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Verein für Heimatgeschichte Thalexweiler Bachmanns-Kreuz erstrahlt in neuem Glanz – Einweihung am 01. Juli 2017

Ein langer Weg geht zu Ende Der Stadtteil Thalexweiler ist damit gleichzeitig um ein weiteres Schmuckstück reicher. Die Rede ist von „Bachmanns-Kreuz“, das nach der Restaurierung zwischenzeitlich an seinen ursprünglichen Platz zurückgekehrt ist und nunmehr am Samstag, 01. Juli 2017, eingeweiht werden soll.

Es gibt viele Wegekreuze, deren Entstehungsgeschichte im Dunkeln liegt und die der Nachwelt Rastel aufgeben. Einer, der sich auf die Fahne geschrieben hat, hier eigene Forschungen anzustellen bzw. zu versuchen, den steinernen Monumenten ihr letztes Geheimnis zu entlocken, ist der pensionierte Malermeister Walter Lesch (Thalexweiler), der zwischenzeitlich zu einem Spezialisten bei der Erforschung und Sanierung von Wegekreuzen avancierte.

Es war im Jahr 2015, als er ein weiteres Ergebnis seiner Forschungstätigkeit präsentieren konnte.

Noch 1987 war in dem von der VHS Lebach herausgegebenen und von Gabriele Neu verfassten Buch „Wegekreuze und Bildstöcke in Lebach“ in dem Text betr. das „Bachmanns-Kreuz“ u.a. zu lesen: „Die Hintergründe für die Errichtung sind unbekannt“.

Diese Aussage wiederum ließ Walter Lesch keine Ruhe mehr. Was hatte es für eine Bewandtnis, was war der Grund für die Errichtung dieses Kreuzes, das seinen ursprünglichen Platz gleich zweimal hatte räumen müssen, und zwar in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts beim Bau einer Mauer ? Dabei fanden – so seine Recherchen – 2 wertvolle Quadersteine des Sockels (Basis) und die Altarplatte bei den Stützmauerarbeiten Verwendung.

Man könne heute von Glück sagen, dass das Kreuz überhaupt noch vorhanden sei, meinte Lesch in dem Zusammenhang. Dies sei in erster Linie Oswald Schwirz zu verdanken, der das Denkmal davor bewahrt habe, dass es im Rahmen des seinerzeit erfolgten Mauerdurchbruchs zusammen mit den übrigen Steinen abtransportiert worden sei. Ein Steinquader, der noch übrig blieb, bildet heute die Basis des sicherlich wertvollen Wegekreuzes.

Walter Lesch konnte sich auch noch daran erinnern, dass nach dem Ende des 2. Weltkrieges die alljährliche Fronleichnamsprozession – ab 1946 – durch den Ortsteil Schellenbach defilierte und im Schatten des Bachmanns-Kreuzes der 2. sakramentale Segen erteilt wurde.

Durch Zufall sei der Standort des Wegemals so platziert, dass Bürger und Besucher, die auf ihrem Weg die Ortsteile Schellenbach und Exweiler passieren, von dem Kreuz, das am Eingang der Straße „Zum Eisrech“ steht, empfangen und auch verabschiedet werden. Nur wenige Meter davon entfernt befindet sich nämlich die Theelbrücke, die die beiden Ortsteile miteinander verbindet.

Mit den Forschungen bezüglich des Kreuzes, das seinen Platz in unmittelbarer Nähe zu seiner Wohnung hat, begann er bereits in den Jahren 1985 -1987. Diese fanden ihre Fortsetzung 1994, nach einer längeren Pause dann wieder 2013. Doch zum eigentlichen Resultat gelangte der pensionierte Malermeister erst 2015, wobei die herausgefundene Jahreszahl „1813″ den eigentlichen Einstieg auf dem langen Weg zum ersehnten Ziel markierte.

Nun aber zu dem, was der pensionierte Malermeister bei seinen Forschungsarbeiten herausfand: Nachweislich des Kirchenarchivs fanden 14 Männer aus der Pfarrei Exweiler (Thalexweiler) in den Napoleonischen Kriegen 1805- 1813 ihr Leben. Einer der Gefallenen war Johannes Linnenbach. Ihm zum Gedenken wurde das Kreuz errichtet.

Aus einer Übersichtskarte von Thalexweiler/ Schellenbach, datiert Ende des 18. Jahrhunderts, ist zu ersehen, dass unmittelbar hinter dem heutigen Standort des Wegekreuzes ein Anwesen unter dem Namen Joh. Linnenbach eingezeichnet ist. Dieses ist – davon ist Lesch überzeugt – mit dem Gefallenen in Verbindung zu bringen.

Als den Erbauer des Kreuzes vermutet der Hobbyforscher den in unserer Region mehrmals in Erscheinung getretenen Adam Caryot, Steinmetzmeister und Steingraveur. Er stammte aus Schreckling (Lothringen), wo er am 27. März 1773 das Licht der Welt erblickte, und war in 2. Ehe verheiratet mit Ursula Linnenbach, deren l. Mann Georg Bachmann war

Die Eheschließung fand am 07. Februar 1804 in Thalexweiler statt.

Gestorben ist Caryot am 13 April 1843 in Thalexweiler.

Das Kreuz trage eindeutig die Handschrift von Caryot –   davon ist Lesch überzeugt. Eine Kopie des Wegemals in Auarell- Technik im Maßstab l :75 – gemalt vom pensionierten Malermeister – zeigt das Originalkreuz mit eingravierter Umschrift-Stele von 1813, so wie sie nach der von ihm angewandten Fototechnik lesbar wurde, womit gleichzeitig ein weiteres Rätsel gelöst wurde.

Weitere Spuren, die Caryot in Thalexweiler hinterlassen hat, finden bzw. fanden sich u.a. an der alten Schellenbacher Brücke, die 1838 erbaut und 1996 abgerissen bzw. durch ein neues Bauwerk ersetzt wurde, und an einem „Pütz“ am früheren „Caryots-Haus“ in der Alemaniastraße.

Caryot, Stammvater und Namensgeber für alle Nachfahren in Thalexweiler, gilt auch als der Erbauer der Brücke zwischen Aschbach und dem Ortsteil Henselhofen.

Warum das Monument in der Straße „Zum Eisrech“ als „Bachmanns-Kreuz“ bezeichnet wird, deutet Lesch so, dass in den Generationsfolgen feststellbar sei, dass Verheiratungen zwischen den Sippen Linnenbach und Bachmann stattfanden.

Das Kreuz – sprich der Schaft – war zunächst abgebaut worden und befand sich danach längere Zeit im Bauhof Lebach, später in der Werkstatt des Steinbildhauers Garsten Fuchs (Steinbach), wo es liebevoll restauriert wurde. Dabei wurde u.a. ein abgebrochener Teil ersetzt, d.h. eine der Quaderecken erneuert, außerdem der Beton an der Basis entfernt. Nachdem Dr. Rupert Schreiber vom Landesdenkmalamt Saarbrücken, der durch eine Presseveröffentlichung auf das spezielle Engagement von Walter Lesch aufmerksam wurde und sich bezüglich der weiteren Vorgehensweise mit ihm vor Ort in Lebach getroffen hatte, wurde im Übrigen vereinbart, unter dem Kreuz eine Tafel anzubringen, die die Details zu dessen Geschichte für die Nachwelt festhält.

Im Frühjahr 2016 wurde diese Tafel, eine Edelstahlplatte, die später unterhalb des Kreuzes befestigt werden sollte, von Walter Lesch beschriftet. Seine eigenen Vorarbeiten waren damit also abgeschlossen, die Arbeiten von Bildhauermeister Garsten Fuchs an dem Wegekreuz selbst allerdings zunächst noch nicht beendet.

Dies war mittlerweile allerdings der Fall. Danach kehrte das Kreuz wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück. Zuvor war bereits die Edelstahlplatte, die von Lesch mit einer Bronze-Patina versehen wurde, an der Mauer unterhalb des Kreuzes angebracht worden. Für diese Arbeiten verantwortlich zeichnete einmal mehr der Bauhof Lebach.

Zu diesem Zeitpunkt wurde Walter Lesch, der wegen einer Erkrankung seine Tätigkeit für einen längeren Zeitraum unterbrechen musste, seinerseits wieder tätig. Die Ostseite war stark verwittert und besass einen Spalt. Die Stelle wurde von Lesch armiert. Danach brachte er einen neuen Christuskörper an. Mit einem hydrophobierenden Silikat sorgte er für einen speziellen Schutz des Kreuzes, auf dem er zum Schluss noch eine Sicherheitslasur anbrachte.

Die letzten Arbeiten am Kreuz bestanden darin, dass er die – geschrumpfte – Schrift eingravierte und farbig auslegte. Es handelt sich dabei um die Originalschrift, allerdings in verkleinerter Form.

Thalexweiler dürfte damit endgültig um ein weiteres Kleinod reicher sein. Nunmehr steht auch der Termin für die Einweihung des Wegemals fest. Es ist der Samstag, 01. Juli 2017. Die Einweihung des Kreuzes erfolgt im Anschluss an die um 18.45 Uhr in der Pfarrkirche „St. Alban“ beginnende Vorabendmesse.

Zu der Einsegnung – und zu einem kleinen Umtrunk danach – lädt der Verein für Heimatgeschichte Thalexweiler, der auch die Kosten für die Restaurierung übernahm, recht herzlich ein.

eg/ Fotos: Walter Lesch

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