Chance vertan! Nach den Ergebnissen der Konkurrenz aus Ulm und Aue hatte der 1.FC Saarbrücken am Sonntagnachmittag die lukrative Ausgangslage, mit einem Sieg den Klassenerhalt fast schon zu sichern. Zusätzlich wäre Blau-Schwarz an Stuttgart II und Regensburg vorbeigezogen, auch Hoffenheim II hätte bei entsprechender Höhe eingeholt werden können. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Ulm und Aue in der aktuellen Verfassung
Einen Sieg zu erwarten wäre allerdings ein wenig utopisch gewesen, spielte man doch auswärts bei der stärksten Heimmannschaft in Duisburg. Der MSV hat in dieser Spielzeit noch keine Partie in der heimischen Schauinsland-Reisen-Arena verloren, wohingegen der 1.FC Saarbrücken erst einen Erfolg in der Ferne zu verbuchen hat.

Der Verlauf der zweiten Hälfte darf dennoch als sehr ärgerlich betrachtet werden. Saarbrücken drehte die Begegnung nach einer ruhigen ersten Halbzeit aus dem Nichts, ließ sich nach dem schnellen Ausgleich allerdings zu leicht abkochen und schenkte den durchaus möglichen Punktgewinn mehr oder weniger her.
Die Startelf von Argirios Giannikis war unverändert zu der gegen Wiesbaden. Eine logische Schlussfolgerung, nach der vielleicht besten Saisonleistung. Wie bereits erwähnt verlief die erste Hälfte ruhig. Der FCS starte in der gleichen Struktur wie in den Partien zuvor und ließ den MSV erst einmal das Kommando übernehmen. Duisburg kommt bekanntlich eher über Emotion und Leidenschaft, versucht grundsätzlich zügig hinter die Kette des Gegners zu gelangen. Darauf war Saarbrücken selbstverständlich eingestellt und es kam eher zu einer Art „Beschnuppern“ in den ersten Minuten.
Die erste interessante Kombination geschah in Minute 11. Civeja, der weitaus höher verteidigte als sein Doppelsechs-Partner Sontheimer, ließ sich vom Duisburger Sechser Leon Müller rausziehen, woraufhin die Mitte des 1.FC Saarbrücken tief bespielt werden konnte. Mit wenigen Kontakten gelangte der Ball in den Laufweg des schnellen Lobinger, der am langen Eck vorbeischoss. In dieser Szene ließen sich erste Probleme beim Verteidigen von Lobinger erkennen, da weder Bormuth noch Wilhelm wirklichen Zugriff auf ihn bekamen, obwohl sie in gleicher Höhe starteten.

Früh zeichnete sich ab, dass es auf ein Fehlerspiel hinauslaufen würde. Es folgte schließlich die 23 Minute, in welcher die Zebras in Führung gingen. Meuer bekam den Ball auf Höhe der Mittellinie und wird von Civeja überhaupt nicht angegriffen. Dementsprechend kann er den zugegebenermaßen perfekten Tiefenball in Richtung Lobinger spielen, der Bormuth ohne große Probleme davonlief und zum 1:0 einschob. Einen großen Fehler sollte man dem erfahrenen FCS-Innenverteidiger hier nicht ankreiden, der lange Schlaf von Meuer war sehr undankbar für einen Verteidiger. Ebenso zeigte sich Torhüter Menzel ein wenig zu unentschlossen in dieser Szene. Mit etwas besserer Antizipation hätte er den Ball durchaus klären können.
Offensiv lief derweil wenig zusammen bei den in Gelb spielenden Saarländern. Duisburg kippte das Ballbesitzverhältnis bereits nach etwa zehn Minuten zu Gunsten des FCS, der merklich Probleme mit diesem Umstand aufwies. Bereits in der Vergangenheit war der FCS stets gefährlicher, wenn er weniger den Ball hatte. Wie in bislang allen Partien unter Giannikis versuchten sie es mit dem vertikalen Bespielen der Halbspur auf beiden Seiten, es fehlte jedoch an der nötigen Genauigkeit. Dazu generierte man sehr wenig über das Zentrum, da Dominic Baumann Probleme bei der Ballabsicherung hatte und Kaan Caliskaner nicht wirklich am Spiel teilnahm. Nach seinem überragenden Auftritt gegen Wiesbaden war dem gebürtigen Kölner der fehlende Rhythmus anzumerken, was nach der langen Pause nicht weiter verwunderlich ist.
Die beste Saarbrücker Chance des ersten Durchgangs entstand allerdings durch das Duisburger Mittelfeld. Sontheimer, der trotz Wadenproblemen auflief, sah Tim Civeja, welcher einen hervorragenden Laufweg in den Sechserraum des MSV absolvierte. Dieser fand den mitlaufenden Maurice Multhaup, dessen Schuss den linken Pfosten berührte. Multhaup bewies sich in den vergangenen drei Spielen als riesiges Upgrade für das Saarbrücker Offensivspiel. Seine direkte Spielweise stellt ein wunderbares Pendant zu dem manchmal ein wenig zu verkopften Spiel von Florian Pick dar.
Der FCS verfügte in Hälfte eins über viel leeren Ballbesitz. Duisburg organisierte sich brillant gegen den Ball und unterband die meisten Angriffsversuche des 1.FC Saarbrücken ohne größere Sorgen. Ändern sollte sich diese Beobachtung kurz vor der Pause, als Florian Pick eine eigentlich harmlose Halbfeldflanke schlug. Offenbar irritierte die scharf aufs Tor angeschnittene Hereingabe MSV-Innenverteidiger Fleckstein, der sich verschätzte und das Spielgerät unglücklich in den eigenen Kasten verlängerte. Ein Ausgleich, der nicht wirklich unverdient war, sich aber auch nicht zwingend andeutete.
Nach der Pause wurden die 18953 Zuschauer Zeuge der wohl schönsten Saarbrücker Kombination in dieser Saison. Pick trieb das Spiel von der eigenen Hälfte in den gegnerischen Sechzehner, bevor einen wunderbaren Pass, auf den im Sechzehner lauernden Baumann spielte. Dieser legte nicht weniger schön ab für Maurice Multhaup, der das Leder mit dem schwachen Fuß in die Ecke donnerte. Ein wunderschönes Tor des 1.FC Saarbrücken.
Das Momentum wirkte nun auf Seiten des FCS, der eine Minute später die nächste große Gelegenheit bekam. Bretschneider fing einen schwachen Pass von Fleckstein ab und machte sich mit langen Schritten auf den Weg Richtung Strafraum. Seine Weitergabe ins Zentrum war vermutlich für Caliskaner gedacht, doch Baumann nahm den Ball kurz vorher an und schloss schließlich aus spitzem Winkel ab. Baumann verhielt sich in diesem Moment zu unruhig. Caliskaner hätte den Ball ohne großen Gegnerdruck annehmen können und Baumann in den freien Raum stürmen müssen, was eine hundertprozentige Torchance nahezu garantieren würde.
Dies sollte auch das letzte spielerische Highlight des FCS darstellen. Duisburg wechselte erstmals und brachte mit Symalla, Sussek und Casar drei Akteure, die diese Begegnung später zu Gunsten des MSV Duisburg entscheiden sollten. Beim 1.FC Saarbrücken hingegen fehlte von der Bank jeglicher Schwung. Die Ausfälle von Sebastian Vasiliadis und Kai Brünker wiegen in diesem Sinne durchaus schwer. Elongo-Yombo ist stets bemüht, ihm gelingt in der Summe aber viel zu wenig. Kasim Rabihic und Luca Wollschläger wussten in dieser Saison bislang nicht zu überzeugen und Amine Naifi fehlt es nach seiner schweren Verletzung selbsterklärend an Spielpraxis.
Es fehlte im Angriff schlichtweg an Qualität von außen. Amine Groune weist im Training zwar offensichtliche Schwächen im taktischen Bereich auf, dafür belebte er bei jedem seiner Kurzauftritte die Offensive des 1.FC Saarbrücken. Gerade in Spielsituationen wie in Duisburg könnte er für weitaus mehr Gefahr sorgen als die eingewechselten Spieler es für gewöhnlich zeigen.
Der Rest der Partie lässt sich einfach zusammenfassen. Saarbrücken kassierte ein einfaches Gegentor nach dem anderen und ist mit dem 4-2 am Ende gut bedient. Duisburg ist bekannt für seine gefährlichen Halbfeldflanken, die der FCS schlichtweg schlecht verteidigte.

Als unpassend darf zudem der emotionale Ausbruch von Menzel in Richtung Pick nach dem 3-2 gesehen werden. Zwar geht Pick sehr leichtfertig in den Zweikampf. Dennoch ist es nicht sein Mann, der im Strafraum sogar die Zeit bekommt, sich den Ball noch einmal schön vorzulegen, bevor er ihn aus kürzester Distanz ins lange Eck hebt. Insbesondere Wilhelm und Bretschneider agieren hier einfach zu passiv, auch wenn Pick gerade vor der ersten Flanke von Bitter überhaupt nicht mitarbeitet.
Generell wirkte Pick überspielt und wäre definitiv ein Kandidat für eine Auswechslung gewesen, das Problem mit den fehlenden Alternativen haben wir allerdings bereits erwähnt.
Das 4-2 fiel schließlich nach einer Ecke, bei der es kein Saarbrücker für notwendig empfand, den völlig freien Symalla am Abschluss zu hindern. Dieser wurde obendrein noch abgefälscht, weshalb Menzel hierbei von jeglicher Schuld freizusprechen ist.
Diese Niederlage ist alles andere als ein Weltuntergang, da in Ulm und Aue bereits die Lichter ausgehen. Bei der aktuellen Verfassung dieser Mannschaften, ist es fast schon realitätsfern zu erwarten, dass eine dieser beiden Mannschaften noch den Klassenerhalt schaffen wird. Unter Giannikis bleibt die starke Bilanz von sieben Punkten, die man auf die beiden Konkurrenten gewann. Alles in allem agierte Saarbrücken nach dem 2-2 zu fahrig und verliert mit fünf zu zwei Torschüssen für Duisburg und einem xG-Wert von 1,8 zu 0,8, absolut verdient.
Den Teufel an die Wand malen sollte man definitiv nicht, dennoch ist es zumindest erwähnenswert, dass es der Mannschaft erneut nicht gelang, auf die Ergebnisse von Ulm und Aue entsprechend zu reagieren.
Spielernoten

Phillip Menzel: Eine Parade in der Box, ansonsten nicht ganz unschuldig bei zwei Gegentoren. 4-

Calogero Rizzuto: In der ersten Hälfte mit seinem vielleicht besten Auftritt unter Giannikis. 3+

Robin Bormuth: Beim ersten Tor ein wenig unglücklich. 3-

Lasse Wilhelm: Mit einigen Abspielfehlern, zudem sehr passiv beim 3-2 durch Noß. 4

Niko Bretschneider: Offensiv ineffektiv, defensiv durchaus anfällig. 4-

Patrick Sontheimer: Hielt nur 60 Minuten durch, da er mit Wadenproblemen zu kämpfen hatte. Fehlte nach seiner Auswechslung merklich. 3+

Tim Civeja: Offensiv in Ordnung, defensiv nicht immer auf der Höhe. 4+

Florian Pick: Je länger das Spiel dauert, desto verkopfter wurde er und es reihten sich Ballverluste aneinander. Sein schwächstes Spiel seit langem. 4

Kaan Caliskaner: Fehlt es nach langer Zeit ohne Spielpraxis an Rhythmus, die Partie lief nahezu an ihm vorbei. 4-

Maurice Multhaup: Der beste Saarbrücker an diesem Tag. 2-

Dominic Baumann: Bemüht, aber insgesamt zu ungefährlich. 4
Die Eingewechselten bekamen zu wenig Spielzeit für eine faire Bewertung.

