Start Kommentare Hochzeits-Bouillon mit Commerçon und Conradt

Hochzeits-Bouillon mit Commerçon und Conradt

Was alles mit allem zu tun hat. Ein Aufwasch

Die Meldungen in 48 Stunden: Der neue OB unserer Landeshauptstadt, Uwe Conradt, verzichtet auf eine aufwändige Begrüßungsfeier. Besonders feierfreudig dagegen zeigt sich eine „Hochzeitsgesellschaft“ auf der A 620 und führt selbstbewusst und zweispurig Tempo 60 ein. SPD-Minister Uwe Commerçon wird Fraktionschef im Landtag, dafür kommt eine neue Bildungsministerin, zwei SPD-Staatsekretäre werden frisch gebacken und der bisherige Fraktionschef tritt vorerst etwas kürzer.

Die CDU-Landespolitik zeichnet sich als konservativer aus, indem sie etwas länger wartet, bevor auch sie am Rad drehen wird. Vielleicht am großen Rad: Sozialministerin Bachmann und Innenminister Bouillon hätten Ruhestand verdient, mit (finanzieller) Sicherheit steigt der Finanzstaatsekretär in die kommunale Liga ab und der Chef(innen)-Posten bei der Landesmedienanstalt ist neu zu besetzen. Soll noch jemand sagen, es bewegt sich nichts in diesem Land!

Das menschliche Denken ist darauf ausgelegt, aktuelle Informationen mit bekannten zu verknüpfen, Zusammenhänge herzustellen, um dadurch neue Problemlösungen zu finden. Versuchen wir das mal mit dem künftigen OB Uwe Conradt und dem „Hochzeitskorso“ auf der A 620: Der eine verzichtet demonstrativ auf eine 26.000 € teure Feier zur Amtseinführung, während eine nicht näher bezeichnete private Gesellschaft sich selber demonstrativ dafür feiert, jederzeit die öffentliche Autobahn für sich beanspruchen zu dürfen. Beides hat so was mit nichts miteinander zu tun, dass es schon wieder erhellend wirkt. Uwe Conradt will die Allgemeinheit nicht mit Kosten für eine einmalige Würdigung belasten, eine Hochzeitsgesellschaft dagegen möchte gerade diese Allgemeinheit an ihrer einmaligen Freude teilhaben lassen – freiwillig oder unfreiwillig.

Beim Personalkarussell in der Landespolitik sieht das einfacher aus. Die einen gehen, damit andere kommen können, man gibt sich die Klinke in die Hand und die Allgemeinheit fragt sich nach dem inhaltlichen Gründen. „Die Aufstellung wird etwas jünger und weiblicher sein“, sagt die SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger. „Reicht das?“, fragen sich die Bürgerinnen und Bürger. Bei der CDU wird das ähnlich kommen – wetten? Jünger dürfte kein Problem sein und zumindest eine Stelle, hört man, wird auch weiblicher werden.

Das Bedürfnis, alles mit allem zu einem sinnvollen Ganzen zu verbinden, kann aber auch zu Verschwörungstheorien führen: Wurde die Blockade zwischen Saarbrücken und Saarlouis gar nicht durch eine Hochzeitsgesellschaft verursacht? Wollte hier jemand „schnellstmöglich Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen“ (Rehlinger)? Wurde deshalb die Korso-Truppe nicht mit saftigen Bußgeldern belegt, die dicke für einen feierlichen Amtsantritt gereicht hätten? Gönnt denn niemand Bouillon einen letzten gedeckten Scheck?

„Wäre, wäre Fahrradkette“, würde da Lothar Matthäus sagen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sepp Korn