gewichtet als in den Gemeinden ohne Bergbau.

Ergebnis der Auswertung: Keine Gemeinde im Saarland ist aktuell als Radonvorsorgegebiet auszuweisen. In den sechs Gemeinden Merchweiler, Nohfelden, Blieskastel, Oberthal, Perl und Gersheim wurde jedoch ein vergleichsweise hoher Radonwert ermittelt. Diese Gemeinden gelten deshalb als Untersuchungsgebiet, in denen weitere Messungen durchgeführt werden sollen. Planungen hierfür laufen schon.

Hintergrund:

Je nach Höhe der gemessenen Radon-Belastung werden den Hausbesitzern unterschiedliche Schutzmaßnahmen empfohlen. Die Messergebnisse werden dazu in Absprache mit dem Bundesamt für Strahlenschutz in 4 Kategorien unterteilt:

bis 100 Bq/m³:

Keine Maßnahmen zur Reduzierung der Radonaktivität notwendig.

Über 100 bis 300 Bq/m³:

Einfache Schutzmaßnahmen zur Senkung der Radonaktivität unter 100 Bq/m³ wie z.B. konsequentes Lüften.

Ab 300 bis 1000 Bq/m³:

Neben konsequentem Lüften werden organisatorische und baulich-technische Maßnahmen zur Reduzierung der Radonaktivität wenn möglich unter 100 Bq/m³ ansonsten unter 300 Bq/m³ empfohlen.

Über 1000 Bq/m³:

Baulich-technische Maßnahmen zur signifikanten Reduzierung der Radonaktivität wenn möglich unter 100 Bq/m³, ansonsten unter 300 Bq/m³ konzipieren lassen und zeitnah durchführen lassen.

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