Der FCS schafft das Unmögliche

Nur drei Viertligisten haben bisher erreicht, was dem 1. FC Saarbrücken gestern Abend gelungen ist. Nach einer zerfahrenen Partie dürfen die Fans des blau-schwarzen Vereins am Sonntag auf ein großes Los im DFB-Viertelfinale rechnen.

Lukas Kwasniok wartete mit einer Überraschung auf. Er hatte mit Boné Uaferro, Christopher Schorch und Steven Zellner drei Innenverteidiger in seine Startelf berufen. Doch „Zelle“ agierte nicht hinter oder in der Abwehrkette, sondern im Sturm. Das war eine clevere Wahl, denn der schnelle und körperlich robuste Primstaler warf sich vorne in jeden Ball, zog sich weit hinaus, um mit langen Bällen gefüttert zu werde, fand aber trotzdem oft genug den Weg in die hinteren Reihen zurück, um auch defensiv auszuhelfen.

Die Gäste aus Karlsruhe besaßen in den ersten 20 bis 25 Minuten die deutlich höheren Spielanteile. Sie pressten hoch und versuchten so, die Saarbrücker zu Fehlern zu zwingen, was allerdings selten gelang. Selbst wenn einmal ein Ballverlust zustande kam, räumte die sehr gut organisierte Innenverteidigung des FCS schnell wieder ab. So blieb es in der ersten Halbzeit bei einer einzigen Chance für den Zweitligisten als Anton Fink gleich nach drei Minuten abzog.

Auch nach der Pause erarbeitete sich das Eichner-Team mehr Ballbesitzanteile, doch die große Schwäche der Karlsruher bestand darin, dass ihre Angriffe wirkungslos blieben. Je länger das Spiel dauerte, umso mehr wurde klar, warum die Mannschaft gegenwärtig in den südlicheren Gefilden der Zweitligatabelle unterwegs ist: Es fehlt die Durchschlagskraft. Das konnte der Viertligist besser: Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte konnte Eisele mit einem Abschluss erstmalig den Torhüter Gersbeck prüfen.

Nach 75 Minuten erfolgte dann der Wechsel, den viele Fans erwartet hatten. Der Pokalheld der Spiele gegen Regensburg und Köln, Gillian Jurcher, durfte nun für Fabian Eisele ran, der sich im Sturmzentrum aufgerieben hatte. Die Maßnahme zeigte Wirkung, denn die Angriffe der Saarländer besaßen nun die Schärfe und Torgefahr, die den Gästen fehlte. „Gilli“ führte sich gleich mit einem Lupfer von der Seitenlinie ein, der nur ganz knapp neben dem Tor landete. Wenige Minuten später schrie das ganze Stadion „Elfmeter!“, als Jurcher im Sechzehner von den Beinen geholt wurde, doch Schiedsrichter Sören Storks verweigerte berechtigterweise den Strafstoß.

So ging es in die Verlängerung und die Saarbrücker zeigten sich weiterhin als das gefährlichere Team. Dem KSC gelang es nach wie vor nicht, die überlegene Spielanlage in Torgefahr umzumünzen und so pfiff Sören Storks nach 120 Minuten ab: Elfmeterschießen!

Saarbrücken begann mit Steven Zellner, der denn Ball haargenau ins rechte, untere Eck zirkelte. Golley und Zeitz trafen ebenfalls souverän. Als der Kapitän des KSC, David Pisot, anlief, hatte Daniel Batz die richtige Ecke erwischt und wehrte ab. Der FCS war nun einen Treffer vor. Der junge Nino Miotke, der in der Verlängerung für Perdedaj gekommen war, trat an und traf. Als auch Hofmann für den KSC verwandelte, hatte Christopher Schorch den Sieg in der Hand – und den ließ er sich nicht nehmen. Der Abwehrrecke hämmerte das Leder unhaltbar für Gersbeck in die Maschen und bog gleich ab Richtung Batz und den ausgelassen feiernden Fans. Der FCS hatte das Unmögliche vollbracht!

Fazit: Wenn ein Spiel durch Elfmeter entschieden wird, dann gewinnt immer der Glücklichere. Und so war es auch an diesem Abend. Aber, wie Dirk Lottner zu sagen pflegte: Dieses Glück muss man sich erarbeiten. Und das ist Lukas Kwasniok mit seinem Team gelungen. Nicht umsonst verwies er auf die harten Wochen in der Türkei, welche die Basis dafür gelegt hatten, dass seine Mannschaft eben nicht konditionell einbrach. Auch der Schachzug, Steven Zellner, der früher in Kaiserslautern ja offensiv unterwegs gewesen war, ganz nach vorne zu beordern und damit den Gegner zu beschäftigen, war sicherlich ein Baustein des Erfolges. Nun wird bereits am Sonntag ausgelost, welchen Gegner der FCS Anfang März erwarten darf. Klar ist jetzt schon: Wer diese Mannschaft unterschätzt, der hat schon verloren.

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