Ein Reformwerk mit weitreichenden Folgen

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Das frühere St. Ingberter Landratsamt hatte nach dem 1. Januar 1974 ausgedient. In dem nutzlos gewordenen Gebäude wurde später das Albert-Weisgerber-Museum eingerichtet, das aber auch aufgelöst wurde. Inzwischen ist das alte St. Ingberter Landratsamt Sitz einer Landesbehörde.

Der 1. Januar 1974 ist ein historisches Datum in der Geschichte des Saarlandes. An diesem Tag trat die Gebiets- und Verwaltungsreform in Kraft, die die Grenzen der saarländischen Gemeinden und Landkreise neu festlegte.

Die Stadt St. ingbert konnte sich dabei die Gemeinden Rohrbach, Hassel, Oberwürzbach und Rentrisch einverleiben aber musste Schnappach an Sulzbach abtreten.

Gleichzeitig erhielt die Stadt St. Ingbert, die dadurch auf rund 45.000 Einwohner anwuchs, den Status einer mit mehr „Souverä-

nität“ ausgestattenten Mittelstadt. Über die Vor- und Nachteile dieses epochalen Reformwerkes wurde im Vorfeld sehr kontrovers diskutiert. Die Bürgerinnen und Bürger der bis dahin selbständigen und wirtschaftlich sehr erfolgreichen Gemeinde Rohrbach trieb dieses Reformwerk sogar auf die Barrikaden.

In St. Ingbert hielt sich die Begeisterung über den plötzlichen Zuwachs an Einwohnern in Grenzen, weil der durch den Verlust des

Kreissitzes teuer erkauft wurde.

Der Kreis St. Ingbert, zu dem bis dahin der gesamte Bliesgau gehört hatte, wurde im Rahmen dieser Gebiets- und Verwaltungsreform dem neu geschaffenen Saarpfalz-Kreis zugeordnet, einem Zusammenschluss der früheren Kreise Homburg und St. Ingbert.

Die neue Verwaltung des Saarpfalz-Kreises wurde der Stadt Homburg zugesprochen.

St. Ingbert konnte nach dem 1. Januar 1974 zwar mit dem Titel „Mittelstadt“ glänzen, verlor aber gleichzeitig seine Zuständigkeit für den Bliesgau, was sich dann im Laufe der folgenden Jahre als sehr nachteilig erweisen sollte.

Durch die Aufgabe des Kreissitzes verlor die Stadt St. Ingbert nämlich ein wichtiges Bindeglied zum Bliesgau. Sie musste eine Reihe von Ämtern abgeben, die vorher für zahlreiche Einkaufspendler aus dem Bliesgau gesorgt hatten.

St. Ingbert verlor dadurch in den folgenden Jahren etwa 9.000 Einkaufspendler, während Homburg im gleichen Zeitraum einen Zugewinn von etwa 12.000 auswärtigen Kunden verzeichnen konnte.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die seit 1969 in St. Ingbert ansässige „Kaufhalle“, die innerhalb weniger Jahre einen großen Teil ihrer Kunden verlor, was schließlich zur Schließung der Kaufhalle geführt hat.

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