Es war kein gewöhnlicher Fördererabend, zu dem die Ludwig-Harig-Gesellschaft am 25. Juni in das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers eingeladen hatte. Vielmehr nutzte der junge Verein das Treffen, um Bilanz zu ziehen, neue Unterstützer zu gewinnen und zugleich den Blick auf ein Jahr zu richten, das für die saarländische Literaturlandschaft von besonderer Bedeutung werden dürfte: 2027 wäre Ludwig Harig 100 Jahre alt geworden.
Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Verwaltung, darunter der Schriftsteller und langjährige Literaturredakteur des Saarländischen Rundfunks, Dr. Ralph Schock, Nil Berber vom Ministerium für Bildung und Kultur, Regionalverbandsdirektorin Dr. Carolin Lehberger, Sulzbachs Kulturamtsleiterin Vienna Gebhardt sowie der frühere Sulzbacher Bürgermeister Hans-Werner Zimmer. Außerdem war der ehemalige Sulzbacher Buchhändler Rolf Strauß zugegen, der sich sehr für die Ludwig-Harig-Gesellschaft engagiert. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Gruppe ESPE um Hans Bollinger, die in Zusammenarbeit mit Harig viele seiner Texte vertont hatten und einige davon an diesem Abend vortrug.
Im Mittelpunkt des Abends stand weniger die Rückschau als vielmehr die Frage, wie das literarische Erbe Ludwig Harigs lebendig gehalten und vermittelt werden kann. Die 2025 gegründete Ludwig-Harig-Gesellschaft versteht sich ausdrücklich nicht als klassischer Förderverein, der ein Archiv verwaltet. Vielmehr soll das Werk des Sulzbacher Schriftstellers immer wieder neu erschlossen und in aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge gestellt werden. Ziel ist es, Harigs Literatur auch für Menschen zugänglich zu machen, die bislang kaum Berührung mit seinem Werk hatten.
Ein Schwerpunkt ist dabei das Projekt „Harig lesen – Geschichten neu entdecken“, das vom saarländischen Bildungsministerium gefördert wird. Über die Internetseite https://ludwig-harig.de/ sowie soziale Netzwerke werden Leserinnen und Leser eingeladen, eigene Zugänge zu Harigs Texten zu entwickeln und diese mit der Gesellschaft zu teilen. Ergänzt wird das Angebot durch ungewöhnliche Formate – etwa ein WM-Tippspiel, das an Harigs Leidenschaft für den Fußball anknüpft und auf seine sportliterarischen Texte oder das Hörspiel Das Fußballspiel aufmerksam machen soll. Auf diese Weise möchte der Verein bewusst neue Zielgruppen erreichen.
Im Fokus der Familie Harig und der von ihr initiierten Gesellschaft steht das bevorstehende Jubiläumsjahr 2027. Bereits im April plant die Gesellschaft eine Ludwig-Harig-Lounge im Rahmen des Literaturfestivals erLESEN im Kulturzentrum am Eurobahnhof in Saarbrücken. Vorgesehen sind Lesungen mit ehemaligen Trägerinnen und Trägern des Ludwig-Harig-Stipendiums, Gespräche über Harigs Werk sowie Begegnungen mit Literaturwissenschaftlern und Weggefährten. Die Veranstaltungsreihe soll den Autor weit über Sulzbach hinaus erneut in den Mittelpunkt der literarischen Öffentlichkeit rücken.
Parallel dazu arbeitet die Gesellschaft an mehreren Buchprojekten. So soll die „Urweiler Elegie“ in einer neu kommentierten Ausgabe erscheinen. Geplant ist dabei keine bloße Neuauflage, sondern eine editorische Neubearbeitung mit aktuellen Fotografien, Erläuterungen und Einordnungen, die Harigs Text in einen heutigen Kontext stellt. Darüber hinaus soll Anfang kommenden Jahres der abschließende Band der kommentierten Werkausgabe im Hanser Verlag veröffentlicht werden.
Bei allen Vorhaben steht jedoch eine Herausforderung im Raum: Die Ludwig-Harig-Gesellschaft arbeitet ausschließlich ehrenamtlich und ist auf Fördermittel, Spenden und neue Mitglieder angewiesen. Mehrfach wurde an diesem Abend deutlich, dass die Vielzahl geplanter Projekte nur mit zusätzlicher Unterstützung aus Kultur, Politik und Bürgerschaft umgesetzt werden kann. Gerade deshalb diente der Fördererabend nicht allein der Information, sondern auch dem Aufbau eines Netzwerks, das das Jubiläumsjahr tragen soll.
Ein knappes Jahr vor Ludwig Harigs 100. Geburtstag zeichnet sich ein spannendes Programm ab. Es setzt weniger auf nostalgische Erinnerung als auf die Aktualität eines Autors, dessen Texte über Sprache, Heimat, Geschichte und Identität bis heute Fragen stellen, die weit über das Saarland hinausreichen. Darin liegt die eigentliche Aufgabe, die sich die Ludwig-Harig-Gesellschaft gestellt hat: Das Werk nicht zu konservieren, sondern es immer wieder neu ins Gespräch zu bringen.

















