Das Saarland setzt bundesweit ein Zeichen für globale Gerechtigkeit und nachhaltigen Konsum: Am Freitag, 7. November 2025, wurde das kleinste Flächenland Deutschlands offiziell zum ersten Fairtrade-Bundesland ernannt. Im Rahmen eines Festakts nahmen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot die entsprechende Urkunde entgegen – eine Premiere in der Geschichte der Fairtrade-Bewegung in Deutschland.
„Als erstes Bundesland beweist das Saarland, dass sozialer und ökologischer Wandel auch auf Landesebene gestaltet werden kann“, erklärte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. „Fairer Handel geht uns alle an und im Saarland nehmen wir diese Verantwortung ernst.“ Auch Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot, die zugleich Vorsitzende der Steuerungsgruppe faires Saarland ist, würdigte das jahrelange Engagement: „Die Saarländerinnen und Saarländer ebenso wie die Landesverwaltung engagieren sich seit vielen Jahren für den fairen Handel. Die Auszeichnung des Saarlandes als erstes Fairtrade-Bundesland beweist, dass das Streben nach globaler Gerechtigkeit für uns als Selbstverständlichkeit im gemeinsamen politischen Handeln verankert ist.“
Verantwortlich für die Entwicklungszusammenarbeit ist im Saarland das Bildungs- und Kulturministerium – ein bundesweit einzigartiger Ansatz, der auch die politische Verankerung des fairen Handels besonders deutlich macht.
Claudia Brück vom Vorstand von Fairtrade Deutschland lobte das Bundesland für seine Pionierrolle: „In politisch stürmischen Zeiten, in denen Entwicklungszusammenarbeit sukzessive abgebaut wird, zeigt das Saarland, dass nachhaltiger Konsum und globale Gerechtigkeit keine Grenzen kennen. Ich würde mir wünschen, dass andere Bundesländer, große und kleine, diesem tollen Beispiel folgen.“
Tatsächlich kann das Saarland auf eine beachtliche Bilanz verweisen: Bereits 2009 wurde Saarbrücken als erste Fairtrade-Stadt Deutschlands ausgezeichnet, 2014 folgte die Universität des Saarlandes als erste Fairtrade-Universität. Heute leben über drei Viertel der Bevölkerung in Fairtrade-Towns oder -Landkreisen. 21 Schulen tragen den Titel Fairtrade-School, mehr als 200 Geschäfte, 70 Cafés und Restaurants sowie über 130 öffentliche Einrichtungen im Land bieten fair gehandelte Produkte an.
Dass die Auszeichnung als Fairtrade-Bundesland möglich wurde, ist auch das Ergebnis eines zehnjährigen gemeinsamen Prozesses zwischen engagierter Zivilgesellschaft und der Landesregierung. „Niemand kann alles tun, aber gemeinsam verändern wir die Welt – dieser Satz ist für unser Engagement sehr wichtig“, betonte Vivian Pollner, Schülerin der Gemeinschaftsschule Marpingen und Sprecherin der Steuerungsgruppe faires Saarland.
Besondere Bedeutung hat auch die langjährige Partnerschaft mit der Cashew-Kooperative CCPA BIO EQUITABLE aus dem Partnerland Benin. „Der faire Handel trägt dazu bei, dass die Kinder eine bessere Ausbildung bekommen. Früher haben wir mit Verlust verkauft. Dank Fairtrade können wir die Kerne zu angemessenen Preisen verkaufen“, berichtete Gaya Chabi Boum, Vorsitzender der Kooperative.
Die Fairtrade-Kampagne basiert auf sechs Kriterien, die unter anderem zivilgesellschaftliches Engagement, Bildungsarbeit, das Angebot fair gehandelter Produkte und politische Unterstützung umfassen. Das Saarland erfüllte alle Vorgaben – und setzt nun Maßstäbe, die bundesweit Vorbildcharakter haben.
Fairtrade gilt laut einer aktuellen internationalen Studie als das bekannteste Nachhaltigkeitssiegel weltweit. 83 Prozent der befragten Konsument:innen vertrauen dem Label, was sich in einem Umsatzplus auf 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2024 niederschlug.
Mit der offiziellen Anerkennung als Fairtrade-Bundesland macht das Saarland deutlich, dass es den Wandel hin zu mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit nicht nur fordert, sondern auch aktiv vorantreibt – auf Landesebene, mit der Gesellschaft, für die Welt.


