Dienstag, Juli 5, 2022
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Zwei wagemutige Männer retteten St. Ingbert

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Am 20. März 1945 drohte der Stadt ein Angriff amerikanischer Bomben

Ein Beitrag aus dem aktuellen saarnews-Magazin für St. Ingbert

„Das glaabsche wohl selwer net“ war der Kommentar eines 16-jährigen Enkels als ihm sein 86-jähriger Großvater bei einem Spaziergang am „Schafkopf“ auf einen Graben aufmerksam machte, den er für ein Überbleibsel aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges hielt. Doch der Opa hatte recht. Die Generation, die den Zwei-ten Weltkrieg noch als Kind erlebt hat, ist inzwischen über achtzig Jahre alt. Doch ihre Erinnerungen an die Kriegszeit sind im Gegensatz zur heutigen Geschichtsvergessenheit noch nicht verblasst.

Der am Fuße des „Schafkopfes“ in unmittelbarer Nähe zur Straße gelegene Graben, der etwa 20 Meter lang und zwei Meter breit ist, wurde tatsächlich im März 1945 von Angehörigen des „St. Ingberter Volkssturms“ angelegt, die die Stadt St. Ingbert gegen die aus dem Bliesgau anrückenden amerikanischen Truppen verteidigen sollten.

Zu dieser Zeit befanden sich in St. Ingbert keine regulären Truppen der Wehrmacht mehr und auch die Parteiführung hatte längst die Flucht ergriffen. Die amerikanischen Bodentruppen hatten den Befehl sofort Luftunterstützung anzufordern, falls sie am Stadtrand von St. Ingbert auf Widerstand stoßen sollten.

Der Bevölkerung der Stadt St. Ingbert, die bis dahin weitgehend von Luftangriffen verschont geblieben war, drohte also ein Inferno durch die Bomben der „Fliegenden Festungen“ der amerikanischen Luftwaffe.

Dass die Stadt St. Ingbert diese wohl bedrohlichste Lage in ihrer Geschichte schadlos überstanden hat, ist zwei wagemutigen und zugleich besonnen Bürgern zu verdanken, die inzwischen in der Stadtchronik keine Erwähnung mehr wert sind.

Den Befehl über den „Volkssturm“, der aus alten Männern und halbwüchsigen Buben bestand, hatte der St. Ingberter Lehrer Philipp Schwalbach, der schon im Ersten Weltkrieg als Offizier gedient hatte.

Er wusste, dass die Verteidigung der Stadt St. Ingbert völlig aussichtslos war und schickte die alten Männer und Jugendlichen des „Volkssturms“ deshalb nach Hause, anstatt sie aus den Schützengräben mit Gewehren auf die anrückenden amerikanischen Panzer schießen zu lassen. Mit diesem Befehl bewies Philipp Schwalbach mehr als Zivilcourage. Bei einer Rückkehr der deutschen Wehrmacht wäre er wegen dieser Befehlsverweigerung standrechtlich erschossen worden.

Der zweite Bürger, der beim Anrücken der amerikanischen Truppen seiner Heimatstadt St. Ingbert einen unschätzbaren Dienst erwies, war der Bergmann Jakob Dörr. Er war 1927 als junger Mann in die USA ausgewandert, wo er in einer Grube in der Stadt Canton im Staate Ohio Arbeit fand. Im August 1939 besuchte er seine Heimatstadt St. Ingbert, konnte aber nicht mehr nach Amerika zurückkehren, weil am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach.

Als am 20. März 1945 die amerikanischen Truppen aus Richtung Ensheim auf St. Ingbert zurückten, machte sich Jakob Dörr auf den Weg, um mit einer weißen Flagge in der Hand am Kreuz in der Ensheimerstraße auf die heranrückenden amerikanischen Soldaten zu warten.

Am früheren Standort des Kreuzes am Ortsrand von St. Ingbert in Richtung Ensheim wartete der Bergmann Jakob Dörr auf die amerikanischen Truppen.

Der amerikanische Offizier, der diese Einheit führte, war natürlich sehr erstaunt auf einen Abgesandten der Stadt St. Ingbert zu treffen, der nicht nur perfekt englisch sprach, sondern sogar einen amerikanischen Pass vorzeigen konnte. Für diese inoffizielle Übergabe der Stadt St. Ingbert hätte Jakob Dörr bei einer Rückkehr der deutschen Truppen riskiert standrechtlich erschossen zu werden.

Beim Einmarsch in St. Ingbert wies Jakob Dörr den amerikanischen Truppen als Pfadfinder den einzigen Weg der ins Stadtzentrum führte über die Eisenbahnbrücke auf der Teufelsinsel. Alle anderen Brücken waren gesprengt. 

Bevor die deutsche Wehrmacht aus St. Ingbert abzog, hatte sie alle Eisenbahnbrücken gesprengt, um den amerikanischen Truppen den Zugang zum Stadtzentrum zu versperren. Die Brücke auf der Teufelsinsel (unser Foto) wurde dabei aber vergessen. 
Über diese Brücke führte Jakob Dörr die amerikanischen Soldaten in die Stadt.

Nach der Besetzung der Stadt St. Ingbert diente Jakob Dörr den amerikanischen Truppen noch längere Zeit als Dolmetscher.


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