Isch over! Eine poetische Wahlbeteiligung

Europawahl, Kommunalwahlen, Kreistagswahlen und einige Persönlichkeitswahlen in Landratsamt und Rathäuser sind nach den Stichwahlen am Pfingstsonntag abgeschlossen. Die Ergebnisse sind bekannt, einige Überraschungen auch, letzteres sollte dem kleinen Demokraten in uns Freude bereiten.

Mal wurde mit Stil gekämpft, manchmal auch Freestile, ab und zu auch via Schlagabtausch mit und ohne Maske in den sogenannten Sozialen Medien. Im Großen und Ganzen können wir froh sein, dass die landestypische „Lummerkeit“ als „Harmonie der nicht ausgetragenen Widersprüche“ (Ludwig Harig) sich durchgesetzt hat, vielleicht auch eher durchgefettet ist.

Alles könnte also in bester saarländischer Ordnung sein, die Blessuren bleiben überschaubar und sind hoffentlich bald verheilt Das Unordentliche scheint unterm Sofa geblieben zu sein bei Hempels (Volksmund) oder im Haus von Jääbs (Familie aus Quetschemimbach).

Ob und wie die Partei mit dem Vogelschiss sich in diese Ordnung fügt, wird noch zu beobachten sein. Auch hier gab‘s im Wahlkampf nicht genug Substanz für Ausrutscher und selbst Störchin Beatrix hinterließ in Rohrbach nur lokale Flecken.

Es „isch over“, könnte man mit den Worten eines weiteren Dichters (Wolfgang Schäuble) zufrieden konstatieren und zum Alltag übergehen, wäre da nicht noch ein Manko: In den Stichwahlen in Saarbrücken und Neunkirchen lagen die Wahlbeteiligungen bei gerade mal 33,3 und 34,3 Prozent. Beide Städte sind ja durchaus vergleichbar: der Boden des Strukturwandels ist brüchig, Bausubstanz und Sozialstruktur haben Risse und die Finanzen sind prekär.

Die Gewinner der Stichwahlen müssen sich fragen, wie tragfähig ihre Legitimation tatsächlich ist, wenn nur etwas über die Hälfte eines Drittels der Wahlberechtigten für sie abstimmten. Da steckt „des Pudels Kern“ (Johann Wolfgang von Goethe) oder „liegt der Hund begraben“ (unbekannt, 17. Jh.). Liebe Stichwahl-Sieger: Macht es Euch in Euren Ämtern auch zur Aufgabe, den anderen fünf Sechsteln das Gespräch anzubieten, damit sie zur Sprache kommen – und ihre neu gefundene Stimme vielleicht beim nächsten Mal abgeben können. Nicht dass es dereinst für unsere demokratische Gesellschaft heißt: „Der Rest ist Schweigen.“ (William Shakespeare)

Sepp Korn

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