Kianz Froese: Fußballer und vielseitiges Business Chamäleon

Als Kianz Froese kurz vor dem Beginn der neuen Saison beim 1. FC Saarbrücken anheuerte, war er ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Was er wirklich drauf hat, zeigte er bald. Schnell war er Stammspieler, erzielte am 4. Spieltag gegen den FSV Frankfurt seinen ersten Treffer und lieferte im Sensationsspiel gegen Düsseldorf eine absolute Glanzleistung als er mit der Vorlage zu dem Treffer von Tobias Jänicke wesentlichen Anteil am Sieg hatte. Damit ist er übrigens Rekordhalter: Er ist der einzige Nicht-Bundesligaspieler, der im DFB-Pokal vier Vorlagen lieferte – Wahnsinn!

Wer aber ist dieser Kanadier mit kubanischen Wurzeln? Wir trafen den 23-Jährigen Mittelfeldspieler im Sulzbacher Salzbrunnen Carrée. 

Gut gelaunt ist er: „Ja, es macht Spaß!“ bekennt Kianz Froese. Hier in Saarbrücken hat er die Chance, seinen Traum zu leben. „Ich wollte schon immer Fußballprofi in Europa werden“. 

Kianz Vater Joe war ein besonderer Mann. Unternehmer, Erfinder, Entwicklungshelfer. Als Sprössling einer aus Deutschland stammenden, mennonitischen Familie mit 12 Kindern schaffte er es früh zum Millionär. Mit 20 Jahren hatte er es quasi „gepackt“ wie man es hier sagen würde, doch es zog ihn nach Afrika, wo er als Entwicklungshelfer versuchte, die Not der Menschen zu bekämpfen. Dort entwickelte er den Solarofen, mit dem auf umweltschonende Art und Weise Speisen gegart werden können. Seine Reisen und Entwicklungen waren kostspielig, viel Geld verschenkte er einfach. 

Joe Froese war ein vielseitig talentierter Mann. Er erfand den Solarofen, revolutionierte den Zaunbau und schrieb Bücher (Marrying Cuba“).

Mitte der 90er Jahre kam ihm die Idee, seine Solaröfen auch ins tropische Kuba zu bringen, da es auch dort fast nirgendwo Elektrizität gab. Als Projektleiterin der Regierung der Zuckerrohrinsel wurde ihm Esperanza Gonzalez zur Seite gestellt. Irgendwann muss es gefunkt haben und am 16. April 1996 wurde Kianz in Havanna geboren. Den Namen hatte sein Vater übrigens in der Nacht vor seiner Geburt geträumt….

Kianz Froese mit Vater Joe und Mutter Esperanza

Nach einem Jahr zog die junge Familie ins kalte Zentrum Kanadas, Saskachewan, der Heimat von Joe Froese. Kianz wuchs dort auf, lernte Englisch und wurde ein richtiger Kanadier – sehr zum Missfallen seiner Mutter, die sich wünschte, dass ihr Sohn von seiner kubanischen Herkunft beeinflusst bliebe. Also schickte sie den Jungen nach Kuba, wo er bei den Großeltern und der Tante aufwuchs. 

„Das waren keine luxuriösen Zeiten. Wir lebten zu sechst in einem Raum“. 

Doch dem jungen Kianz gefiel es dort ganz ausgezeichnet. Er entdeckte den Fußball für sich, kickte jede freie Minute mit den Kindern aus der Nachbarschaft auf der Straße. Zum nächsten Fußballclub waren es zwei Stunden mit dem Bus, die nahm er gerne auf sich. 

Als er 12 Jahre alt war, nutzte Kianz Mutter ihre Verbindungen und schaffte es, dass der Junge bei der kubanischen Jugendnationalmannschaft vorspielen durfte. Der Trainer war überrascht von seinen Fähigkeiten und so wurde Kianz Gonzalez Froese Jugendnationalspieler. Im zentralistisch organisierten Kuba gab es Kaderschulen, wo alle Fußballer, Boxer, Leichtathleten zusammenlebten und entsprechend ihrer Sportart unterrichtet und gefördert wurden. Auch Kianz wurde dorthin beordert. Doch dann kam der Hurrikan Katrina und verwüstete die Insel. Das Leben dort wurde unerträglich. Es gab kaum Lebensmittel, selbst das Trinkwasser war knapp. Also nutzte er seinen kanadischen Pass, um der Situation zu entfliehen. 

Mit 14 kehrte Kianz nach Kuba zurück und nahm das Fußballspielen wieder auf. Als sein Vater ihn irgendwann einmal spielen sah und feststellte, dass der Torhüter während des Spiels rauchte, sagte er ihm: „Wenn Du wirklich Fußballprofi werden willst, dann musst Du woanders spielen“. Also stellte sich Kianz bei der U17 seines Vaterlandes vor – und wurde aufgenommen. Mit dieser Mannschaft konnte er auch an der U17 Weltmeisterschaft teilnehmen. 

Die Vancouver Whipecaps fanden schnell Interesse an dem dynamischen Techniker und verpflichteten ihn. Nach der Jugendzeit wurde Kianz ins Profiteam übernommen und absolvierte seine erste Begegnung vor 65.000 Menschen in Seattle. Gleichzeitig wurde er in die Nationalmannschaft Kanadas übernommen, für die er die Begegnungen gegen Ghana und die USA bestritt. Doch diese Zeit sollte 2017 zu Ende gehen, denn der damalige Trainer der Whitecaps sprach sich dagegen aus, als Kianz nach Europa wechseln wollte. Als er diesen Schritt dennoch unternahm – „Es war immer mein Traum gewesen, in Europa zu spielen“ – wurde er von ihm nicht mehr für das Vancouver-Team nominiert. 

In Deutschland absolvierte Kianz verschiedene Probetrainings und wurde von Fortuna Düsseldorf verpflichtet. Zunächst für den A-Kader vorgesehen, landete er bald in der U23. Sein Vater war schwer erkrankt und Kianz hatte Probleme mit der Sprache. In dieser Zeit hat ihm sein Ex-Nationalmannschaftskollege und FCS-Spieler Adam Straith viel geholfen. Der spielte damals in Münster und baute den jungen Landsmann immer wieder moralisch auf. Nach zwei Jahren in Düsseldorf suchte er eine neue Herausforderung und erhielt ein Angebot des 1. FC Saarbrücken. Dass er sich als der geborene Zehner herausstellen sollte, dürfte den Verantwortlichen des 1. FC Saarbrücken im Nachhinein keine Kopfschmerzen bereitet haben. Seine Einsätze in der Liga wie im DFB-Pokal sprechen für sich. 

Sehen Sie hier unser Videointerview mit Kianz Froese:

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