Die starken Frauen beim 1. FC Saarbrücken – Teil 1: Renate Stein

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Foto: "Es Renate" und ihr neuer Stand.

Vordergründig ist der größte Fußballverein an der Saar eine reine Männerveranstaltung. Weder im Präsidium, noch im Aufsichtsrat oder im Ehrenrat ist eine Frau vertreten. Trotzdem sind auch beim FCS sie der Kitt, der das ganze Gefüge zusammenhält. Wir wollen in einer dreiteiligen Serie die starken Frauen beim 1. FC Saarbrücken vorstellen.

„Es Renate“ kennt jeder. Wer irgendwann einmal ein Fußballspiel des saarländischen Traditionsclubs besucht hat, egal ob im Ludwigspark, in Völklingen oder sonstwo im Land, ist ihr mit absoluter Sicherheit schon einmal begegnet. Denn Renate Stein ist für den Verkauf der Fanartikel während der Spiele zuständig. Und sie hat diesen Job verinnerlicht.

Angefangen hatte ihr Beziehung zum FCS vor weit mehr als 20 Jahren, als sie noch in Emmersweiler die Kneipe „Treffpunkt“ betrieb. Das war zu diesen Zeiten eine Anlaufstelle für Fans des 1. FC Saarbrücken aus dem Warndt. Der spielte mit geringen finanziellen Mitteln immerhin noch zweite Liga und war neben den Roten Teufeln die uneingeschränkte Fußballhochburg im Südwesten der Republik.

Sicherlich misslang auch viel in diesen Zeiten, doch die Saarbrücker hatten immer ein Näschen für begabte Spieler aus Westafrika wie Anthony Yeboah oder Jonathan Akpoborie, um nur die bekanntesten zu nennen. So fand denn auch ein junger Nachwuchskünstler mit dem Namen Stephen Musa seinen Weg ins Saarland. Doch der klamme Verein wusste nicht, wohin mit dem jungen Nigerianer, der da plötzlich vor der Tür stand. Der damalige Geschäftsführer Hoffmann muss dann auf die Idee gekommen sein, „Es Renate“ zu fragen, ob sie den jungen Mann bei sich aufnehmen würde. Und – „Kein Thema!“ sie tat es.

Sie hat ihm das Essen gekocht, die Wäsche gewaschen und ihn in der Gegend herumgefahren, denn der gute Junge besaß natürlich keinen Führerschein. Das setzte sich fort, so war bald auch Sambo Choji ein Schützling von Renate. Viele weitere Spieler folgten. Als der FC Homburg vor kurzem in Völklingen antratt, ließ Chadli Amri es sich nicht nehmen, bei Renate vorbeizuschauen und sie zu umarmen. „Sie nennen mich alle Mama.“

Von Vereinsseite wurde ihr aufgrund der vielfältigen Aufgaben zeitweise sogar ein Auto zur Verfügung gestellt. „Das waren die schönsten Zeiten!“ erinnert sie sich strahlend. „Nachts um drei Uhr raus aus der Kneipe, um vier Uhr dann zum Spiel nach Jena.“ Renate Stein war immer dabei und mit ihr kam immer Schäferhund „Falko“, der sich bald zu Maskottchen des Vereins entwickelte.

Irgendwann wurde es zu viel, sie gab die Kneipe in Emmersweiler auf und wurde vollständig für den FCS tätig. Zu der Zeit befand sich die Geschäftsstelle noch in der Lebacher Straße und das Wort „Merchandising“ hätte bei den Managern dieser Tage bestenfalls unwirsche Reaktionen hervorgerufen. Doch Renate Stein nahm sich der Aufgabe an, die wenigen Artikel, meist Trikots und Schals, zu verkaufen und war damit sehr erfolgreich.

Den Job betreibt sie noch heute. Der neue Geschäftsführer David Fischer hat ihr sogar einen neuen Zeltpavillon in den FC Farben besorgt, der von schon Weitem sichtbar ist. Stellt man sich einmal zehn Minuten nebendran und beobachtet das Geschehen, stellt man fest, dass nicht nur jeder Renate kennt, sondern umgekehrt auch Renate jeden. Und sie hat natürlich den totalen Überblick über das Sortiment. „Gibt´s das auch in Größe XL?“ Antwort Renate: „Nee, do muschde abnemme.“

Sie hat viele kommen und gehen sehen in den vergangenen Jahrzehnten, doch einer ist ihr ganz besonders ans Herz gewachsen: Vereinsboss Hartmut Ostermann. „Der ist völlig anders als er immer dargestellt wird.“ Und sie erzählt von ihren vielfältigen Begegnungen. Einmal durfte sie sogar auf sein Geheiß als Betreuerin mit ins Trainingslager nach Jerez. „Das ist nicht so ein Schichi-Fatzke. Er ist wirklich sozial eingestellt und hilft, wenn er kann. Auf den lasse ich nichts kommen!“

Die Veränderungen im Verein im vergangenen Jahr begrüßt sie ganz unumwunden. Mit Geschäftsführer David Fischer pflegt sie eine offensichtlich beiderseitig geschätzte (Arbeits-)Beziehung: „Der hat Ideen!“. So organisierte er beispielsweise, dass sie ihre Fanartikel nicht nur im Stadion, sondern vor Weihnachten auch bei Elektronik Conrad oder im Sportheim an den Mann bringen konnte. Dirk Lottner lernte sie kennen, als sie den Hausmeister in den Umkleideräumen des Sportfelds suchte. Als sie nach ihm rief, stand plötzlich Lottner vor ihr. „Wen suchen sie denn?“ wollte er wissen. „Den Hausmeister!“ erwiderte Renate. „Ich bin nicht der Hausmeister, ich bin der neue Trainer.“ begrüßte er sie und reichte ihr die Hand.

„Wir sind eine große Familie!“ sagt Renate Stein. Und man nimmt es ihr ab. Die Leute am Tresen, Tanja die Wirtin, Klaus von „Rund um den FCS“, Frank, der ihr beim Verkauf hilft – alle kennen sich, foppen sich und erzählen von ihren Fahrten zu Auswärtsspielen des FCS.

Im laufenden Jahr feiert Renate Stein ihr 25-Jähriges Vereinsjubiläum. Auch wenn sie die 70 schon überschritten hat, kann man sicher sein: Renate bleibt am Ball!

Diesen Artikel – und viele weitere – finden Sie in der aktuellen Ausgabe von „Der Saarbrücker„.

 

 

 

 

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