Start Kultur 4. Freejazzfestival Saarbrücken, 21. bis 25. März 2018:

4. Freejazzfestival Saarbrücken, 21. bis 25. März 2018:

Foto: Bennink Brötzmann

Celebrating the 50th birthday of „Machine Gun“

„Eine brutale Gesellschaft provoziert natürlich eine brutale Musik.“ (Peter Brötzmann)

Nach dem furiosen Globe Unity Special der letzten Edition feiert das 4. Freejazzfestival Saarbrücken vom 21. bis 25. März 2018 zusammen mit Musikern aus dem ICP- und dem Globe Unity-Orchestra und einer Reihe von wilden Freejazz-Revoluzzern der jüngeren Generation mit dem fünzigjährigen Erscheinen des legendären Albums „Machine Gun“ den nächsten Meilenstein der europäischen Freejazzgeschichte.

Die 1968 mit einem Oktett um Peter Brötzmann und Han Bennink eingespielte Schallplatte MACHINE GUN gilt als eines der provozierendsten Werke der modernen Jazzgeschichte Europas.
»Machine Gun« war ein Spitzname, den Don Cherry, Peter Brötzmann gegeben hatte, weil er „so viel Stakkato gespielt“ hat, „so viel brutales Zeug“. Inhaltlich hat der Song mit Vietnam zu tun, aber auch mit der deutschen Nachkriegsgeschichte.
„Wir wollten auf der einen Seite die musikalischen Barrieren beiseite schieben – das war ja damals Hard-Bop-Zeit usw. Alles wunderbare Musik, aber für uns ungemein einengend – wir wollten aus diesem Adenauer-Mief raus. Den wollten wir nicht. Wir wollten nicht den Herrn Globke und wir wollten keinen Adenauer. Wir wollten auch keine neue Wehrmacht. Da kam wirklich alles zusammen. In Europa und speziell in Deutschland mussten wir uns mit den Fehlern unserer Väter auseinandersetzen. Das ist auch ein Grund, warum der deutsche Zweig der improvisierten Musik ein viel radikalerer war als in anderen europäischen Ländern, etwa in Großbritannien oder Frankreich. Ich denke, dass wir eine ganze Menge mehr mit unserer Vergangenheit zu kämpfen hatten.“ (Peter Brötzmann)

Spielen, ohne Noten lesen zu können, die radikale Ablehnung vorgegebener Strukturen, die geplante Provokation. Das gilt für Free Jazz, aber auch für Punk. Es gibt aus den achtziger Jahren ein Zitat von den Sex Pistols, in dem Han Bennink und Peter Brötzman als „die ersten Punks“ bezeichnet worden sind.

Zum Auftakt des 4. Freejazzfestivals Saarbrücken am 21.2. 2018 in der Stiftung Demokratie Saarland erläutert der renommierte Kölner Journalist Felix Klopotek, ein genauer Kennner der Szene („How they do it“, 2002), in einem Vortrag mit markanten Hörbeispielen die Weiterentwicklung des Free Jazz in den letzten fünfzig Jahren, die neuen Ausdrucksformen der Improvisierten Musik und ihre Bedeutung als emanzipatorische, soziopolitische Praxis, bevor die sechsköpfige Spielraum-Workshopband unter der Leitung des Globe Unity-Posaunisten Christof Thewes mit der von Friedrich Nietzsche inspirierten Performance „Tanz der Komödianten“ von Jorgo Schäfer eine Kostprobe ihrer kollektiven Improvisationskunst zum Besten gibt.

Der Prolog, am 22.3. 2018 im Kino 8 ½ lotet die Verbindung von auditiven und visuellen Medien aus und begleitet Peter Brötzmann auf einer „Jazz-Odyssee, von Wuppertal bis China“. Er beginnt mit einer Live-Performance von Christof Thewes (Posaune) mit Claudia Hahn (Querflöte) undJulien Blondel (Cello) zu einem Experimentalfilm. Es folgt ein den eher lyrischen Anfängen des Free Jazz der sechziger Jahre gewidmetesKonzert des Pianisten Uwe Oberg mit der Saxophonistin Silke Eberhard und bevor der Dokumentarfilm „Grobschnitt Brötzmann“ des Hamburger Regisseurs Peter Sempel den „Godfather of Freejazz“ porträtiert, für den diese Musik auch ein authentischer Ausdruck einer Protesthaltung ist.

Der erste Festivaltag am 23. 3. 2018 (Veranstaltungsort Kleines Theater im Rathaus) wird eingeleitet durch das seit 1990 existierende, aus renommierten Musikern der Freien Improvisationsszene Südwestdeutschlands bestehende Free-Jazz-Quartett YAHOOS, das, dieses Mal verstärkt durch den „Alien“ Martin “Schmiddi“ Schmidt am Ebass, mit seiner überbordenden Spielfreude einen fulminanten Beginn des Abends garantiert.

Im „schieren Enthusiasmus“, den er in seinen komplett improvisierten Ausflügen zusammen mit dem ICP-Saxophonisten Tobias Delius generiert, zeigt der 2017 mit dem SWR Jazzpreis ausgezeichnete Drum-Wizard Christian Lillinger anschließend, warum er zur Zeit als einer der interessantesten europäischen Schlagzeuger gilt.

Die Experimental-Rock-Gitarristin Ava Mendoza wurde von der Gitarrenwelt zu „einer der 10 weiblichen Gitarristen“ erkoren, „die man kennen sollte“. Zusammen mit dem „post-Brötzmann juggernaut“ John Dikeman am Saxophon, dem „vom Teufel besessenen“ Schlagzeuspiel von Onno Govaertund dem Bassisten Bary Guy als special guest, stellt sie zum Abschluß des ersten Festivaltages unter Beweis, daß es dreissig Jahre nach der Jazznoisegruppe Last Exit endlich wieder eine herausragende Liveformation gibt, die dem Begriff „Punkjazz“ seine wahre Bedeutung verleiht.

Die derzeit zu den radikalsten Saxophonistinnen zählende Dänin Mette Rasmussen eröffnet den 2. Festivaltag, am 24. 3. im Filmhaus. Ihr Spiel bewegt sich „in einem Feld, das sich abstecken lässt durch das Ekstatische von Albert Ayler, die Gewalt von Peter Brötzmann, den Abstraktionsgeist von Anthony Braxton und die Klangbesessenheit von Evan Parker“ (Gregor Dotzauer). In dem speziell für diesen Abend zusammengestellten Trio hat sie mit dem Globe Unity Schlagzeuger Paul Lytton und dem legendären Bassisten Barry Guy zwei kongeniale Mitstreiter gefunden.

Der Gitarrenvirtuose Olaf Rupp kreiert alsdann zusammen mit dem ICP-Cellisten Tristan Honsinger, dem Doublebassspieler Antonio Borghini und dem Schlagzeuger Rudi Fischerlehner ein Gewebe an musikalischen Landschaften aus Klangfarben, die die Grenzen des Erlaubten und des Möglichen verschieben, überschreiten und allen Hörgewohnheiten trotzen.

Mit dem Duo der Freejazzgiganten Peter Brötzmann und Han Bennink präsentiert das originale Herzstück, die treibende Kraft und die kreative Essenz von „Machine Gun“ zum Abschluß des 2. Festivaltages ein intensives, dynamisches und spannungsgeladenes Hörerlebnis, das bis in die Wurzeln der europäischen Freejazzgeschichte zurückreicht.

Während des Festivals wird der Wuppertaler Maler und Cartoonist Jorgo Schäfer als live-actionpainting seine einzigartigen Hör-Bilder kreieren, die aus dem im sinnlichen Wechselspiel von Hören und Sehen und dem Ineinsfall von Aufnehmen und Ausagieren entstehen.

Zum Ausklang gibt es am 25.3. 2018, ab 11 Uhr in der Bar/Café „Zing“ einen FreeJazzSchoppen mit Jamsessions unter Mitwirkung von Musikern des Festivals.

Aufgrund der limitierten Sitzplätze wird zu einer Reservierung der Tickets geraten, per email an stwi@freejazzsaar.de.
Programmdetails und weitere Informationen auf http://www.freejazzsaar.de.
Gefördert durch den Musikfonds e.V. mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes, das Kulturamt Saarbrücken, die Heinrich-Böll-Stiftung, die Stiftung Demokratie Saarland, Saartoto und die Sparkasse Saarbrücken.

  1. freejazzfestival saarbrücken, 21. bis 25. märz 2018Celebrating the 50th birthday of „Machine Gun“


auftakt, stiftung demokratie saarland, mi., 21. märz ’18, 20:00 uhr:


– Felix Klopotek: Vortrag „Freiheit und Disziplin.
Überlegungen zum Free Jazz als einer höheren Form der Komposition“

–  „Tanz der Komödianten“, Eine analoge audio-visuelle Komposition,
frei nach dem Text von  >> Friedrich Nietzsche „Der Mensch, der Komödiant der Welt“:

SPIELRAUMWORKSHOPBAND:
Christof Thewes – posaune, leitung & komposition
Claudia Hahn – flöte
Julien Blondel – cello
Johannes Schmitz – gitarre
Daniel Schmitz – trompete
Daniel Prätzlich – schlagzeug

Jorgo Schäfer – analog-visualisierung


prolog im kino 8 ½, do., 22. märz ’18, 20:00 uhr:

– Trio-Liveperformance zu Experimentalfilm:

Zwei Episoden aus „WUNDER DER SCHÖPFUNG“, Deutschland 1925,
Regie: Hanns Walter Kornblum, Johannes Meyer, Rudolf Biebrach

SPIELRAUMFILMMUSIKBAND:
Claudia Hahn – flöte,
Christof Thewes – posaune, leitung & komposition
Julien Blondel – cello

– Konzert OBERG / EBERHARD:
Uwe Oberg – klavier
Silke Eberhard – saxophon

– Dokumentarfilm mit Einführung durch den Regisseur:

„ROHSCHNITT PETER BROETZMANN,
Eine Jazz-Odyssee, von Wuppertal bis China“
D 2014, Regie: Peter Sempel, 98 Min.

während der festivaltage:

live-actionpainting von Jorgo Schäfer

 

  1. festivaltag fr., 23. märz ’18, 19:30 uhr:
    kleines theater im rathaus,
    eingang unter den arkaden in der betzenstraßeYAHOOS & special guest:
    Christof Thewes – posaune
    Thomas Honecker – gitarre
    Hartmut Oßwald – saxophon
    Jörg Fischer – schlagzeug
    plus Martin „Schmiddi“ Schmidt – ebassDELIUS / LILLINGER:
    Tobias Delius – saxophon, klarinette
    Christian Lillinger – schlagzeug

    MENDOZA / DIKEMAN / GOVAERT & special guest:
    Ava Mendoza – gitarre
    John Dikeman – saxophon
    Onno Govaert – schlagzeug

plus Barry Guy – bass

 

  1. festivaltag sa., 24. märz ’18, 19:30 uhr:
    filmhaus

    RASMUSSEN / LYTTON / GUY:
    Mette Rasmussen – saxophon
    Paul Lytton – schlagzeug
    Barry Guy – bassRUPP / HONSINGER / BORGHINI / FISCHERLEHNER:
    Olaf Rupp – gitarre
    Tristan Honsinger – cello
    Antonio Borghini – bass
    Rudi Fischerlehner – schlagzeugBRÖTZMANN / BENNINK:
    Peter Brötzmann – saxophon

    Han Bennink – schlagzeug

 

epilog im zing, so., 25.3. märz ’18, 11:00 uhr:
café bar zing, rotenbergstraße 37

JAM-SESSIONS mit Festivalmusikern

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Eintrittspreise:

Auftakt Mi.: 5,- €
Prolog Do.: 12,– €  / ermäßigt 7,– €
Festivalkarte Fr. + Sa.: 40, – € / ermäßigt 30,– €
Abendkarte Freitag: 25,– € / ermäßigt 18,– €
Abendkarte Samstag: 25,– € / ermäßigt 18,– €

Kartenreservierung per email an stwi(at)freejazzsaar(dot)de,
vorbestellte Karten müssen eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn abgeholt werden.

Abendkasse Fr. & Sa. ab 18:30 Uhr.