Was zählt, ist die Entscheidung: Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, Prof. Dr. Jörg Loth, Vorstand der IKK Südwest, Stephan Kolling, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, und Jan Benedyczuk, Staatssekretär im Bildungsministerium, (v. l.) diskutierten mit Moderator Mathias Gessner über das Thema Organspende. Bildquelle: Schlichter/IKK Südwest

IKK Südwest informiert Schüler*innen über Organspende 

Darüber spricht man nicht gerne, schon gar nicht in jungen Jahren. Doch um eine Entscheidung zum Thema Organspende treffen zu können, ist die Beschäf-tigung mit der eigenen Sterblichkeit unvermeidlich. Am Dienstagvormittag in-formierten Mediziner, Organspender und -empfänger gemeinsam mit Vertretern verschiedener Organisationen die rund 550 Schüler*innen des Kaufmännischen und des Technisch-Gewerblich-Sozialpflegerischen Berufsbildungszentrums (KBBZ bzw. TGSBBZ) zum Thema. Gesundheitsministerin Monika Bachmann war Schirmherrin des IKK-Südwest-Organspendetags. Sie wurde durch Staats-sekretär Stephan Kolling vertreten. 

Die Wartelisten sind lang, die Spenderzahlen niedrig. Derzeit hoffen alleine im Saar-land 184 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. In der gesamten Bundesrepublik sind es etwa 9.500. Doch obwohl viele Menschen dem Thema Organspende grund-sätzlich positiv gegenüberstehen, dokumentieren nur wenige ihren Willen in einem Organspendeausweis – ein Problem für Ärzte und Hinterbliebene. Prof. Dr. Jörg Loth, Vorstand der IKK Südwest, sieht hier die zwingende Notwendigkeit einer umfassenden Aufklärung: „Wer hinreichend informiert ist, dem fällt es wesentlich leichter, eine Ent-scheidung zu treffen. Mit unseren Spendertagen wollen wir den Menschen alle Infor-mationen an die Hand geben, die sie benötigen, um sich zu entscheiden. Die Ent-scheidung für oder gegen eine Organspende sollte nicht den Angehörigen in einer oh-nehin sehr belastenden Situation überlassen werden.“ 

Im Saarlouiser Theater am Ring diskutierten Stephan Kolling, Staatssekretär im Ge-sundheitsministerium, Jan Benedyczuk, Staatssekretär im Bildungsministerium, Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer, und Prof. Jörg Loth über die politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, um die Spenderzahlen in Deutschland zu erhöhen. Anne-Bärbel Blaes-Eise, Koordinatorin bei der Deutschen Stiftung Organ-transplantation, und Prof. Dr. Ralf Ketter, Transplantationsbeauftragter des Universi-tätsklinikums des Saarlandes, lieferten die Fakten zum Ablauf einer Organspende und insbesondere zur Hirntoddiagnostik. 

Eine „Blamage für Deutschland“ nannte Reiner Calmund, Bundesliga-Urgestein und Botschafter des Vereins Sportler für Organspende die gegenwärtigen Spenderzahlen in der Bundesrepublik; 2018 gab es bundesweit 955 Organspender*innen. Das ent-spricht 11,5 Organspenden je eine Million Einwohner. Hanna Schmitt, die ihrer Tochter eine Niere spendete, Sabine Martin, deren Mutter ihre Organe verschenkte, und Ellen Ehrenberg, die mit einem Spenderherz lebt, schilderten eindringlich und ergreifend ihre Erfahrungen zwischen Angst und Hoffnung, Leben und Tod. 

Eine Abstimmung per Smartphone zu Beginn und Ende der Veranstaltung zeigte, dass sich viele der Schüler*innen durch die Fachvorträge und persönlichen Geschichten besser aufgeklärt fühlen. Bereits im Vorfeld hatten sie das Thema im Unterricht be-handelt. Für die IKK Südwest ein Erfolg: „Seit 2012 sind alle Krankenkassen dazu ver-pflichtet, ihre Versicherten regelmäßig zum Thema Organspende zu informieren. Doch wir weiten diesen Auftrag gerne auf alle Menschen in der Region aus. Durch Veran-staltungen wie diese in Kooperation mit dem KBBZ Saarlouis wollen wir erreichen, dass die Zahl der Patienten, denen durch ein Spenderorgan geholfen werden kann, in Zukunft wieder steigen wird“, so Prof. Dr. Jörg Loth.