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Erich Kipper und die Reife

Kaffeehaus-Poet Erich Kipper

DIE ZEIT DER REIFUNG IST VERSCHIEDEN,               

UNREIFE WERDEN GERN GEMIEDEN.       

DIE BANANE IST SO KÜHN,                  

SCHMECKT MIR AUCH UNREIF, GÄNZLICH GRÜN.    

UNGEKOCHTE GRÜNE BOHNEN         

SICH ZU ESSEN NICHT SEHR LOHNEN.                    

SIND TOMATEN GRÜN STATT ROT,       

BESTEHT EIN STRIKTES ESSVERBOT.              

AUCH AUBERGINEN MÜSSEN REIFEN,      

UM SIE ZUM ESSEN ZU ERGREIFEN.               

KARTOFFELN UND MARONEN                 

SICH NUR GEKOCHT ZUM ESSEN LOHNEN.      

UNREIFE HOLUNDERBEEREN                              

SOLLTE MAN AUCH NICHT VERZEHREN.              

AUCH DIE SCHUHE SOLLTEN REIFEN,        

ZU KLEINE AN DEN ZEHEN KNEIFEN.      

IST MAN FÜR LIEBE NOCH NICHT REIF,                  

WIRKT MAN AUF FRAUEN EHER STEIF.                             

NATÜRLICH GILT DER LETZTE VERS       

AUCH FÜR MÄNNER UND GENTERS.                   

ICH REIFTE EHER KREUZ UND QUER,     

DOCH DAS IST ZWANZIG JAHRE HER.                              

ZUR ZEIT BIN ICH AM PUBERTIEREN,  

NICHT ALLES SCHEINT ZU FUNKTIONIEREN.     

ALS NÄCHSTES KOMMT DAS KIND IM MANNE,                

WIRD LANGSAM LEER – DIE LEBENSKANNE⁉