Ist er grün oder grau? oder schwarz wie die Kohle? oder strahlend blau-weiß-rot aus Frankreich? Diese Frage lässt sich auch durch einen Blick in die Steckdose (dort wo der Strom herkommt?) nicht beantworten. (Es sei denn man hat zuvor zu tief ins Glas geguckt.)

Dabei wäre es zwingend erforderlich festzustellen, welchem Farbspektrum der Strom nun zuzuordnen ist, den wir gerade konsumieren.

Mit dem Energie Einspeise Gesetz von 2010 hat der Staat uns Stromverbraucher zur Abnahme von grünem Strom verpflichtet und festgelegt, dass wir für die Kosten aufkommen müssen. Das machen wir seitdem zwangsläufig mit dem Begleichen unserer Stromrechnung. (jährlich um die 1000 Euro pro Durchschnittshaushalt)

Als zahlendes Mitglied der Stromverbrauchergemeinschaft und zudem umweltbewusst, haben wir aber dann auch ein Recht darauf zu erfahren, ob es sich tatsächlich um regenerative Energie handelt, die wir da herunterladen. Was auf der Verpackung steht, muss auch drin sein, wenigstens zum Teil!

Und genau hier liegt ein Problem, eines von zu vielen die durch die dilettantisch durchgeführte Energiewende hervorgerufen wurde. Da dem Strom nicht anzusehen ist, wo und wie er erzeugt wurde, wird dem Missbrauch, der falschen Deklaration zum Nachteil der Stromkunden, Tür und Tor geöffnet.

Im Durchschnitt in der Bundesrepublik werden von den Stadtwerken über 30% Anteil an Grünem (Öko) Strom deklariert. Nach einer Studie der Verbraucherzentrale ist dieser gerade mal 1 bis 2%. Siehe nachstehende Auswertung der Verbraucherzentrale, an der sich bis heute nichts geändert hat: (Bis auf weiter steigende EEG-Umlagen!)

iwr-schaubild-stromfarbe-20-10-16http://www.iwr-institut.de/images/downloads/IWR-Vortrag-NRW-Verbraucherzentrale-Energiewende-06112013.pdf

Dieser Etikettenschwindel wird durch einen Fehler in der behördlich vorgegebenen Berechnungsmethode legalisiert. In die Berechnung des Anteiles an grünem Strom, den wir von den Stadtwerken beziehen, geht nicht der tatsächliche Lieferung ein, sondern der Rechnungsbetrag über die EEG Umlage.

Pro Euro, die als EEG Umlage von den Stadtwerken von unserem Konto eingezogen, werden 8,177KWh als grüner Strom in der Lieferstatistik verbucht, ÖKO-Strom,der nie geliefert wurde. Das heißt, wir bezahlen grünen Strom, obwohl wir diesen nie erhalten haben.

Noch schlimmer: Unser sauberer grüner Strom wird an der Strombörse verhandelt und zu Marktpreisen unter Gestehungspreis ins Ausland verkauft. Dies führt nicht nur in Österreich zu wirtschaftlichen Verwerfungen auf dem Energiemarkt. Aber unser Nachbarstaat ist besonders betroffen, weil wir durch den Export von Strom zu Schleuderpreisen den Ausbau der eigenen Öko Stromindustrie blockieren. Die beiden Pumpspeicherwasserkraftwerke die in Tirol geplant waren liegen zurzeit auf Eis, weil die Investition sich bei dem derzeitigen Strompreis nicht rechnet.

Dem deutschen Stromkunden müssen bald die Haare zu Berge stehen, auch außerhalb des Bereiches der Hochspannungs-Trassen.

Im Mittel bezahlt eine Durchschnittsfamilie mit 3500 KWh Stromverbrauch im Jahr 31 Cent pro KWh, während unsere französischen Nachbarn gerade mal 16 Cent von der EDF in Rechnung gestellt bekommen.

Unsere Energiewende wird immer mehr zu einem teuren, und für unsere Wirtschaft gefährlichen Experiment.

Aber in Ordnung, wir haben es ja! Und trotzdem wollen wir nicht hinter die Fichte (Baum des Jahres 2016) geführt werden, in dem Politik und kommunale Einrichtungen uns Strom mit falscher Etikettierung liefern.

Strom kann man nicht so einfach einfärben, so wie das bei Heizöl praktiziert wird, um zu vermeiden, dass wir preisgünstiger fahren.

Wünschenswert wäre ein intelligenter Stromzähler in jedem Haushalt, der nicht nur das Verbraucherverhalten im Detail dokumentiert, sondern dem Stromkunden auch die Wahlmöglichkeit gibt, seinen von ihm gewünschten Anteil an grünem Strom, selbst einzustellen.

Manche Kunden, deren Verwandte oder Bekannte in dem Steinkohlekraftwerk in Bexbach arbeiten, werden dann aus Solidarität Strom mit schwarzer Farbe, also aus Steinkohle hergestellt, wählen. Eine braune Taste wird an dem Gerät aus historischen Gründen nicht angebracht.

Zukunftsmusik? Technisch unmöglich? Unsere Ingenieure sind bestimmt in der Lage ein System zu entwickeln, den unsichtbaren, farblosen Strom mit einem technischen Ursprungszeugnis zu versehen. (Vielleicht mit einer überlagerten feinen Schwingung als Ohrmarke?)

Selbst wenn das Projekt Fiktion bleiben sollte, 2017, also schon im nächsten Jahr, können wir wieder nach Farben wählen. Dann nicht im Energiebereich, sondern real im politischen Farbspektrum.

Dann muss man nur aufpassen, dass man in dem Gewirr von Farben, die richtige Taste erwischt. Denn Grün ist nicht zwangsläufig Grün und Schwarz hat eine andere Stelle im politischen Spektrum der Farben eingenommen. Rot und Dunkelrot zu unterscheiden ist ein Problem für wohlhabende Bürger mit Sehschwäche. Da Braun aus historischen, aber auch aus ethischen Gründen ausscheidet, bleibt nur noch Blau zu erwähnen und fast vergessen; Gelb mit dem Potenzial, wie Phönix wieder aus der Asche aufzusteigen.

Egal wie, am Ende muss dabei der beste Ergebnis für uns Bürger herauskommen. mit niedrigen Strompreisen, besserer Lebensqualität und schöner saarländischer Kulturlandschaft, bei der die hässlichen und gefährlichen Hochspannungsleitungen in den Boden verlegt werden.

Rainer Kuhn

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