In Deutschland wird viel und gerne protestiert – so auch wieder am vorvergangenen Wochenende. Zehntausende forderten, angesichts der angespannten Versorgungslage mit Öl und Gas eine schnellere Abkehr von der fossilen Abhängigkeit und mehr Tempo bei der Energiewende. Besonders Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bekam ihr Fett weg. Sie will erreichen, dass Effizienz und Markt die Geld-Gießkanne beim Ausbau der erneuerbaren Energien wie Sonne oder Wind ersetzen.
Im Saarland schäumten auf einer Veranstaltung Alt-Grüne wie Ex-Umweltministerin Simone Peter und der frühere Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell. Er gilt als Erfinder des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), das den Stromzahler in den vergangenen 26 Jahren mindestens 450 Milliarden Euro an Subventionen gekostet hat. Sie warfen Reiche einen „Generalangriff auf die Energiewende“ vor.
Doch mal halblang. Sonne und Wind decken gerade einmal acht Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs ab. Es fallen jährlich jedoch 36 Milliarden Euro an Systemkosten an, um den witterungsbedingt unsteten Strom so zu regeln, dass die Netzstabilität sichergestellt ist. Der Strom macht nur 20 Prozent des deutschen Energiebedarfs aus. Der Rest verteilt sich im Wesentlichen auf Industrie, Verkehr und Heizen. Erdöl, Gas und Kohle stillen den Energiehunger der Deutschen immer noch zu 78 Prozent. Beim Start der Energiewende vor einem Vierteljahrhundert waren es 83 Prozent. Für diese schlappen fünf Prozentpunkte zahlen wir mit 37 Cent pro Kilowattstunde die höchsten Strompreise. Immer mehr Unternehmen geben auf oder verlassen das Land. Das sich daran viel ändert, ist nicht absehbar, da der Widerstand gegen die Verspargelung und Verspiegelung der Landschaft wächst. Zuerst einmal nachdenken, bevor man schäumt, Schilder malt und auf die Straße geht.

