Bei der Grundsteinlegung des Landhaus Quartiers Schaumberg in Tholey sprach Chantal Ostermann, Geschäftsführerin der Landhaus-Senioren-Wohngemeinschaften und Mitglied der Geschäftsleitung der Victor’s Group, über die nächsten Bauabschnitte, die Expansion des Konzepts und die Herausforderungen der Pflegebranche.
Frau Ostermann, die Grundsteinlegung ist erfolgt und der Bau schreitet sichtbar voran. Wie sieht der weitere Zeitplan aus?
Anfang Oktober wird das Richtfest stattfinden. Die Fertigstellung der ersten Landhaus-Senioren-Wohngemeinschaft mit 55 stationären Pflegeplätzen sowie 16 betreuten Wohnungen ist für Ende Juli kommenden Jahres vorgesehen. Die Eröffnung planen wir dann für Ende August. Anfang 2028 folgt der zweite Bauabschnitt mit einer weiteren Einheit für 55 Bewohner, die ambulant betreut werden und eher dem Bereich des betreuten Wohnens zugeordnet ist.
Und danach?
Aktuell arbeiten wir bereits an den Planungen für den dritten Abschnitt. Dieser umfasst Bungalows und touristische Angebote. Wir befinden uns dabei allerdings noch in einer frühen Planungsphase.
Sie haben in Ihrer Rede die touristische Komponente angesprochen. Was ist konkret geplant?
Im Gespräch sind unter anderem Stellplätze für Wohnmobile. Außerdem möchten wir die touristischen Angebote der Region stärker einbinden, etwa Veranstaltungen oder Freizeitmöglichkeiten rund um den Schaumberg. Denkbar ist auch, dass einige der Bungalows als Ferienwohnungen genutzt werden können. Das passt sehr gut zum Standort mit seiner unmittelbaren Nähe zum Erlebnisbad und den touristischen Angeboten am Schaumberg.
Das Projekt in Tholey ist Teil eines größeren Konzepts. Welche Rolle spielt die Landhausgruppe dabei?
Wir haben bereits zwölf Landhäuser in Thüringen eröffnet. Dort liegen auch die Wurzeln unseres Partners exsos. Jetzt beginnen wir mit der Expansion in weitere Bundesländer. Neben dem Saarland gibt es bereits Projekte in Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg.
Welche Idee steckt hinter diesem Konzept?
Uns geht es vor allem darum, die Versorgungslücke im ländlichen Raum zu schließen. Viele ältere Menschen möchten in ihrem vertrauten Umfeld bleiben und nicht in größere Städte ziehen müssen. Dort fehlen oft die sozialen Kontakte, die Familie und die gewohnte Umgebung. Wir wollen ihnen ermöglichen, dort zu bleiben, wo sie verwurzelt sind.
Wie weit reichen Ihre Expansionspläne?
Unser Ziel sind 100 Landhäuser innerhalb der nächsten 15 Jahre.
Wie kam die Zusammenarbeit mit exsos zustande?
Eigentlich durch Zufall. In Thüringen wurden wir auf ein Projekt aufmerksam gemacht, für das ein Betreiber gesucht wurde. Gleichzeitig hatten wir uns bereits intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man Pflegeangebote für den ländlichen Raum in kleineren, überschaubaren Einheiten organisieren kann. Bei exsos haben wir festgestellt, dass wir dieselbe Vision verfolgen. Hinzu kommt die sehr kurze Bauzeit. Innerhalb von rund 13 Monaten steht ein Gebäude. Das macht exsos für uns zu einem idealen Partner.
In Tholey scheint die Zusammenarbeit mit der Kommune besonders gut zu funktionieren.
Ja, die Unterstützung war von Anfang an außergewöhnlich groß. Die Verantwortlichen in der Gemeinde standen dem Projekt sehr offen gegenüber. Das beschleunigt viele Prozesse und ermöglicht es uns, Vorhaben schneller umzusetzen.
Sie haben bei der Grundsteinlegung auch um Bewerbungen geworben. Wen suchen Sie konkret?
Wir werden in den kommenden Monaten verschiedene Informationsveranstaltungen und Bewerbertage anbieten. Gesucht werden Mitarbeitende in der Pflege, Betreuung, Freizeitgestaltung, Verwaltung, Hauswirtschaft und Haustechnik. Dabei freuen wir uns ausdrücklich auch über Quereinsteiger, die gerne mit Menschen arbeiten.
Die Gewinnung von Pflegepersonal gilt bundesweit als schwierig. Wie erleben Sie die Situation?
Der Fachkräftemangel ist natürlich eine Herausforderung. Deshalb setzen wir seit Jahren stark auf Ausbildung. In unserem Unternehmen haben wir derzeit rund 1.500 Auszubildende. Außerdem verfügen wir hier im Saarland über eine eigene Pflegeschule. So können wir einen großen Teil unserer Fachkräfte selbst qualifizieren.
Was macht die Arbeit in den Landhäusern aus Ihrer Sicht attraktiv?
Das familiäre Konzept. Die Einrichtungen sind bewusst klein gehalten, die Teams überschaubar und die Zusammenarbeit sehr persönlich. Gleichzeitig investieren wir viel in Weiterbildung und Entwicklungsmöglichkeiten. Wer bei uns arbeitet, soll langfristige Perspektiven haben und sich beruflich weiterentwickeln können.


